HOMEPAGE



Hagen

VON DAVID BOWIE BIS AMY WINEHOUSE

"Ballett? Rock it!" am Theater Hagen



Auch mit der zweiten Premiere der Saison setzt Ricardo Fernando ein Glanzlicht. Am 28. März erhält der Brasilianer für sein nimmermüdes Engagement um den Erhalt der Sparte Tanz in Hagen den "Deutschen Tanzpreis/Anerkennung".


  • "CLUB 27": Der dreiteilige Abend "Ballett? Rock it" am Theater Hagen Foto © Klaus Lefebvre / theaterhagen
  • "DRIFT": Der dreiteilige Abend "Ballett? Rock it" am Theater Hagen Foto © Klaus Lefebvre / theaterhagen
  • "HEROES-H": Der dreiteilige Abend "Ballett? Rock it" am Theater Hagen Foto © Klaus Lefebvre / theaterhagen

Wie soll denn das gut gehen? Rocken, dass die Wände wackeln und die Ohren dröhnen, vor einem Publikum aus seriös gekleideten Abonnenten, die die 50 zumeist weit hinter sich gelassen haben!? Aber so abwegig ist das gar nicht. Denn Ricardo Fernandos Tanzshow "Club 27" erinnert an fünf Rockmusiker, die mysteriöser Weise allesamt Anfang der 1970er Jahre im Alter von 27 starben. 2011 ereilte Amy Winehouse dasselbe Geschick.
Im übrigen: im Karneval ist bekanntlich alles erlaubt, und so wurde denn auch der zweite Hagener "Ballettabend" der Saison ein überbordend ausgelassenes Ereignis diesseits und jenseits der Bühnenrampe.

Schon der freche Titel "Ballet? Rock it!" hatte offenbar Grüppchen und Cliquen von "Mädels" angelockt, die mit der Musik von David Bowie, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Amy Winehouse & Co. bestens vertraut waren und womöglich Rasta Thomas und seine Dancing Boys aus New York mit ihrer fetzig akrobatischen Show "Rock The Ballet!" genossen haben.

Auch in Hagen wird (wie in Hamburg und anderswo) nun also gerockt, was das Zeug hält. Die Tänzer geraten außer Rand und Band, witzeln in ihrer Muttersprache, vereinen sich in Jazz Dance-Formationen, wagen kurze HipHop-Einlagen und halsbrecherische Akrobatik. Es knistert erotisch - und das Publikum johlt am Ende und spendet minutenlange Ovationen.

Zwei Gastchoreografen von Rang bestritten den ersten Teil des Programms. Marguerite Donlon studierte ihre heutigen, per MP3-Player dauerbeschallten "Heroes" für vier Tänzer und eine Tänzerin ein. Die Hagener mühten sich redlich, brachten auch einige Witzchen und Eskapaden zustande, angeheizt von Bowies Songs auch wohl kleine Improvisationen. So richtig wollte der Funke zwischen Choreografin und Ensemble jedoch wohl nicht überspringen. Längen und Leerlauf waren unübersehbar. Wie aus einem Guss dagegen ist James Wiltons Duett "Drift". Tiana Lara Hogan und Brendon Feeney boten bei der Premiere zehn Minuten perfekt getanzte Paarbeziehung.

Hagens Ballettchef verbeugte sich mit den beiden Gästen und dem gesamten künstlerischen Troß dieses Gute-Laune-Abends im weißen Hemd und mit Hütchen ganz im Stil von Pharrell Williams ("Happy!"). Grund zur Freude hat er allemal: Am 28. März erhält der Brasilianer für sein nimmermüdes Engagement um den Erhalt der Sparte Tanz am Theater Hagen in Essen den Anerkennungspreis des "Deutschen Tanzpreises". Das Publikum hat er voll hinter sich. Am südlichen Rande des Reviers setzt er ein Glanzlicht.

Veröffentlicht am 11.02.2015, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Kritiken 2014/2015, Tanz im Text

Dieser Artikel wurde 1483 mal angesehen.



Kommentare zu "Von David Bowie bis Amy Winehouse"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    GROßARTIGE TANZMINIATUREN

    „balletthagen“ macht Staunen bei Ricardo Fernandos „Bach tanzt“

    Veröffentlicht am 27.02.2012, von Marieluise Jeitschko


    KLEINE TRUPPE WAGT SICH AN GROßEN KLASSIKER

    „Dornröschen reloaded“ in Hagen

    Veröffentlicht am 01.06.2012, von Marieluise Jeitschko


    SCHRÄGE ERWACHSENENWELT − SÜßE KINDERTRÄUME

    Ricardo Fernandos "Nussknacker" in Hagen

    Veröffentlicht am 22.10.2012, von Marieluise Jeitschko


    DREI BRASILIANER IN HAGEN

    Ricardo Fernandos "Terra Brasilis" begeistert am Theater Hagen

    Heben und Hechten - bis die Männer genug haben und die vertikal gehaltenen Frauen einfach auf den Boden plumpsen lassen. Licht aus nach fetzig-frechem Spiel in farbenfrohem Ambiente!

    Veröffentlicht am 09.02.2014, von Marieluise Jeitschko


    TANZGESCHICHTE FÜR ALLE

    Hommage an Yvonne Georgi vom Ballett Hagen

    Eine weite Anreise nach Hagen wert ist dieser beeindruckende Abend nicht nur für Tanzhistoriker, um Yvonne Georgis "Glück, Tod und Traum" zur Musik von Gottfried von Einem als veritable Rekonstruktion zu erleben.

    Veröffentlicht am 18.05.2014, von Marieluise Jeitschko


    KINDLICHE FANTASIE UND PLATTE EROTIK

    Das Ballett "Alice im Wunderland" am Theater Hagen

    Eine farbenprächtige Tanzshow spulen Ricardo Fernando und seine 14 Tänzer in rund 40 kurzen Szenen für 26 Charaktere in über 40 Kostümen und Masken ab - alle Achtung!

    Veröffentlicht am 07.10.2014, von Marieluise Jeitschko


     

    AKTUELLE KRITIKEN


    POWERPÄRCHEN BEI NACHT

    "Nachtstücke" beim Stuttgarter Ballett
    Veröffentlicht am 26.03.2017, von Alexandra Karabelas


    EIN GESAMTKUNSTWERK DER FINSTERNIS

    Dewey Dell mit „Sleep Technique“ von Teodora Castellucci im brut Wien
    Veröffentlicht am 26.03.2017, von Gastautor


    BRIDGET BREINER WAGT GROßES - UND GEWINNT

    „The Vital Unrest“ beim Ballett im Revier
    Veröffentlicht am 26.03.2017, von Marieluise Jeitschko



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    ALAIN PLATEL: NICHT SCHLAFEN

    Am 24. und 25. Juni zu Gast bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

    Dieses Mal mischt der Flame die Musik Gustav Mahlers mit afrikanischen Klängen für eine Zeitreise in die schwindelerregenden Jahre zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

    Veröffentlicht am 19.03.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    WIE TANZT MAN REFORMATION?

    Das Bundesjugendballett wagt mit "Gipfeltreffen - Reformation" einen Versuch
    Veröffentlicht am 15.01.2017, von Andreas Berger


    STANDING OVATIONS

    Pick bloggt über die Gastspielreise des Bundesjugendballetts und -orchesters
    Veröffentlicht am 16.01.2017, von Günter Pick

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    IM HIER UND JETZT

    Die Staatliche Ballettschule Berlin begeistert mit „The Contemporaries, Volume 2“

    Veröffentlicht am 17.03.2017, von Volkmar Draeger


    „DIE BRAUTSCHMINKERIN“

    Mei Hong Lins neues Tanztheater frei nach Motiven von Li Ang am Landestheater Linz

    Veröffentlicht am 01.03.2017, von Marieluise Jeitschko


    JOHANNES ÖHMAN ÜBERNIMMT VORZEITIG INTENDANZ DES STAATSBALLETTS BERLIN

    Nacho Duato beendet sein Engagement am Staatsballett schon im Sommer diesen Jahres

    Veröffentlicht am 18.03.2017, von Pressetext


    DER TOD IST EIN MEISTER DES TANZES

    „Orfeus“ von Les Ballets Bubeníček in Hellerau

    Veröffentlicht am 05.03.2017, von Boris Michael Gruhl


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP