HOMEPAGE



Heidelberg

UNGLEICHE ALLIANZ

Ein Kommentar zur 1. Tanzbiennale Heidelberg



Ungleicher kann man sich die Partner für eine Allianz kaum vorstellen: Stadttheater-Intendant Holger Schulze, Theaterfuchs mit mehr Begeisterung als Erfahrung; seine Tanzchefin Nanine Linning, Senkrechtstarterin mit Glamour-Faktor; Kunst-Workaholic Bernhard Fauser, Leiter des UnterwegsTheaters; Choreografin Jai Gonzales, hoch erfahren und höchst bescheiden.


  • Die erste Tanzbiennale in Heidelberg Foto © Theater Heidelberg

Ungleicher kann man sich die Partner für eine Allianz kaum vorstellen: Stadttheater-Intendant Holger Schulze, ein Theaterfuchs mit mehr Begeisterung als Erfahrung in Sachen Tanz; seine Tanzchefin Nanine Linning, Senkrechtstarterin mit Glamour-Faktor; Kunst-Workaholic Bernhard Fauser, Tänzer und Leiter des UnterwegsTheaters; Choreografin Jai Gonzales, hoch erfahren und höchst bescheiden.

Im Vorfeld konnte man auf Ideenvielfalt hoffen und Reibungsverluste befürchten. Dass die gemeinsam ins Leben gerufene 1. Heidelberger Tanzbiennale ein so großer Erfolg wurde, ist keine Selbstverständlichkeit. Mit über 20 ausverkauften Veranstaltungen an 10 Tagen in vier Spielstätten und weit über 7000 Besuchern ist die Außenbilanz untadelig. Und so kommt man nicht an einem großen Lob für das Marketing vorbei. Aber auch inhaltlich wurde Vieles richtig gemacht: Zum Beispiel der Auftakt mit dem von Bernhard Fauser erdachten und in die schwierige Praxis umgesetzte Bürgerprojekt – so populär und doch anspruchsvoll kann Laientanz sein! Nanine Linning sorgte im Programm für einen starken niederländischen Akzent; die „Unterwegsler“ steuerten ihre guten internationalen Kontakte bei. Tatsächlich präsentierte sich das kleine UnterwegsTheater schon durch die weiträumige Nutzung der Hebelhalle für Veranstaltungen und Rahmenprogramm als gleichberechtigter Partner des Stadttheaters; wie dieser Kraftakt im Einzelnen bewältigt wurde, kann man nur erahnen. Am Ende – nach der sensationellen Baden-Württemberg-Gala – waren die Macher zutiefst erschöpft und hoch zufrieden. Intendant Holger Schulze wertete das Konzept der Allianz von freier und etablierter Szene als durchschlagenden Erfolg mit Vorbildcharakter – und machte Lust auf mehr, vor allem auf eine zweite Biennale. Bernhard Fauser wertete das Konzept der "TANZallianz" für die Stadt wie für das Land als „das Richtige zur rechten Zeit“; freilich nahm er die Politik in Sachen Ressourcensicherung in die Pflicht. Feste Finanzierungs-Zusagen für ein weiteres Festival gibt es nämlich nicht. Damit aber das Konzept der bundesweit einmaligen Kooperation der Großen mit den Kleinen ein Dauererfolg wird, muss mehr her: ein Setzen auf Synergieeffekte auch im stressigen Theater-Alltag.

Veröffentlicht am 04.03.2014, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Tanz im Text, Kritiken 2013/2014

Dieser Artikel wurde 1416 mal angesehen.



Kommentare zu "Ungleiche Allianz"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    HEIDELBERG AUF DEN BEINEN

    Mit dem Bürgerprojekt „HD moves“ wurde die erste Tanzbiennale eröffnet

    Was bei diesem Schulterschluss herauskommen kann? Eine neue Euphorie für den Tanz, die selbst auf den Gemeinderat übergegriffen hat. Es gab Geld für ein neues Choreographisches Centrum und eine Tanzbiennale.

    Veröffentlicht am 25.02.2014, von Isabelle von Neumann-Cosel


     

    AKTUELLE NEWS


    SCHWEIZER TANZSZENE GEPRÄGT

    Noemi Lapzeson verstorben
    Veröffentlicht am 12.01.2018, von tanznetz.de Redaktion


    PETER MARTINS TRITT ZURÜCK

    Der langjährige Leiter des New York City Ballets verlässt im Zuge der Vorwürfe sexuellen Missbrauchs die Kompanie
    Veröffentlicht am 02.01.2018, von tanznetz.de Redaktion


    BALLETT AM RHEIN-TÄNZERIN ERHÄLT FÖRDERPREIS

    Ann-Kathrin Adam wird ausgezeichnet
    Veröffentlicht am 12.12.2017, von Pressetext



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    OLD, NEW, BORROWED, BLUE

    Ballett-Premiere am Samstag, den 25.11.2017 um 19.30 Uhr auf der Bühne des Großen Hauses am Musiktheater im Revier

    „Something old, something new, something borrowed, something blue…und ein silberner Sixpence im Spitzenschuh…“, könnte man den Titel des neuen Ballettabends weiterdichten.

    Veröffentlicht am 08.11.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    GLEICHNISHAFTE BILDER VOM MISSBEHAGEN AN DIESER WELT

    Das Cullbergbaletten zeigt Jefta van Dinthers „Protagonist“ im HAU Berlin
    Veröffentlicht am 15.01.2018, von Volkmar Draeger

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    HERZENSANGELEGENHEIT

    Mit dem Abend „Dancing Souls“ stellt sich Alfonso Palencia als Ballettdirektor in Hagen vor

    Veröffentlicht am 14.01.2018, von Marieluise Jeitschko


    LIEBE UNTER CRASHTEST-DUMMYS

    Choreografien von Stephan Thoss, Guiseppe Spota und Marco Goecke in Mannheim

    Veröffentlicht am 08.01.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel


    WAS DER KÖRPER MÖGLICH MACHT

    Mit „Old, New, Borrowed, Blue“ verheiratet das Ballett im Revier Gelsenkirchen eine bunte Mischung von Choreografien miteinander

    Veröffentlicht am 10.12.2017, von Boris Michael Gruhl


    POSTERINO DANCE COMPANY ON TOUR

    Theater an der Rott präsentiert ab 23.02.18 sechs Vorstellungen mit zeitgenössischem Tanz.

    Veröffentlicht am 06.01.2018, von Anzeige


    ADA - ANALOGE INTERAKTIVE INSTALLATION

    ADA von Karina Smigla-Bobinski ist vom 16. Januar bis 18. Januar 2018 in der Muffathalle München zu sehen.

    Veröffentlicht am 09.01.2018, von Anzeige



    BEI UNS IM SHOP