HOMEPAGE



BIS INS KLEINSTE DETAIL

Der zweite Dumont-Kalender des kongenialen Teams Weigelt-Schläpfer



Von zehn Choreografien Schläpfers, uraufgeführt zwischen 2010 und 2013, hat Gert Weigelt Ablichtungen für seinen zweiten Dumont-Kalender ausgewählt - eine stattliche Galerie von künstlerisch wie technisch perfekten Momentaufnahmen.


  • Martin Schläpfers "Ballett am Rhein", eingefangen in Fotografien Gert Weigelts Foto © Dumontkalender

Von zehn Choreografien Martin Schläpfers, uraufgeführt zwischen 2010 und 2013, hat Gert Weigelt Ablichtungen für seinen zweiten Dumont-Kalender ausgewählt. Wer den Vorgänger vom gerade endenden Jahr aufhebt, ist nun im Besitz einer stattlichen Galerie hochästhetischer Drucke von künstlerisch wie technisch perfekten Momentaufnahmen des kongenialen Teams Schläpfer - Weigelt. Die Präzision der Posen von Solisten und Ensembles, eingefangen im Bruchteil einer Sekunde bis hinein ins kleinste Detail von Körper, Kostüm, Spiegelungen und Schatten frappiert immer wieder. Jeder wird seine Lieblinge haben in dieser Galerie. Habe ich zum Beispiel 2014 gemogelt und das Mai-Blatt 2014 (Marlúcia do Amaral und Jörg Weinöhl im "Forellenquintett") weit hinein in den Sommer hängen lassen, so könnte es diesmal gleich das Titelbild sein (wieder aus dem "Forellenquintett", auch als März-Blatt): Bogdan Nicula im halben, einhändigen Handstand, die Linke am Haaransatz, als grübele er, ob nun mit den Füßen weiter nach oben oder doch lieber zurück auf den Boden.

Fast wie ein Suchbild (wer findet zehn Unterschiede?) mutet auf den ersten Blick der Januar an: Anne Marchand und Camille Andriot (in "3") in derselben Profilpose mit emporgestrecktem linken Arm und nach hinten gesetztem linken Fuß. Aber: die beiden Frauen sind ja vom Typ her grundverschieden, und so ist Weigelts Aufnahme eher eine faszinierende Charakterstudie. Ähnlich und doch ganz anders der Februar: eine lange Reihe von Damen en Arabesque allongée (in "Johannes Brahms - Symphonie Nr. 2"). Wie schön, dass es nicht so gemalt synchron aussieht wie ein Schwanensee- oder Giselle-Corps im 19. Jahrhundert, sondern jede der Tänzerinnen "lebt".

Aus dem Rahmen fallen die Sommermonate mit gleich drei Motiven aus dem rätselhaften Ballett "Nacht umstellt". Hier wird auch Schläpfers thematische Vielfalt sehr deutlich: ein angedeuteter Handlungsstrang zunächst (mit Paul Calderone und Anne Marchand), dann die Gruppe fast chaotisch verschlungen und schließlich Louisa Rachedi, So-Yeon Kim und Doris Becker streng neoklassisch nebeneinander en Arabesque. Nun rätselt der Betrachter: Absicht oder "Faux Pas"? Denn während Kims nach hinten gestreckte Fußspitze hinter Rachedis Rücken verschwindet, schiebt sich Beckers Bein in voller Länge vor Kims Brustkorb.
So ließen sich viele Details diskutieren, ergründen, bestaunen. Das neue Jahr kann kommen.


Martin Schläpfer - Ballett am Rhein, Fotografien von Gert Weigelt, Dumont Fotokunst-Kalender 2015, Größe: 45 x 48 cm, ISBN-13: 978-3832027544, € 25,--

Veröffentlicht am 17.11.2014, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Tanzmedien, Tanz im Text

Dieser Artikel wurde 2082 mal angesehen.



Kommentare zu "Bis ins kleinste Detail"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    KINDLICHES STAUNEN IM ANGESICHT DES TODES

    Martin Schläpfers Meisterwerk „Ein Deutsches Requiem“ in Duisburg gefeiert

    Veröffentlicht am 17.09.2012, von Marieluise Jeitschko


    WELTKLASSEBALLETT IN DER NRW-LANDESHAUPTSTADT

    Premiere von b.11 mit Martin Schläpfers Kompanie

    Veröffentlicht am 18.03.2012, von Marieluise Jeitschko


    LUST ZU TANZEN

    Das Ballett am Rhein tanzt Werke von Balanchine - van Manen - Schläpfer

    Veröffentlicht am 12.11.2012, von Marieluise Jeitschko


    DREI CLARAS ZWISCHEN SCHUMANN UND BRAHMS

    Rhein tanzt in Duisburg Holländisches und Rheinisches

    Veröffentlicht am 16.12.2011, von Marieluise Jeitschko


    ENERGETISCH FORCIERTES BALLETT VON HEUTE

    Ballett am Rhein-Choreograf Martin Schläpfer über die großen Themen Musik, Handlung, Dramaturgie, Frauen und Mentoren und seine Hölszky-Uraufführung in Düsseldorf.

    Martin Schläpfer besucht im Februar 2014 das erste mal das Festspielhaus St. Pölten. Anlass für ein ausführliches Gespräch.

    Veröffentlicht am 17.01.2014, von Andrea Amort


    DEM TOD IN DIE ARME TANZEN

    Ballettabend b.22 in Duisburg mit Schläpfer und Robbins

    Neuer Ballettabend mit Jerome Robbins' asketisches Ballett "Moves" und Martin Schläpfers vielschichtig opulente Choreografien "verwundert seyn - zu sehn" (2015) und "Ein Wald, ein See" (2006).

    Veröffentlicht am 25.01.2015, von Marieluise Jeitschko


    TOTENGEDENKEN UND FASCHINGSSCHERZ

    Der neue Ballettabend b.18 des Ballett am Rhein vereint Werke von George Balanchine und Martin Schläpfer sowie eine von Nils Christe.

    Vom sakralen Trauermarsch in Christes "Sorrowful Songs", zum parodistischen alpenländischen Volkstanz in Schläpfers "Sinfonien" hin zum geometrisch-vornehmen "Episodes" von George Balanchine - die Zuschauer des Ballett am Rheins dürfen sämtliche Gefühlslagen durchleben.

    Veröffentlicht am 18.01.2014, von Marieluise Jeitschko


    EIN GANZ NEUER BÜHNENKOSMOS

    Martin Schläpfers "Deep Field" in Düsseldorf

    Von überall her wispert, schnalzt, gurrt, juchzt, singt und summt es. Mit archaischer Größe taucht dieses Theaterspektakel die Menschheitsgeschichte in fahles Licht, Raumklänge und Bewegung.

    Veröffentlicht am 24.05.2014, von Marieluise Jeitschko


    B.25 BEIM BALLETT AM RHEIN

    Ein neuer van Manen für deutsche Tanzfans!

    Die Premiere von b.25 in Düsseldorf mit Raritäten von Forsythe, Ashton und van Manen war ein Fest. Die deutsche Erstaufführung von van Manens "Two Gold Variations" bot den Höhepunkt.

    Veröffentlicht am 12.10.2015, von Marieluise Jeitschko


     

    LEUTE AKTUELL


    TOM SCHILLING ZUM 90. GEBURTSTAG

    Plädoyer für den tanzenden Menschen
    Veröffentlicht am 19.01.2018, von Karin Schmidt-Feister


    ARBEITEN WIE EIN KRAFTWERK

    Goyo Montero im Gespräch
    Veröffentlicht am 01.12.2017, von Alexandra Karabelas


    "TANZ DER MENSCHLICHKEIT"

    Nestroy Spezialpreis für Doris Uhlich und Michael Turinsky mit "Ravemachine"
    Veröffentlicht am 17.11.2017, von Pressetext



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    BALLETT DORTMUND PRÄSENTIERT ALICE

    Mauro Bigonzettis Meisterwerk feiert am 10. Februar 2018 im Opernhaus Dortmund Premiere.

    Der italienische Starchoreograf Mauro Bigonzetti, lange Zeit Leiter des wegweisenden Atterballetto, ist ein Ausnahmekünstler der Ballettwelt.

    Veröffentlicht am 17.01.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    GLEICHNISHAFTE BILDER VOM MISSBEHAGEN AN DIESER WELT

    Das Cullbergbaletten zeigt Jefta van Dinthers „Protagonist“ im HAU Berlin
    Veröffentlicht am 15.01.2018, von Volkmar Draeger

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    HERZENSANGELEGENHEIT

    Mit dem Abend „Dancing Souls“ stellt sich Alfonso Palencia als Ballettdirektor in Hagen vor

    Veröffentlicht am 14.01.2018, von Marieluise Jeitschko


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    PETER MARTINS TRITT ZURÜCK

    Der langjährige Leiter des New York City Ballets verlässt im Zuge der Vorwürfe sexuellen Missbrauchs die Kompanie

    Veröffentlicht am 02.01.2018, von tanznetz.de Redaktion


    GRENZENLOSE GRENZEN

    Die Uraufführung von Jessica Nupens „Don’t trust the border“ in der Hamburger Kampnagelfabrik begeistert mit unbändiger Fantasie und Kreativität

    Veröffentlicht am 18.01.2018, von Annette Bopp


    APOKALYPSE NOW

    Neue Tiefenschärfen in John Crankos "Schwanensee"

    Veröffentlicht am 28.12.2017, von Alexandra Karabelas



    BEI UNS IM SHOP