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Essen

SPEIS UND TANZ

Das 638 Kilo Tanz Festival in Essen



Dieses Wochenende war ich als Jurymitglied beim 638 Kilo Tanz Festival zugegen. Es ist ein Tanzfestival, das ohne Podiumsdiskussionen, Künstlergespräche oder Speed Datings auskommt, dafür aber mit Essen auffährt und das nicht zu knapp.


  • Study #3 „The Circle“ von Darwin Diaz Foto © Darwin Diaz
  • Douglas Bateman Foto © Joerg Letz

Von Douglas Bateman

Gerade dieses Wochenende war ich als Jurymitglied beim 638 Kilo Tanz Festival zugegen. 638 Kilo Tanz ist ein Tanzfestival, das ohne Podiumsdiskussionen, Künstlergespräche oder Speed Datings auskommt, dafür aber mit Essen auffährt und das nicht zu knapp. Die Veranstaltung an sich ist ziemlich raffiniert ausgedacht: Mit der Eintrittskarte erhält jeder Besucher eine kleine Kugel, die man irgendwo sichtbar an der Kleidung anstecken kann und deren Zweck zweierlei ist. Zunächst einmal dient die angeheftete Kugel als Zeichen dafür, dass man offen ist für Gespräche über die Stücke, die man gerade gesehen hat und zweitens dient sie als Stimme für die Arbeit, die einem am besten gefallen hat. Die Kugeln werden in gläserne Urnen gelegt, um die normalerweise rege Diskussionen herrschen. Als Mitglied der Jury habe ich meine Kugel nicht als Stimme eingesetzt, sondern sie einfach angesteckt gelassen für den Fall, dass mich jemand ansprechen wolle.

Das Essen ist umsonst und wird mit Begeisterung verzehrt. An zwei Abenden stellt ein Catering das Essen bereit, am dritten Abend hingegen ist das Publikum gefragt. Denn wer etwas zum Buffet beiträgt, erhält freien Eintritt zum Festival. Es gab hierbei einen wirklich guten Rote-Beete-Salat von einem der Zuschauer, dem ich zu gerne meine Kugel gegeben hätte, aber die Veranstalter waren sehr streng mit dem Gebrauch der Kugeln. Die Atmosphäre vor, während und nach den tänzerischen Beiträgen war ziemlich gespannt, ob es nun das Essen, der Tanz oder die Kombination aus beidem war, lässt sich nicht sagen, es ist jedoch in jedem Fall ein Festival, zu dem man geht, um sich Stücke anzusehen und zu reden, um sich auszutauschen und zu essen.

Aber nun zum Tanz. Das Programm setzte sich zusammen aus meist lokalen und vielen jungen Tanzschaffenden. Die Präsenz der Folkwang Universität war stark spürbar, dazu kamen "Außenseiter" aus Köln oder Berlin, die herausragten mit radikal anderen Ansätzen zu Bewegung und Präsentation. Die größte Hürde für die Performer ist jedoch der Aufführungsort selbst, denn während dem Publikum eine kleine Bühne die Künstler und anderen Besucher näher bringt und den Austausch fördert, so habe ich mich manchmal gefragt, was eine bessere Bühnensituation für das Festival tun könnte. Andererseits findet das Festival bereits in seinem achten Jahr statt und die Leute haben sichtlich Spaß. Sie bekommen ein weites Spektrum an zeitgenössischem Tanz geboten und wenn sie mehr sehen möchten, so gibt es noch andere Veranstaltungsorte in der Stadt mit ganzjährigem Programm.

Alles in allem ein großartiges Wochenende – und ich als Jurymitglied? Das Stück, das unsere Juryentscheidung gewonnen hat ist Study #3 „The Circle“ von Darwin Diaz, ein dynamisches Duo, das hervorragend von Elisa Marschall und Sergey Zhukov getanzt wurde. Interessanterweise, zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals, war die Entscheidung von Publikum und Jury einstimmig - was, wenn man die vielen unterschiedlichen Auswahlmöglichkeiten bedenkt, eine ziemlich beeindruckende Leistung des Choreografen ist.

Veröffentlicht am 22.10.2014, von Gastautor in Homepage, Blogs, Tanz im Text

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