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Hagen

EINE GALA BESONDERER ART

10 Jahre "balletthagen" mit Ricardo Fernando



Das balletthagen lädt ein zu "Dance Celebration" − eine Retrospektive anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Fernandos Ballettdirektion


  • Dance Celebration! 10 Jahre balletthagen. Ballettabend mit Choreografien von Ricardo Fernando: Bobby Briscoe in Lascia ch‘io pianga aus „All you need is dance” Foto © Stefan Kühle
  • Dance Celebration! 10 Jahre balletthagen mit Werken von Ricardo Fernando: Das Ensemble vom balletthagen tanzt Tanzminiaturen aus „Bach tanzt“ Foto © Stefan Kühle
  • Dance Celebration! 10 Jahre balletthagen . Ballettabend mit Choreografien von Ricardo Fernando: Das Ensemble tanzt Bolero aus „All you need is dance“ Foto © Stefan Kühle

"Dance Celebration" nennt Ricardo Fernando die Retrospektive zum zehnjährigen Jubiläum seiner Hagener Ballettdirektion. Der Brasilianer bietet mit den 16 wunderbar unterschiedlichen Tänzern eine beeindruckend vielseitige, unterhaltsame, minutiös konzipierte und einstudierte Abfolge von Ausschnitten aus einem Dutzend seiner Ballette. Das Premierenpublikum bejubelte die fast dreistündige Ballettgala der besonderen Art!

1988 kam der drahtige Tänzerchoreograf nach Europa, tanzte u.a. in Wien und Zürich, wurde 1993 Ballettchef in Bremerhaven, danach in Regensburg und ab 2003 in Hagen. Zielstrebig, uneitel, humorvoll und mit besten Kontakten zu Kollegen in aller Welt baut er das Repertoire auf. Mit seiner Tanzbegeisterung steckt er nicht nur seine Truppe an, sondern auch das Publikum in der Arbeiterstadt am Rande des Reviers. Seit einigen Jahren unterstützen die rührigen "Ballettfreunde" das "balletthagen", das sein Profil auch durch regelmäßige Einladungen von Choreografen mit unterschiedlichsten Handschriften schärft.

"All you need is dance" hieß einer der mehrteiligen Ballettabende. Bei aller Tanzbegeisterung unterschlägt Fernando die Macht der Musik, die ihm nicht selten als Inspiration dient und den Drive vorgibt. So umspannen Kostproben aus diesem Programm musikalische Meisterwerke von Händel bis zu den Beatles, kulminierend in der technisch raffinierten, aber eher sportiven denn sinnlichen Choreografie auf den "Boléro". Wenn Fernando nicht gerade klassisch oder neoklassisch tanzen lässt, wie etwa im "Feuervogel" oder "Giselle", begibt er sich gern ins Aerobic- oder Jazzdance-Studio − egal ob bei "Dance in Motion" mit dem köstlich motorischen "Train to Heaven", der als Video einer Dampflok über den Rückprospekt schnauft, oder zur Variation Nr. 30 von Bachs "Goldberg-Variationen" aus "Bach tanzt".

Ricardo Fernando zeigt sich im Interview mit Dramaturgin Maria Hilchenbach im Jubiläums-Programmheft (leider ohne Foto und Vita der durchweg großartigen Tänzer) selbst erstaunt, dass er so lange am selben Platz so erfolgreich arbeiten konnte. Das ist in der Tat keine Selbstverständlichkeit in diesen Zeiten, in einer derart finanzschwachen Stadt jenseits bildungsbürgerlicher Metropolen wie etwa dem kaum größeren, 80 km nördlich gelegenen Münster, wo der neue Tanztheatermacher Hans Henning Paar einem Austausch, wie ihn einst Birgitta Trommler mit Richard Wherlock so erfolgreich pflegte, nicht abgeneigt zu sein scheint − und noch dazu inmitten dieser Tanz-dichtesten deutschen Region und stilistischen Vielfalt zwischen Wuppertal, Düsseldorf/Duisburg, Bielefeld, Essen, Gelsenkirchen und Dortmund. Fernando, der den Tanz überhaupt erst im Alter von 21 Jahren entdeckte, ist ein geborener Tänzer. Er beherrscht und beherzigt die delikate Balance zwischen hohem künstlerischen Anspruch und Publikumswunsch wie ganz wenige Tanzchefs auf deutschen Bühnen.

www.theaterhagen.de

Veröffentlicht am 20.10.2013, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Tanz im Text, Kritiken 2013/2014

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