Nicht so glücklich mit dem Film

Christian Spucks „Messa da Requiem“ aus Zürich wird zur Fernsehproduktion „Libera me“ bei Arte

Mit Fokus auf die Tanzszenen vernachlässigt die Aufnahme das Zusammenspiel der verschiedenen Sparten.

Zürich, 29/12/2016

Verdis „Messa da Requiem“ als Joint Venture von Gesang und Tanz am Zürcher Opernhaus greift ans Herz – von Mitwirkenden und Publikum (vgl. Tanznetz-Kritik vom 4.12.2016). Zum Gesamtkunstwerk tragen alle bei: der musikalische Leiter Fabio Luisi mit der Philharmonia Zürich, die Chöre, die Gesangssolisten Krassimira Stoyanova (Sopran), Veronica Simeoni (Mezzo), Francesco Meli (Tenor) und Georg Zeppenfeld (Bass). Und natürlich der Regisseur und Choreograf Christian Spuck und sein Ballett Zürich.

Schon bei der umjubelten Uraufführung machten sich Kameraleute ans Werk. Der danach entstandene Fernsehfilm trägt den neuen Titel „Libera me“. Produziert hat ihn Yukie Bürkner-Damm in Zusammenarbeit mit den Sendern Arte und SRF (Schweiz), Regie führte Michael Beyer. Schon kurz nach der „Requiem“-Premiere in Zürich wurde die Aufnahme, die die Inszenierung lückenlos wiedergibt, auf Arte ausgestrahlt.

Das Ergebnis ist zwiespältig. Sehr gut zur Geltung kommen die meisten Tanzszenen, trotz der düsteren Bühnenbeleuchtung. Neben den Stars William Moore und Katja Wünsche, Filipe Portugal und Yen Han wird man nun auch Zeuge manch anderer Spitzenleistungen, allen voran von Giulia Tonelli, die als menschliche Hauptfigur durch das ganze Ballett tanzt. Live auf der Zürcher Bühne erkennt man die Tanzenden nicht so leicht.

Neben Tänzerinnen und Tänzern dürfen auch die Gesangssolisten über die Fernsehadaption zufrieden sein. Andere Aspekte des Gesamtkunstwerks gehen dagegen verloren. Die Kameras richten sich selten auf die Chöre – hauptsächlich dann, wenn diese physisch aktiv werden und aufgeregt über die Bühne stürmen. Ganz aus dem Bild verschwunden ist das Orchester. Den hoch motivierten Fabio Luisi, Generalmusikdirektor am Opernhaus, sieht man erst beim Schlussapplaus. Darauf schwenkt die Kamera kurz auf die Philharmonia. Fertig. Schade, denn das Einmalige an der Zürcher „Messa da Requiem“ liegt in der künstlerischen Gleichberechtigung aller Sparten.

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