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Gießen

RÜCKSCHAU

Zum 12. Mal TanzArt ostwest in Gießen



Eine gelungene Auftakt-Veranstaltung, zwei Tanzfoto-Ausstellungseröffnungen von Frank Sygusch und Dietmar Janeck, die Premiere des neuen Tanzstücks von Ballettdirektor Tarek Assam und Gastchoreograf Robert Przybyl „Die Wirrniss der Pinguine“ und schon am gleichen Abend ging es mit den ersten Gästen weiter.


  • Bei TanzArt ostwest in Gießen: Delattre Dance Company aus Mainz Foto © Rolf K. Wegst
  • Bei TanzArt ostwest in Gießen: Schülerinnen der Shenzhen-Art-School aus China Foto © Rolf K. Wegst
  • Bei TanzArt ostwest in Gießen: "Tea for Two" von T42 Dance Project aus Bern Foto © Rolf K. Wegst
  • Bei TanzArt ostwest in Gießen: Robert Przybyl Foto © Rolf K. Wegst
  • Guangdong Modern Dance Company Foto © Rolf K. Wegst
  • "Bleu" Tanzcompagnie Gießen, Choreografie Tarek Assam. Yuki Kobayashi, Endre Schumicki, Magdalena Stoyanova Foto © Rolf K. Wegst
  • Ballett Chemnitz: Liebesduett aus „König Artus“ von Reiner Feistel Foto © Rolf K. Wegst
  • Tarek Assam moderiert die TanzArt-Gala 2014 Foto © Rolf K. Wegst

Das waren wieder einmal aufregende Pfingsttage für Tanzfans in Gießen. Eine gelungene Auftakt-Veranstaltung in einem ehemaligen Fitnessstudio, zwei Tanzfoto-Ausstellungseröffnungen von Frank Sygusch und Dietmar Janeck, die Premiere des neuen Tanzstücks von Ballettdirektor Tarek Assam und Gastchoreograf Robert Przybyl: „Die Wirrniss der Pinguine“ und schon am gleichen Abend ging es mit den ersten Gästen weiter.

Da die Gruppen dieses Mal auch etwas längere Stücke mitbringen konnten, waren es zwei Abendveranstaltungen mehr, insgesamt sechs. Natürlich gab es wieder eine große Tanzgala im Stadttheater plus der letzten Aufführung von „The Horta-Project. SOAP Recreation“ durch die Tanzcompagnie Gießen. Da schwirrt der Kopf ob der vielen Tanzhandschriften und -konzepte. Hier der Versuch einer kleinen Rückschau.

Die TanzArt-Gala 2014 wurde vom Publikum enthusiastisch bejubelt. Elf deutsche Theater hatten Beiträge geschickt, erstmals gekommen waren Tänzer der Staatsoper aus Poznan (Posen, Polen) und der Guangdong Modern Dance Company aus Hongkong, letzteres ermöglicht durch die Finanzierung des Landes Hessen.

Die meisten Beiträge der Gala waren neoklassisch: das Ballett Hagen zeigte eine TanzErbe-Schwanensee-Variation von Ricardo Fernando, das Ballett Vorpommern unter Ralph Dörnen ein Duett zu Mozarts Messe in C-Moll, das Ballett Chemnitz ein zauberhaftes Liebesduett aus „König Artus“ von Reiner Feistel, das Ballett Würzburg (Anna Vita) war mit einem präzise getanzten, schnellen Duett zu dramatischer Musik vertreten (Chor. Cem Arslan). Die „Parts“ des Ballett Bremerhaven (Sergei Vanaev) waren Duettvariationen zu unterschiedlichen Musiken, traditionell zu Chopin und frech zu den Red Hot Chili Peppers. Ein Duo vom Ballett Mainz zeigte eine von Pascal Touzeaus Neuinterpretationen des klassischen Balletts.

Ein liebevoll-witziger Beitrag kam aus Koblenz von Steffen Fuchs, Männer in breit gestreiften Trikots demonstrierten den Kontrast zwischen klassischem Ballett und zeitgenössischem Tanz. Jutta Ebnother schickte aus Nordhausen ein theatrales Solo „Die Absinthtrinkerin“. Der wohl ungewöhnlichste Beitrag kam vom Tanztheater Kassel unter der Leitung von Johannes Wieland: Annamari Keskinen, die kürzlich für das „beste deutsche Tanzsolo“ ausgezeichnet worden ist, zeigte ihr punkiges Sing-und-Tanzstück „Golddigger“. Ein fulminantes Heimspiel hatten Yuki Kobayashi, Endre Schumicky und Magdalena Stoyanova von der Tanzcompagnie Gießen (TCG) mit „Causa Formalis III“ (Tarek Assam) auf den Computersound von Murcorf.

Die Gruppe aus Guangdong unter der Leitung von Willi Tsao zeigte mit „Voice After“ von Liu Qui ein Modern-Dance-Stück zu westlicher Musik, inspiriert von einem chinesischen Gedicht über die Natur und die Bedingtheit der Menschen. Es war eine atmosphärisch dichte Darbietung, in der Assoziationen an Meereswellen, fliegende Vögel und ähnliches aufkamen. Darrel Toulon, Leiter der Alpha Group in Graz, präsentierte einen Ausschnitt aus seinem Projekt mit Marialuise Jaska, einst Solotänzerin am Wiener Staatsballett. Aus dem Off klang das Gespräch der beiden, sie erzählte von ihrem nicht erfüllten Wunsch einmal die naive „Giselle“ zu tanzen. Doch das ging aufgrund ihrer Körpergröße nicht. Nun also holten es die beiden mit viel Humor und sparsamen Bewegungen nach. Zum Ende des Abends waren fünf Mitglieder der polnischen Staatsoper Poznan (Jacek Przybyłowicz) zu erleben: zu Renaissance-Musik und in Kostümen angelehnt an Shakespeares Theater, zeigten sie moderne und durchaus erotische Paarkonstellationen.

Die Bandbreite der TiL-Aufführungen war groß: auch hier gab es Neoklassisches von der Delattre Dance Company aus Mainz, Theatrales der Comp. Irene K. aus Eupen, von Musik inspirierte Tanzerzählungen, etwa die Kammeroper „La voix humaine“ für Catherine Habasque aus Basel und Punksongs der isländischen Sängerin Björk für Robert Przybyl (Bremen/Gießen). Es überraschten die beiden 15 und 17 Jahre alte Schülerinnen der Shenzhen-Art-School aus China, mit der die TCG in engem Austausch steht, mit ihrem professionell vorgetragenen Modern-Dance-Stück „Natur“.

Als ungewöhnlich und mutig darf der Beitrag des Duos „subsTanz“ (Dresden/Köln) gelten, das ist in Choreografie und Tanz vor allem Massimo Gerardi, der in seinen Stücken immer wieder die Grenzen des Zwischenmenschlichen auslotet. Wie gehen Menschen mit Menschen um? Hier war mit „Killing Time“ die Entwicklung von männlichen Jugendlichen zu kämpferischen Soldaten Thema, gezeigt als Gratwanderung zwischen freundschaftlicher Anziehung mit höchst intimen Momenten und Abgrenzung, die in Gewalt umschlägt.

Zum Glück gab es auch Heiteres zu sehen: das Duo T42 Dance Project aus Bern, gewannen in „Tea for two“ dem Aufeinandertreffen ihrer beiden Herkunftskulturen unglaublich komische Variationen ab. Das stand Schweizer Wollfilzmantel gegen japanischen Kimono, hektisches Contemporary-Dance- Gewusel gegen Zen inspirierte Gelassenheit. Das tat ausgesprochen gut, nach all den tief schürfenden, die Grundbedingungen des Lebens hinterfragenden und irgendwie immer gleichen Paargeschichten.

Veröffentlicht am 11.06.2014, von Dagmar Klein in Homepage, Kritiken 2013/2014

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