KRITIKEN 2007/2008



Berlin

DAS ADA-STUDIO IN BERLIN ZEIGTE ‚S.O.S. – STUDENTS ON STAGE’

Choreografien von Studierenden des Dartington College of Arts, der HfS "Ernst Busch", der Tanzakademie balance1, DANCEWORKS berlin sowie DIE ETAGE


Kleine Schätze warten oft zu unerwarteten Zeiten und an scheinbar unspektakulären Orten. Im schmalen Studio Ada in Berlin-Prenzlauer Berg pendelt Dana MacPherson wie an einem Seil hin und her – ihr muskulöser, ganz in der einfachen Bewegung versammelter Körper schwingt im flackernden Licht, das die Augen irritiert und die Sinne verwirrt. Die Szenerie erinnert an alte Filme und entwickelt einen visuellen Sog, dem sich der Betrachter kaum entziehen kann. Dana MacPherson ist Studentin des Dartington College of Arts und seit einem Jahr am Choreographie-Studiengang der Ernst Busch zu Gast. Bei dem von Ada veranstalteten Abend ‚S.o.S. – Students on Stage’ präsentiert sie eine der beeindruckendsten Arbeiten, ebenso wie ihre britischen Kolleginnen Ruth Cross, Katherine Gilks, Jennifer Haggerty, Christina Kyprou, Jessie Percival und Samanta Vincentz. Die jungen Studierenden, ebenfalls aus Dartington für einige Zeit in Berlin zu Gast, zeigen mit ihrem düsteren Gruppenstück ‚In which direction’, wie man sich, vieler Schwierigkeiten zum Trotz, in der Großstadt erfolgreich selbst organisieren kann.
Neben den Choreografien von Studierenden des Dartington College of Arts präsentiert S.o.S. auch Arbeiten der HfS "Ernst Busch", der Tanzakademie balance1, DANCEWORKS berlin und DIE ETAGE, wobei neben den britischen Gästen vor allem Laura Keil und Mayra Wallraff aus dem zweiten Ausbildungsjahr von balance 1 mit eigenwilligen Soli überzeugten.
Mit S.o.S. haben Gabi Beier und Jenny Haak ein Erfolg versprechendes Konzept entwickelt: Studenten verschiedener Ausbildungsinstitute können hier ihre ersten eigenen Arbeiten zeigen, in einem zwar offiziellen, aber doch geschützten Rahmen, der allein durch die begrenzten Größe des Studios den Werkstatt-Charakter erhält und zugleich die Aufführungen aus dem schulischen Umfeld heraus nimmt. Dass dabei für Zuschauer und Präsentierende die unterschiedlichen ‚Handschriften’ der Ausbildungsgänge deutlich werden, ist mehr als nur ein zufälliger Nebeneffekt, sondern bedeutet die Möglichkeit zu konkretem Kontakt und Austausch untereinander. Was der Tanzplan Deutschland mit seinen Ausbildungsprojekten und der Biennale der Tanzausbildung auf höchster (und teuerster) Ebene ins Leben gerufen hat, realisiert die kleine Ada-Studiobühne mit begrenzten Mitteln und entwickelt damit ein kleines, feines Format, das die Tanzausbildungsszene genauso braucht wie ihre großen, repräsentativen Treffen.
Die Vorstellungen fanden vom 9.-11.5.2008 statt.
www.ada-studio.de

Veröffentlicht am 28.05.2008, von Elisabeth Nehring in Kritiken 2007/2008

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