HOMEPAGE



Gießen

EIN SCHWERES THEMA GANZ LEICHT

„Gravitas“ (UA) - Tanzabend von Tarek Assam am Stadttheater Gießen



Multimedial nähert sich Tarek Assem in seinem neuen Stück der Gravitation, einem wahrlich weltumspannenden Thema.


  • "Gravitas" von Tarek Assam Foto © Katrina Friese
  • "Gravitas" von Tarek Assam Foto © Katrina Friese
  • "Gravitas" von Tarek Assam Foto © Katrina Friese
  • "Gravitas" von Tarek Assam Foto © Katrina Friese
  • "Gravitas" von Tarek Assam Foto © Katrina Friese

Zur TanzArt ostwest in Gießen gehört seit 14 Jahren auch die Uraufführung einer neuen Choreografie der Tanzcompagnie Gießen (TCG). Dieses Jahr hat Ballettdirektor Tarek Assam dies selbst übernommen und sich kreative Gäste dazu geholt. Für Bühnenbild und Kostüme Michele Lorenzini, der schon mehrfach am Gießener Stadttheater gearbeitet hat, und für die künstlerische Videoinstallation Lieve Vanderschaeve, die in Gießen zum ersten Mal dabei war. Wieder ist ein Gesamtkunstwerk entstanden, in dem die verschiedenen Bereiche fließend ineinandergreifen und sich gegenseitig bereichern. Für die sechs Tänzer war (und ist) es sicher eine große Herausforderung, sich den beständigen Lichtimpulsen ausgesetzt zu sehen, doch sie meistern es auf bewundernswerte, immer auch spielerische Weise.

Das Thema heißt „Gravitas“, also eine der universalen Kräfte, die in ihren letzten Geheimnissen immer noch nicht erkannt sind, trotz der Theorien von Newton und Einstein. Das vor allem grafisch gehaltene Video versetzt in kosmische Räume mit Rastern und Körpern, die mal schwer nach unten fallen, mal leicht tänzelnd nach oben schweben, auch schwebendes Wasser ist zu sehen. In diesem Spektrum bewegt sich auch der Tanz, der vor allem den Versuch darstellt, das Schweben und Gleiten, Heben und Fallen, das gegenseitige An- und Abstoßen in all seinen Spielarten auszuloten. An manchen Stellen geht es dabei ausgesprochen turnerisch und athletisch zu.

Die Tänzer werden auch mal von den Projektionen getrieben und gestoßen, versuchen ihrerseits die meist kugelförmigen Objekte und Raster in Bewegung zu setzen. An mancher Stelle wird es fast psychedelisch, man fühlt sich eingesogen in die rasanten Bildbewegungen. Wenn dann noch Schwarzlichteffekte die schlichten Tanktops zum Leuchten bringen oder die Tanzenden in phosphoreszierenden, bunten Westen auftreten, ist es einfach verzaubernd.

Sprache ist auch dabei, in der Schrift als Projektion, im Sprechen durch einige TCG-Mitglieder. Der kräftigste Tänzer, Romain Arreghini, erklärt immer wieder, was alles „Gravité“ ist. Mamiko Sakurai und Agnieszka Jachym geben naturwissenschaftliche Erklärungen, beim ersten Mal auf Deutsch, beim zweiten Mal im Wechsel von Englisch und ihrer jeweiligen Muttersprache Japanisch bzw. Polnisch. Was höchst temperamentvoll und witzig ist. Zum bestens aufgestellten Tanzteam gehören noch Caitlin-Rae Crook, Magdalena Stoyanova und Sven Krautwurst. Sie alle machen es dem Publikum leicht, sich auf ein derart weltumspannendes Thema einzulassen, das man als multimediales Experiment analysieren kann oder man lässt sich einfach drauf ein und genießt. Mehr als einmal.

Weitere Vorstellungen: 26. Mai, 12. Juni, 2. Juli 2016, 20.00 Uhr

Veröffentlicht am 13.05.2016, von Dagmar Klein in Homepage, Kritiken 2015/2016

Dieser Artikel wurde 1732 mal angesehen.



Kommentare zu "Ein schweres Thema ganz leicht"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    FIKTIVE RÜSSEL UND SOZIOLOGISCHE WELTWIRTSCHAFTSANALYSEN

    Die Uraufführung „Gustav Nachtigal“ von Mirko Hecktor und Tarek Assam Am Wochenende zuvor Auftakt mit „Stop the press!“ von David Finelli (E)

    Veröffentlicht am 23.05.2010, von Dagmar Klein


    INTERNATIONAL, INNOVATIV UND IMPOSANT

    TanzArt ostwest 2012 in Gießen – Internationales Programm zum 10-Jährigen

    Veröffentlicht am 29.05.2012, von Dagmar Klein


    DAS BISSCHEN HAUSHALT...

    Uraufführung „Hausrat“ – Tanzstück von Tarek Assam eröffnet die TanzArt ostwest

    Veröffentlicht am 27.05.2012, von Dagmar Klein


    COPPÉLIA, VERGEWALTIGT

    TanzArt ostwest 2011 beginnt mit „Chaos Algorhythm“ und „Puppentänze – Coppelia revisited“

    Veröffentlicht am 11.06.2011, von Dagmar Klein


    RÜCKSCHAU

    Zum 12. Mal TanzArt ostwest in Gießen

    Eine gelungene Auftakt-Veranstaltung, zwei Tanzfoto-Ausstellungseröffnungen von Frank Sygusch und Dietmar Janeck, die Premiere des neuen Tanzstücks von Ballettdirektor Tarek Assam und Gastchoreograf Robert Przybyl „Die Wirrniss der Pinguine“ und schon am gleichen Abend ging es mit den ersten Gästen weiter.

    Veröffentlicht am 11.06.2014, von Dagmar Klein


    "WAS MÖCHTE ICH DARSTELLEN?"

    12 Jahre Tarek Assam am Stadttheater Gießen

    Tarek Assam ist seit 12 Jahren Ballettdirektor am Stadttheater Gießen. Er hat die kleine Tanzcompagnie zu einer in der Szene respektierten Größe geführt, und das jährliche Festival TanzArt ostwest zu einer festen Institution entwickelt.

    Veröffentlicht am 08.05.2014, von Dagmar Klein


    STADTERKUNDUNGEN

    12. TanzArt ostwest in Gießen startet mit Site-Specific-Project

    Ort des Geschehens ist das Obergeschoss einer Einkaufsgalerie, das bis vor kurzem ein Fitnessstudio beherbergte. Vor allem die Fensterfront zur Weststadt, das bedeutet in Gießen der Blick über die Lahn und darüber hinaus, ist faszinierend. An dieser Seite begann im Abenddämmerlicht Marcos Stück „A Ciegas / Blindlings“.

    Veröffentlicht am 01.06.2014, von Dagmar Klein


    VERZWEIFELTES GRUPPENRINGEN

    Neues Tanzstück von Tarek Assam und Robert Pryzbyl auf der TiL-Studiobühne

    Wie schon in den vergangenen 12 Jahren startete die TanzArt ostwest in Gießen mit einer Uraufführung der gastgebenden Tanzcompagnie Gießen, in diesem Jahr hat sie die „Wirrnis der Pinguine“ zum Thema. Und wieder einmal hat Ballettdirektor Tarek Assam einen Choreografen dazu geholt, mit dem er das experimentelle Stück gemeinsam erarbeitet hat.

    Veröffentlicht am 07.06.2014, von Dagmar Klein


    EINE KLEINE REVOLUTION

    Kooperation zwischen "TanzArt ostwest" und der Shenzhen Arts School

    Seit 2012 steht Tarek Assam als Leiter der "TanzArt ostwest" in regelmäßigem Austausch mit verschiedenen Städten und Tanzkompanien in China. Nun will er mit der Arts School in Shenzhen einen Lehrplan für zeitgenössischen Tanz erarbeiten.

    Veröffentlicht am 31.01.2017, von Dagmar Klein


     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    FREESTYLE HAPPENINGS

    Uraufführung von Jasmine Ellis „Empathy“ im Schwere Reiter in München
    Veröffentlicht am 15.01.2018, von Vesna Mlakar


    GLEICHNISHAFTE BILDER VOM MISSBEHAGEN AN DIESER WELT

    Das Cullbergbaletten zeigt Jefta van Dinthers „Protagonist“ im HAU Berlin
    Veröffentlicht am 15.01.2018, von Volkmar Draeger


    HERZENSANGELEGENHEIT

    Mit dem Abend „Dancing Souls“ stellt sich Alfonso Palencia als Ballettdirektor in Hagen vor
    Veröffentlicht am 14.01.2018, von Marieluise Jeitschko



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    OLD, NEW, BORROWED, BLUE

    Ballett-Premiere am Samstag, den 25.11.2017 um 19.30 Uhr auf der Bühne des Großen Hauses am Musiktheater im Revier

    „Something old, something new, something borrowed, something blue…und ein silberner Sixpence im Spitzenschuh…“, könnte man den Titel des neuen Ballettabends weiterdichten.

    Veröffentlicht am 08.11.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    GLEICHNISHAFTE BILDER VOM MISSBEHAGEN AN DIESER WELT

    Das Cullbergbaletten zeigt Jefta van Dinthers „Protagonist“ im HAU Berlin
    Veröffentlicht am 15.01.2018, von Volkmar Draeger

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    HERZENSANGELEGENHEIT

    Mit dem Abend „Dancing Souls“ stellt sich Alfonso Palencia als Ballettdirektor in Hagen vor

    Veröffentlicht am 14.01.2018, von Marieluise Jeitschko


    WAS DER KÖRPER MÖGLICH MACHT

    Mit „Old, New, Borrowed, Blue“ verheiratet das Ballett im Revier Gelsenkirchen eine bunte Mischung von Choreografien miteinander

    Veröffentlicht am 10.12.2017, von Boris Michael Gruhl


    FRIVOL FRANZÖSISCH

    Les Ballets de Monte-Carlo: „La Mégère apprivoisée“ von Jean-Christophe Maillot

    Veröffentlicht am 12.01.2018, von Hartmut Regitz


    FEUER, WASSER – UND ROCKENDE BIENEN

    Zwei Meisterwerke in Zürich: „Speak for Yourself“ von León/Lightfoot und „Emergence“ von Crystal Pite

    Veröffentlicht am 14.01.2018, von Marlies Strech


    SCHWEIZER TANZSZENE GEPRÄGT

    Noemi Lapzeson verstorben

    Veröffentlicht am 12.01.2018, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP