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Birsfelden/ Basel

SIEH MAL, WAS ICH KANN

Jeremy Nedd mit „How to save a phoney from becoming a fraud“ in Birsfelden-Basel



Verführerisches Lächeln, silberne Spiegel und ein Popsong. In seiner ersten abenfüllenden Produktion im Theater Roxy glänzt Jeremy Nedd zusammen mit Emma Chadwick - und das nicht nur in ihren Kostümen.


  • Jeremy Nedd mit HOW TO SAVE A PHONEY FROM BECOMING A FRAUD im Theater Roxy Foto © Roland Schmid
  • Jeremy Nedd mit HOW TO SAVE A PHONEY FROM BECOMING A FRAUD im Theater Roxy Foto © Roland Schmid
  • Jeremy Nedd mit HOW TO SAVE A PHONEY FROM BECOMING A FRAUD im Theater Roxy Foto © Roland Schmid

Ein verführerisches Lächeln auf den Lippen, ein Blinkern mit den Augen, eine leichte Kopfneigung und schon hat man das Gefühl die Frau in den silbern schimmernden Leggins und dem flatternden Glitzertop ist nur für einen da. Oder zieht einen etwa der junge Mann im silbernen Anzug mit einem Hauch von Nichts unter dem Sakko mit seinem bezaubernden Blick in den Bann? Aus dem Hintergrund ertönt „He’s the greatest dancer“ von den Sister Sledge, ein Diskohit Ende der 70er Jahre. Und dass sie, Emma Chadwick und Jeremy Nedd die größten Tänzer sind, wollen sie an diesem Abend, vor silbernen Stoffbahnen und auf einem spiegelnden Laufsteg beweisen.

„How to save a phoney from becoming a fraud“ ist Jeremy Nedds erste abendfüllende Choreografie und für diese hat er sich ein komplexes Thema ausgesucht: das Hochstapler-Phänomen. Dieses dürfte in der Tanzwelt nicht wenig verbreitet sein. Umgeben von einem enormen Leistungsdruck entwickelt der Betroffene zunehmend das Gefühl seine Erfolge nicht durch Leitung zu erbringen, sondern nur durch ein gewinnendes Wesen.

'Hab’ mich lieb', steht Chadwick und Nedd ins Gesicht geschrieben und breitet sich in ihrem ganzen Körper aus, wenn sie zu dem Diskosong von einer Pose in die andere wechseln, den Raum durchschreiten und dabei nie den Blick vom Publikum abwenden. Vom Beat getragen, bewegen sich die beiden ohne Pause, tanzen den Two-Step. Alles pulsiert. Nicht spektakulär ist dieser Grundschritt, aber es sitzt jede noch so kleine Bewegung perfekt. Bis ins Detail durchchoreografiert ist diese tänzerische Selbstdarstellung.

Doch zu halten ist sie nicht. Langsam lässt die Körperspannung nach, einzelne Bewegungen scheinen wegzurutschen, ein Mundwinkel verzieht sich und in den Augen blitzt Müdigkeit hervor. Geht es am Anfang immer nach ‚oben’, immer mit dem Beat vom Boden weg, so gewinnt nun die Gravitation ihre Kraft zurück und zieht die beiden Tänzer mehr und mehr Richtung Boden. Das Lächeln muss bleiben, der Schein gewahrt werden...

So verkörpern Nedd und Chadwick nicht nur das Hochstapler-Phänomen, sondern auch gleich noch dessen Zerfall. Die enorme Anstrengung, die Leere und Traurigkeit, die hinter der fröhlichen Maske stecken, brechen sich langsam Bahn. Diese Vielschichtigkeit im körperlichen Ausdruck, gepaart mit technischer Perfektion, lässt tänzerisch keine Wünsche offen.

„He’s the greatest dancer“ ertönt noch immer, kurz unterbrochen von Stille und atmosphärischer Livemusik (Musik: Fabrizio di Salvo), und wird in seiner ewigen Wiederholung zur Persiflage. Doch nicht ganz, denn diese beiden Tänzer sind fantastisch!

Veröffentlicht am 09.12.2016, von Anja K. Arend in Homepage, Tanz im Text, Kritiken 2016/17

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Kommentare zu "Sieh mal, was ich kann"



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