KRITIKEN 2009/2010



Berlin

„LOOK AT ME, I’M CHINESE“

Eine Produktion von Rubato & Mahjong bei „Tanz im August“


  • „Look at me, I’m Chinese“ von Rubato. Li Ling Xi, Er Gao, Wang Hao & Liu Ya Nan (v.l.n.r.) Foto © Dieter Hartwig
  • „Look at me, I’m Chinese“ von Rubato. Liu Ya Nan Foto © Dieter Hartwig

Rubato fahndet im 25. Jahr seines Bestehens dem Umgang mit Menschen nach. Dass Berlins Exportschlager aus Jutta Hell und Dieter Baumann gleichsam in Chinas rauen Pelz die Laus einer feinen Kompanie für modernen Tanz setzt, ist glückliches Nebenprodukt ihres anderthalb Dezennien währenden Engagements für Tanz im Reich der Mitte. Sechs famose Könner, bereits in anderen Truppen erfolgreich, konnten sie zur neuen Formation Mahjong Dance verschweißen, die über das einzelne Projekt hinaus kreativ weiterarbeiten soll. „Look at me, I’m Chinese“ stellt die Tänzer vor, lässt sie ihre Vorlieben benennen und das, was sie unter typisch chinesisch verstehen. Dass dabei bewusst europäische Klischees bedient werden, vom militärischen Drill daheim bis zum Geschenkeshop, wie ihn Asiaten hier betreiben, liegt auf der Hand. Hinter Folklorezitaten verbirgt sich das Verlangen nach dem Aufbruch, unter biederer Kleidung Wäsche von Calvin Klein. Shanghai, wo das Stück entstand, eben im Magnetfeld zwischen Ost und West. Getanzt wird großartig, das Solo etwa von Chen Kai, dynamisch superb, technisch souverän im Spiel mit Verzögerungen, steht einzigartig da. Am Ende der vielen Episoden bleibt dennoch der Eindruck vom Besuch in einem multiplen Asia Shop.

Wie dem „Tanz im August“ bislang der Tanz leicht abhandenkommt, dafür stehen zwei kleinere Produktionen: die clever gemachte Installation „Dead Reckoning“ von Philipp Gehmacher & Vladimir Miller als flirrendes Spiel mit Videoaufzeichnungen; das rüde bis zärtliche Kampfgetöse „Still standing you“ von Pieter Ampe & Guilherme Garrido, dies allerdings mit ironischem Tenor.

Bis 3.9., Kartentelefon 259 00 427 und 247 49 880, Infos unter www.tanzimaugust.de

Veröffentlicht am 23.08.2010, von Volkmar Draeger in Kritiken 2009/2010

Dieser Artikel wurde 3589 mal angesehen.



Kommentare zu "„Look at me, I’m Chinese“"



Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



 

AKTUELLE KRITIKEN


GALA WIEDER EIN RAUSCHENDES TANZFEST

TanzArt ostwest in Gießen
Veröffentlicht am 22.05.2018, von Dagmar Klein


SOMMERNACHTSTRÄUME IN DER KIRCHE?

Mit dem Ballett der Theater Plauen-Zwickau geht das wunderbar.
Veröffentlicht am 22.05.2018, von Boris Michael Gruhl


TAKT, TEMPO UND VIELE RÄTSEL

Der neue Tanzabend „Venus“ am Gerhart-Hauptmann Theater in Görlitz
Veröffentlicht am 22.05.2018, von Boris Michael Gruhl



AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



DRESSING IN DISGUISE

Die Tanzproduktion von Unita Gay Galiluyo und NETZWERK AKS feiert am 04.05.18 im ART SPACE stift millstatt Premiere.

‚dressing in disguise’ geht der Frage nach, wie viel Risiko und Provokation nötig ist, um die Fassade der Schutz bietenden Codes bröckeln zu lassen und das Zusammenleben in unserer Gesellschaft auf zeitgemäße Füße zu stellen.

Veröffentlicht am 02.05.2018, von Anzeige

LETZTE KOMMENTARE


EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

„Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


MOSAIK DER BEWEGUNG

Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer


POLITIK KÖNNTE (MAN) TANZEN

Reflektionen über die diesjährige Tanzplattform im PACT Zollverein in Essen
Veröffentlicht am 18.03.2018, von Anna Wieczorek

MEISTGELESEN (7 TAGE)


DAS LEBEN ALS DAUERLAUF

Die Tanzkompanie des Staatstheaters Braunschweig zeigt Guilherme Botelhos atemberaubendes Tanzstück „Sideways Rain“

Veröffentlicht am 10.05.2018, von Andreas Berger


WUNDERVOLLES JETZT

"After Trio A" von Andrea Božić und “The Dry Piece” von Keren Levi

Veröffentlicht am 17.05.2018, von Natalie Broschat


ZIRZENSISCHE HOMMAGE AN PINA BAUSCH

Adolphe Binder beweist in Wuppertal mit Dimitris Papaioannou einen guten Griff

Veröffentlicht am 13.05.2018, von Marieluise Jeitschko


IVÁN PÉREZ KOMMT NACH HEIDELBERG

Der Choreograf Iván Pérez übernimmt ab der Spielzeit 2018/19 das Dance Theatre Heidelberg

Veröffentlicht am 16.05.2018, von tanznetz.de Redaktion


SEHNSUCHTSVOLLER HERZSCHMERZ

"True Romance" von Hans Henning Paar und Daniel Soulié am Theater Münster

Veröffentlicht am 19.05.2018, von Marieluise Jeitschko



BEI UNS IM SHOP