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Halberstadt

HINTER VIER TÜREN

Phantasievolles Ballett am Nordharzer Städtebundtheater



Mit nur acht Tänzerinnen und Tänzern spinnt Ballettdirektor Can Arslan für große und kleine Zuschauer eine moderne Geschichte um die Abenteuer der Alice im Wunderland und ihrem Weg, zu sich selbst zu finden.


  • "Alice im Wunderland" am Nordharzer Städtebundtheater Foto © Jürgen Meusel
  • "Alice im Wunderland" am Nordharzer Städtebundtheater Foto © Jürgen Meusel
  • "Alice im Wunderland" am Nordharzer Städtebundtheater Foto © Jürgen Meusel

Die Geschichte von Alice und ihren Abenteuern im Wunderland von Lewis Carroll hat Witz und Humor. Sie ist ein Klassiker und hat längst auch die Bühne erobert. Nun brachte - nach Christopher Wheeldon am Royal Ballet - Can Arslan eine eigene, sehr moderne und doch poetische Version der Geschichte mit seinem kleinen Ballettensemble am Nordharzer Städtebundtheater heraus.

Can Arslan hat eine moderne Rahmenhandlung geschaffen, die ein Stück Realität aus so manchem Elternhaus abbildet: Die Eltern der kleinen Alice sind mit sich, ihrem Laptop und dem Smartphone beschäftigt. Alice langweilt sich, fühlt sich vernachlässigt. Sie träumt sich hinein in eine Phantasiewelt, die Überraschungen bereit hält und in der sie Freunde findet. Auf dieser Reise trifft sie zuerst ein weißes Kaninchen (Alexandre Delamare). Ausgelassen herumtollend und fröhlich tanzend zieht es Alice in die geheimnisvolle Welt hinein. Shainez Atigui mit schönen, solistischen Eskapaden und einem Pas de deux mit dem pummeligen Kaninchen und Antonia Scheumann vom Kinderballett des Theaters mit erstaunlicher Bühnenpräsenz teilen sich die Rolle der Alice - und das funktioniert bestens.

Das Motiv von vier Türen zieht sich durch die Inszenierung, hinter denen sich immer wieder eine neue Alice verbirgt und die so die vielen Gesichter eines Mädchens widerspiegeln, das auf der Suche nach sich selbst ist. Die Tänzerinnen und Tänzer teilen sich 18 verschiedene Rollen; blitzschnell sind die aufwändigen Kostümwechsel (Bühne und Kostüme: Andrea Kaempf), ständig verändert sich das Bühnenbild mit den wunderschönen Requisiten in eine übergroße Teetasse oder in einen großen Katzen-Baum - Vinicius Augusto Mendes da Silva auf Stelzen, der als Vater, Baum, Herzbube und Pilz gleich in vier Rollen seine große Wandlungsfähigkeit zeigt.

Der junge Komponist Basti Bund hat eigens für diese Inszenierung die Ballettmusik komponiert und für jede der Figuren den charakteristischen Sound gefunden. Die Figuren haben alle Möglichkeiten, sich tänzerisch zu entfalten: Die Wasserpfeife rauchende, exotische Raupe mit geschmeidigen athletischen Bewegungen und hohen Sprüngen (Salvatore Cerulli), die schnurrende Grinsekatze, die den Baum umschmeichelt (Anna Vila), der verrückte Hutmacher (Jaume Bonnin), die Herzkönigin, die grausam über die Spielkarten herrscht (Federica Maila Vincifori) und die weiße Königin (Masami Fukushima). Und dann gibt es noch eine turbulente und verrückte Gerichtsverhandlung, bevor Alice sich zurück nach Hause träumt und die Eltern ihre Lektion wohl begriffen haben.

Veröffentlicht am 21.11.2016, von Herbert Henning in Homepage, Kritiken 2016/17, Tanz im Text

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