TANZ IM TEXT



München

DAS BAYERISCHE STAATSBALLETT IN DER SPIELZEIT 2013/2014

Vorausschau auf die kommende Saison des Bayerischen Staatsballetts



In seinem Programm „Tanzland Deutschland“ wird sich das Bayerische Staatsballett von 2013 bis 2015 ChoreographInnen widmen, die entscheidende Akzente in der Kunst gesetzt haben, radikale Neuanfänge markierten, neue Erzählformen entwickelten.


  • "Steps and Times": "Scènes de ballet" von Frederick Ashton mit Karen Azatyan, Matej Urban, Léonard Engel und Martin Milner Foto © Wilfried Hösl
  • Ekaterina Petina, Erik Murzagaliyev und Marlon Dino in "Broken Fall" von Russell Maliphant Foto © Wilfried Hösl
  • Ballettabend "Forever Young": "The Moor's Pavane" von Jose Limón mit Séverine Ferrolier, Cyril Pierre Foto © Wilfried Hösl
  • Terence Kohler Foto © Sakari Viika/ Finnisches Nationalballett
  • Michael Simon Foto © Wilfried Hösl
  • John Cranko in München Foto © Bayerisches Staatsballett
  • Russell Maliphant Foto © Johan Persson
  • "Ein Sommernachtstraum" Foto © Charles Tandy
  • "Forever Young": "Choreartium" von Leonid Massine mit Lucia Lacarra und dem Ensemble des Bayerischen Staatsballetts Foto © Wilfried Hösl
  • Das Bayerische Staatsballett in "Das Lied von der Erde" von Kenneth MacMillan Foto © Wilfried Hösl
  • "Illusionen - wie Schwanensee" von John Neumeier Foto © Wilfried Hösl

ChoreographInnen, die ästhetische Statements mit ihrer choreographischen Handschrift formulierten,
an denen wir bis heute nicht vorbeikommen, wenn wir in Deutschland und der Welt über Tanz reden.

Dazu gehören die ersten abstrakten Konzepte zu Beginn des 20. Jahrhunderts – der
Aufbruch Jacques Dalcrozes in Hellerau unter größter Anteilnahme der zeitgenössischen
Kunst- und Literaturszene, Bildertheater, Mechanisches Theater, Goldener Schnitt,
Triadisches Ballett - der Bauhauskünstler Oskar Schlemmer, Hans Schmidt, Laszlo
Moholy-Nagy und ihres Nachfolgers Gerhard Bohner.

In jene Zeit fallen die Aufbrüche der Ballets Russes und der Skandal um Strawinskys „Le
Sacre du printemps“, dessen Uraufführung heuer genau 100 Jahre her ist und dessen
Bedeutung und Einfluss wir in einem Symposion reflektieren.

Die Sacharoffs in München sorgten mit ihren ersten androgynen Solo-Aufführungen schon
1909 für Furore und inspirierten und berieten den Maler Wassily Kandinsky. Mit seinem
synästhetischen Ansatz in der Malerei und angrenzenden Künsten im Gelben Klang
befeuert er z.B. Michael Simons neue choreographische Arbeit, ein vielseitiger Künstler,
gleichzeitig kongenialer Partner der Ersten Stunde William Forsythes. Der Amerikaner
wiederum führte zunächst von Frankfurt aus das klassische Ballett in eine neue
historische Phase und arbeitet heute an historischem Ort in Hellerau, dem Zentrum der
Avantgarde der 20er Jahre, weiter an seinem „Denken in Bewegung“, das längst die
Tanzbühne gesprengt hat.

Mary Wigman, die eigentlich Marie Wiegmann hieß und aus Hannover stammte, berief
sich auf die Laban-Schule in München und inspirierte Hanya Holm, Kurt Jooss, Harald
Kreutzberg, Valeska Gert und Jean Veidt zu ihren leidenschaftlichen, sinnlichen und
politischen Kreationen. Einige von ihnen trugen, zum Teil in der erzwungenen
Emigration, den Ausdruckstanz in seinen unterschiedlichen Facetten von Deutschland aus
nach England, Amerika und später zurück nach Europa. Ihre Spuren finden wir in
unzähligen Handschriften und Stilen, nicht nur im amerikanischen Modern Dance, bei
Pina Bausch, Reinhild Hoffmann und Susanne Linke, nein, auch Mats Ek, Jiřì Kylián und
Nacho Duato und viele andere haben dort ihre emotionalen Wurzeln.
Der 1. und 2. Weltkrieg setzten durch ihre unvorstellbare Zerstörung auch eine tiefe Zäsur
in der Entwicklung der Moderne.

Nachdem mutige Aufbrüche nach dem 2.Weltkrieg an den großen Staatstheatern bald der
Restauration in Gestalt des wiederbelebten repräsentativen Repertoires des 19. Jahrhunderts
Platz machen mussten, löste der Südafrikaner John Cranko in Stuttgart mit
seinem angelsächsisch geprägten, psychologisch aufgeladenen Handlungsballett in den
60er Jahren ein Ballettwunder aus. Und John Neumeier, als sein Nachfolger im Geiste,
wagte es, viele heilige Stoffe der Weltliteratur mit amerikanischer Ungerührtheit anders
und gern gegen den Strich zu erzählen, Filmschnitt und Rückblende einzuführen in seine
genialen Handlungsballette und damit in Hamburg seit mehr als 35 Jahren eine
Tanzhochburg zu etablieren. In dieser Tradition versteht sich auch Terence Kohler, der
mit „Helden“ eine neue abendfüllende Kreation in München vorbereitet. Martin Schläpfer
gelingt gerade in Düsseldorf ein zweites Ballettwunder, und in derselben Stadt im Schloss
Benrath artikuliert sich seit mehr als 20 Jahren Neuer Tanz unter dem bildenden
Künstler VAWölfl auf allerhöchstem ästhetischen Niveau.

Raimund Hoghe trat als einziger ihrer Mitarbeiter früh aus dem Schatten der
Tanztheaterpionierin Pina Bausch und konnte sich neben der Australierin Meryl Tankard
und der Engländerin Vivienne Newport als einziger Mann aus ihrem Corpsgeist lösen und
über die Jahre als selbständiger Tanzschöpfer etablieren. In Frankreich freilich ist er noch
weit höher geschätzt als in Deutschland, wo man sich mit (s)einem versehrten Körper auf
der Bühne wie in der Gesellschaft schwer tut.

Sasha Waltz in Berlin bildet mit ihren Tanzinstallationen und choreographischen Opern
die Spitze eines Eisbergs, der mit Künstlern wie Xavier Leroy, Eszter Salamon, Wilhelm
Groener, Meg Stuart, Constanza Macras und mit Richard Siegal in München und Paris,
ein gutes Stück aus dem Meer der Zeitgenossen herausragt und die Festivals der Welt mit
hochkarätigen, reflektierten Vorstellungen versorgt.

All diesen Choreographen werden Sie in unserer Reihe „Tanzland Deutschland“ in der
einen oder anderen Form begegnen, in Produktionen, Gastspielen, Porträts, Gesprächen
und Filmen werden wir das „Tanzland Deutschland“ Revue passieren lassen und zur
Diskussion stellen.

Wir Deutschen tanzen vielleicht nicht auf dem Tisch, wenn wir feiern, wie ehedem Mr.
Balanchine in seiner Heimat Georgien - was sehr bedauerlich ist - aber wir sind ein
enthusiastisches Publikum und großzügige Förderer in einer flächendeckenden
Theaterlandschaft, als Inspirationsquelle und Ermöglicher einmalig in unserer
Begeisterung, mit der wir das ästhetische Erlebnis wegweisender Choreographien
honorieren, die Künstler feiern und ihren Ruhm weitertragen.


PREMIEREN

EIN SOMMERNACHTSTRAUM
Ballett von John Neumeier nach William Shakespeare

Uraufführung
DER GELBE KLANG
Ballett von Michael Simon nach einem Konzept von Wassily Kandinsky
URAUFFÜHRUNG
Choreographie Russell Maliphant
URAUFFÜHRUNG
Choreographie Aszure Barton

DAS TRIADISCHE BALLETT
Ballett von Oskar Schlemmer

LE SACRE DU PRINTEMPS
Ballett von Mary Wigman

Uraufführung
HELDEN
Ballett von Terence Kohler



WIEDERAUFNAHMEN

LES BALLETS RUSSES
LʼAPRÈS-MIDI DʼUN FAUNE
Ballett von Vaslav Nijinsky
SHÉHÉRAZADE
Ballett von Mikhail Fokine
LES BICHES
Ballett von Bronislava Nijinska

ROMEO UND JULIA
Ballett von John Cranko



REPERTOIRE

LA BAYADÈRE
Ballett von Marius Petipa, Neufassung von Patrice Bart

EXITS AND ENTRANCES
BIPED
Ballett von Merce Cunningham
UNITXT
Ballett von Richard Siegal

FOREVER YOUNG
BROKEN FALL
Ballett von Russell Maliphant
THE MOOR’S PAVANE
Ballett von José Limón
CHOREARTIUM
Ballett von Léonide Massine

GOLDBERG-VARIATIONEN / GODS AND DOGS
GOLDBERG-VARIATIONEN
Ballett von Jerome Robbins
GODS AND DOGS
Ballett von Jiří Kylián

DER NUSSKNACKER
Ballett von John Neumeier

GASTSPIEL SASHA WALTZ & GUESTS
DIDO & AENEAS
Ballett von Sasha Waltz



BAYERISCHES STAATSBALLETT II

Junior Company des Bayerischen Staatsballetts, der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater
München und der Heinz-Bosl-Stiftung
MATINEEN DER HEINZ-BOSL-STIFTUNG / JUNIOR COMPANY

GASTSPIEL DES BAYERISCHEN STAATSBALLETTS II
DAS TRIADISCHE BALLETT
Akademie der Künste, Berlin

Veröffentlicht am 09.03.2013, von Pressetext in Tanz im Text, Vorankündigungen

Dieser Artikel wurde 4669 mal angesehen.



Kommentare zu "Das Bayerische Staatsballett in der Spielzeit ..."



    • Kommentar am 14.03.2013 17:51 von oberon
      Schlemmer und Wigman, Russell Maliphant und Michael Simon - das ist konzeptionell schon eine Marke, und da gäbe es viel zu diskutieren.



      Im einleitenden Text muss aber leider etwas schief gelaufen sein, denn der bezieht sich doch auf die aktuell laufende Spielzeit, wenn ich mich nicht irre... Nein, ich irre mich nicht, das steht da ja sogar im Text!



      Kann man das noch ändern?



      Mit freundlichem Gruß

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