HOMEPAGE



Dresden

DAS GROßE UND GANZE

Abschlussarbeiten des Bachelor-Studiengangs Tanz 2013 der Palucca Hochschule für Tanz Dresden



14 Absolventen beenden in diesem Jahr ihr Studium an der Palucca Schule. Anlässlich der öffentlichen Abschlussprüfung im Festspielhaus Hellerau zeigten sie mit ihren eigenen Choreografien, dass es sich lohnt, hinzuschauen.


  • „WEG.......WÄRTS“ von Shirley-Cordula Meissner Foto © Peter Fiebig
  • „Asteroid B 612“ von David L. Hemm. Foto © Peter Fiebig
  • Larissa Machado und Francesco Nigro in „T(w)o be 3 Foto © Peter Fiebig
  • Larissa Machado und Francesco Nigro in „T(w)o be 3 Foto © Peter Fiebig
  • “Gleis 2.0“ von Jana Blume Foto © Peter Fiebig

Die Aufgabe der Absolventen bestand darin, ein Solo oder Duett zu erarbeiten, indem er bzw. sie selbst tanzt. Eine der Arbeiten zeigt, dass das auch zu dritt geht.
Keins der Stücke enttäuscht. Es lohnt sich also durchaus, den Gewaltakt von 14 verschiedenen Arbeiten durchzustehen. Stellt man alle Arbeiten nebeneinander, wird deutlich, dass keiner der Absolventen mit der eigenen Idee ein zu großes Wagnis eingegangen ist. Schiffbruch hat niemand erlitten. Der Großteil erscheint in der Formensprache und im Ausdruck eher introspektiv; trotzdem scheut niemand vor der großen Geste zurück. Man kann eine leichte Tendenz zur Emphase ausmachen. Angesichts der durchweg sichtbaren Kongenialität der Tänzer im Ausdruck fällt das aber nicht ins Gewicht. Und so, wie die einzelnen Ansätze in der Formensprache ausfallen, gestaltet sich auch die Musikwahl: Geigen und Klavier stehen digitalen, rauen Tönen gegenüber.

Der Abend beginnt mit einem knackigen Opener von David L. Hemm. Gemeinsam mit Anthony Shults vollführt er in „Asteroid B 612“ den „Rhythmus einer Freundschaft“. Der Gestus ist kraftvoll, die Chemie stimmt. Am Ende verschwinden sie als ein unentwirrbares Knäuel von der Bühne.

Besonders stark in die Abstraktion wagt sich Shirley-Cordula Meissner mit „WEG.......WÄRTS“, in der sie in der Beschäftigung mit der Schwierigkeit eigener Veränderungen gemeinsam mit Chiara Detscher starke Kontraste entwickelt, die über das übliche Schwarz-weiß hinausgehen.

Ihrer Aufgabe ein Schnippchen geschlagen haben Larissa Machado und Francesco Nigro in „T(w)o be 3“. Seinem Duett gesellt sich eine dritte Tänzerin in Form einer Videoprojektion hinzu. Der Effekt der synchronen Sprache ist so simpel wie effektvoll. Dazu Bilder von neuronalen Verbindungen und schon baut die „fiktive“ Tänzerin neue Synapsen.

Den Abend beschließt “Gleis 2.0“ von Jana Blume, die dieses Solo auch selbst tanzt. In Verschmelzung mit einem amüsanten Film unterlegt sie ihre abstrakte Formensprache mit der konkreten Situation des Sich-Ärgerns über Kleinigkeiten des Alltags. Sie betritt die Bühne rückwärts, wirft ihren Blazer von sich und versucht, ihrem Ärger Luft zu machen. Ganz egal, dass das eine Überreaktion ist. Man hat durchaus Verständnis für ihre Situation.

Das sind allesamt im Wortsinn junge, vor Energie strotzende Arbeiten. Wirft man dann mal einen Blick auf die lokale freie Szene der alten Hasen wie die Shot AG oder carrot dancers oder gar auf die Reihe „Junge Choreographen“ des Semperoper Balletts steht eins fest: Hier muss sich niemand verstecken.

Rico Stehfest

Veröffentlicht am 11.07.2013, von Gastautor in Homepage, Kritiken 2012/2013

Dieser Artikel wurde 3330 mal angesehen.



Kommentare zu "Das Große und Ganze"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LEUTE AKTUELL


    "TANZ DER MENSCHLICHKEIT"

    Nestroy Spezialpreis für Doris Uhlich und Michael Turinsky mit "Ravemachine"
    Veröffentlicht am 17.11.2017, von Pressetext


    JÖRG WEINÖHL VERLÄSST DIE OPER GRAZ

    Der Ballettdirektor wird seinen Vertrag nicht verlängern
    Veröffentlicht am 13.11.2017, von Pressetext


    ED WUBBE BEKOMMT DEN "GOLDEN SWAN"

    Der künstlerische Leiter des Scapino Ballet wurde mit dem niederländischen Tanzpreis ausgezeichnet
    Veröffentlicht am 17.10.2017, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    INTERNATIONALE TANZWOCHEN NEUSS 2017/18

    Am Mittwoch, den 22. November, ist in der Stadthalle Neuss die Deutschlandpremiere der neuen Choreographie von Hervé Koubi zu sehen.

    Dabei versenkt sich der Choreograph tief in die mehr als 3000jährige Geschichte des Mittelmeerraumes, in den ewigen Wechsel von gleißendem Sonnenlicht und strahlenden Sternbildern.

    Veröffentlicht am 09.11.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    VERBOTEN, VERSCHOBEN, VERGESSEN?

    Zur Absage der Uraufführung „Nurejew“ des Regisseurs Kirill Serebrennikow und des Choreografen Juri Possochow am Moskauer Bolschoi-Theater
    Veröffentlicht am 18.07.2017, von Boris Michael Gruhl

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    JÖRG WEINÖHL VERLÄSST DIE OPER GRAZ

    Der Ballettdirektor wird seinen Vertrag nicht verlängern

    Veröffentlicht am 13.11.2017, von Pressetext


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    SEHNSUCHT – DER GRÖßTE GEMEINSAME NENNER

    Ein taufrisches Meisterwerk bei tanzmainz: Sharon Eyals „Soul Chain“

    Veröffentlicht am 30.10.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    MUSIKALISCH EINGEDAMPFT UND SZENISCH ABSTRAKT

    Simone Sandronis "Romeo und Julia" in Bielefeld

    Veröffentlicht am 21.10.2017, von Marieluise Jeitschko


    UN GRANDE

    Gregor Zöllig choreografiert „Peer Gynt“ am Staatstheater Braunschweig

    Veröffentlicht am 22.10.2017, von Andreas Berger



    BEI UNS IM SHOP