Erst José dann Susana

Spanientänzerin, Choreografin und Pädagogin Susana Audéoud in Zürich gestorben

Zürich, 05/01/2010

Am Neujahrstag 2010 ist die berühmte Spanientänzerin, Choreografin und Pädagogin Susana Audéoud in Zürich gestorben. Sie stand im 94. Altersjahr.

Susana war Schweizerin, sah mit ihren schwarzen Haaren und dem dunklen Teint aber aus wie eine Erzspanierin. Auf die Welt kam Susanna Audéoud-Looser – so ihr Name nach der ersten Heirat - im Jahr 1916. Tochter eines Landarztes im bernischen Niederscherli lernte sie als Kind Ausdruckstanz und klassisches Ballett. Beides hat sie nie verlernt. Aber erst im Spanischen Tanz fand sie die Bewegungssprache ihres Herzens.

1947 traf sie an der Madrider Oper den erst kürzlich verstorbenen (14.9.2009) spanisch-baskischen Startänzer und Flamenco-Forscher José de Udaeta. Die beiden taten sich zum Duo „Susana y José“ zusammen. Das blendend aussehende Paar trat mehr als 20 Jahre lang höchst erfolgreich in der Schweiz, im übrigen Europa und auch in Übersee auf. Ihre Produktionen waren bahnbrechend, gelegentlich auch umstritten: Die beiden fügten spanische Folklore, insbesondere Flamenco, zu künstlerisch ambitionierten Bühnenproduktionen zusammen. Und das lange vor Berühmtheiten wie Antonio Gades, der in den vergangenen Achtzigerjahren abendfüllende Dramen in spanischem Tanz schuf („Carmen“ u.a.) - ebenso bühnen- wie filmwirksam.

Zu den Auftritten von „Susana y José“ gehörte zwingend Live-Begleitung mit Gitarristen, Sängerinnen usw. Die Kompositionen, auch sie eine Mischung von Volks- und eigenständiger Musik, stammten meist von Antonio Robledo, einem Deutschen mit Geburtsnamen Armin Janssen. Armiño, wie man ihn liebevoll nannte und nennt, begleitete Susana ein Leben lang: als Künstler und seit 1951 als Ehemann.
Nach dem Karriereende von „Susana y José“ 1970 blieben die beiden Protagonisten dem Spanischen Tanz lebenslang verbunden. Auf getrennten Wegen entwickelten sie sich zu herausragenden Pädagogen, weltweit gesucht und verehrt. Sowohl im Ausland wie in der Schweiz unterrichtete Susana ganze Generationen in Spanischem Tanz. Angesprochen waren vor allem Profis, aber auch Laien.

1984 übernahm Susana die künstlerische Leitung der immer noch florierenden Schweizer Tanzkompanie „Flamencos en Route“, die heute von Brigitta Luisa Merki geführt wird. Susana schuf Choreografien wie „Obsesión“ oder „Don Juan“. Seit 1991 veränderten mehrere Hirnschläge und Herzinfarkte ihr Leben einschneidend. Die letzten Jahre verbrachte Susanna Janssen-Audéoud-Looser in sich gekehrt in einer Seniorenresidenz in Zürich, bis zuletzt liebevoll betreut von ihrem Armiño.

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