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Gießen

UMJUBELTE TANZ-GALA

13. TanzArt ostwest in Gießen



Die abgesandten Tänzer und Tänzerinnen von Stadt- und Staatstheatern boten Tanzkunst vor allem der neoklassischen Art. Einige wenige präsentierten sich mit zeitgenössischen Tanz, darunter die hessischen Bühnen Kassel und Gießen.


  • Gala bei der Tanzart ostwest 2015 Foto © Rolf K. Wegst
  • Gala bei der Tanzart ostwest 2015: James Wilton Foto © Rolf K. Wegst
  • Gala bei der Tanzart ostwest 2015: „Machine of Desire“ von Karel Vanek und Guido Preuß Foto © Rolf K. Wegst
  • Gala bei der Tanzart ostwest 2015: Robert Przybil Foto © Rolf K. Wegst
  • Gala bei der Tanzart ostwest 2015: „Tango des Pas Perdues“ Foto © Rolf K. Wegst

Die Tanz-Gala war ohne Frage wieder der umjubelte Höhepunkt des mehrtägigen internationalen Festivals TanzArt ostwest in Gießen, das unter Leitung von Ballettdirektor Tarek Assam bereits zum 13. Mal stattfand. Dort waren vor allem die abgesandten Tänzer und Tänzerinnen von Stadt- und Staatstheatern präsent, boten herausragende Tanzkunst vor allem der neoklassischen Art. Einige wenige präsentierten sich mit zeitgenössischen Tanz, darunter die hessischen Bühnen Kassel und Gießen. Die innovativen Aspekte, auch Genre-überschreitende Darbietungen, waren ab Donnerstag bis Pfingsmontag (fast) jeden Abend auf der Studiobühne taT zu erleben.

Tarek Assam moderierte die Gala selbst, hielt seine Redebeiträge angenehm kurz und ließ den Tanz für sich sprechen. Er konnte viele von weither angereiste Weggefährten und Kollegen unter den zahlreichen Gästen begrüßen. Der Mitinitiator und langjährige Leiter des auf Austausch beruhenden "low budget"-Festivals TanzArt ostwest nutzte die Gelegenheit, den vielen beteiligten Menschen Dank auszusprechen, vor Ort und darüberhinaus. Der hessische Minister für Wissenschaft und Kultur, Boris Rhein, hatte seine Schirmherrschaft in diesem Jahr erstmals finanziell unterfüttert, dadurch konnte ein Mitarbeiter für die Organisation eingestellt werden. „Das ist für uns eine wirkliche Hilfe, bedeutet große Anerkennung für unsere bisherige Arbeit am Stadttheater Gießen, ist aber auch ein politisches Statement für die Region Mittelhessen als Kulturstandort“, so Assams Einschätzung. Schließlich gibt es nicht nur die Rhein-Main-Region, das sei für Nicht-Hessen hinzugefügt.

Zum Grundkonzept gehört, dass die festen Theater und freien Ensembles Stücke schicken, die sie als charakteristisch für ihre Arbeit erachten. Weder eine Jury noch ein Kurator treffen also die Auswahl, der Hinweis ist Tarek Assam wichtig, unterscheidet das doch die TanzArt ostwest ganz wesentlich von anderen Tanzfestivals. Hin und wieder lädt er ihm interessant und innovativ erscheinende Gruppen dazu, was in diesem Jahr für das Stück „Fade in This“ des Bohemia Balet Prag zutrifft. Und am Ende hatte Assam sich selbst einen Wunsch erfüllt, als er Ben van Cauwenbergh bat, sein gut 20 Jahre altes Solo „Les Bourgois“ auch einmal in Gießen aufführen zu lassen. Den Klassiker tanzte Denis Utila vom Aalto Theater Essen, der überzeugend den französischen Bonvivant zum Chanson von Jacques Brel bot. Das Publikum war hingerissen.

Während der Gala dominierten die Rücken der Männer, als sei es ein neues Stilmittel geworden, seltsame Zufälle gibt’s. Die Beschau von Muskelsträngen und Sehnen zelebrierte Robert Robinson vom Stuttgarter Ballett am ausführlichsten; die ironisch-humorvolle Choreografie „Äffi“ von Marco Goecke war zu Country-Songs von Johnny Cash inszeniert, also Musik aus der Zeit, als Männer noch Männer waren. Neben den zahlreichen Soli, Pas-de-Deux, -Trois und -Quatres bleiben vor allem die drei Gruppenchoreografien in Erinnerung. Sie erzählen vom Miteinander der Menschen auf dynamische und höchst unterschiedliche Weise. Die Tanzkompanie Gießen bot einen Ausschnitt aus „Cog“ von James Wilton (aus dem dreiteiligen Abend „Spieluhr“), in dem die Leichtigkeit und Eleganz der fliegenden Bodensprünge gezeigt wurde, das war ein friedliches Miteinander. Von der Delattre Dance Company aus Mainz wurde „Der Kampf der Geschlechter“ geboten und das in geradezu archaischer Manier rund um Körperlichkeit und Sexualität. Das Staatstheater Kassel zeigte aus „Science! Fiction! Now!“ (Johannes Wieland) eine Geschlechterkampf voller Aggression ganz im Hier und Heute.

Zu den langjährigen Kooperationstheatern, die wieder dabei waren, gehören das Ballett Vorpommern unter Ralph Dörnen, das Ballett Koblenz, einst unter Leitung von Anthony Taylor, jetzt unter der von Steffen Fuchs, das Pfalztheater Kaiserslautern unter Stefano Giannetti und das Ballett Ulm unter Roberto Scafati, das Ballett Poznan schickte dieses Mal den Gastchoreogafen Paul Julius, der auch schon in Gießen gearbeitet hat.

Auch auf der Studiobühne waren viele ehemalige und aktuelle Gastchoreografen der Tanzcompagnie Gießen zu erleben, das trägt zum Networking bei. Felix Dumeril (Bern), der dieses Jahr das Site Specific Project „The Idea(l) of Order“ im Rathaus auf so wunderbar witzige Weise gemanagt hatte, stellte mit seiner Partnerin Misato Inoue, als Gruppe heißen sie „T42 Dance Project“, ihr neues Stück „Tango des Pas Perdues“ vor. Und James Wilton (Cornwall/London), der bereits genannte Gastchoreograf von „Cog“, hatte ein spannendes Solo aus seinem preisgekrönten Werk „Last Man Standing“ mitgebracht, fast meditativ getanzt von Sarah Jane Taylor. Robert Przybil (Bremen, demnächst Trier) tanzte sein neuestes Stück mit Video, David Williams (Ingolstadt) und Massimo Gerardi (Dresden) hatten jeweils ein junges Paar mit neuen Choreografien geschickt.

Ausgefallen in jeder Hinsicht war das Stück „Machine of Desire“, das Karel Vanek und Guido Preuß (Bonn) boten. Minimalistisch wie Beckett, im Nonsens mit Dada vergleichbar, kommentierten die beiden auf intelligente Weise den Kultur- und Medienbetrieb. Karel Vanek, einst Tänzer am Theater Bonn und Leiter des Kulturhauses „Brotfabrik“, das viele Jahre eine gute Adresse für Tanz war, bleibt auch im fortgeschrittenen Alter ungebrochen kreativ und aktiv auf der Bühne. Die „Tanz-Konzert-Therapie“ bot Kostproben von Pianomusik in der Alzheimer-Version, damit der Tänzer nicht so vielen Noten ausgesetzt ist, und Reflektionen auf die Absurditäten aktualisierter Shakespeare-Stücke. Unbedingt anschauen!

Veröffentlicht am 27.05.2015, von Dagmar Klein in Homepage, Kritiken 2014/2015, Tanz im Text

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Kommentare zu "Umjubelte Tanz-Gala"



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