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Zürich

EINE AUGENWEIDE

Ballett Zürich mit Werken von William Forsythe, Hans van Manen und Jacopo Godani



Drei rund halbstündige Stücke enthält das neue Programm des Balletts Zürich. Dass van Manens „Kammerballett“ und Forsythes „Quintett“ die Herzen der Zürcher erobern würden, war zum Vorherein klar. Aber auch Jacopo Godani kam gut an.


  • "rituals from another when" von Jacopo Godani; Tänzerinnen und Tänzer des Balletts Zürich und des Junior Balletts Foto © Carlos Quezada

Das neue Programm des Balletts Zürich unter dem Sammeltitel „Quintett“ umfasst zwei Meisterwerke: „Kammerballett“ (1995) von Hans van Manen und das selten aufgeführte „Quintett“ (1993) von William Forsythe. Gespannt war man auf die Uraufführung des 30-minütigen Balletts „rituals from another when“ von Jacopo Godani – und wurde freudig überrascht.

In Godanis neuem Ballett fühlt man sich auf eine mythologische Insel versetzt. Rasch zieht sie uns in ihren Bann. Je vier Tänzerinnen und Tänzer huschen auf die Bühne. Und bewegen sich auf eine Art, die nicht nur an Menschen, sondern auch an geschmeidige Tiere oder Schlingpflanzen erinnert. Ulrich Müller und Siegfried Rössert von 48nord haben dazu eine experimentell elektronische Komposition entwickelt (alle Musik ab Tonträger), die in enger Zusammenarbeit mit dem Choreografen entstanden ist.

Die acht Mitwirkenden entwickeln in dieser fremdartigen Atmosphäre überraschende, malerische, kaum je gesehene Bewegungen. Die jungen Frauen haben etwas Nymphenhaftes, auch die Männer könnten aus der antiken Sagenwelt stammen. Allein, zu zweit oder in gleitend sich bildenden Gruppen ziehen die Tanzenden ihre Kreise. Die Magie der Szenen ist auch dem goldschillernden Bühnenbild, den attraktiven Kostümen und dem Lichtdesign zu verdanken – alles von Godani entworfen. Eine Augenweide.

Jacopo Godani, der von 1991-2000 Tänzer im Frankfurter Ballett von William Forsythe war und anschließend als freier Choreograf arbeitete, kennt man in der Schweiz nur wenig. In Zürich hat er noch nie choreografiert. Aufmerksamkeit erregte er 2015, als er nach Forsythes Rückzug in die USA dessen Ensemble übernahm. Dabei versteht er sich offenbar nicht als direkter Nachfolger, sondern stellte eine neue Gruppe zusammen. Unter dem Namen „Dresden Frankfurt Dance Company“ (ehemals „The Forsythe Company“) entwickelt er hier einen eigenen Stil. Die deutschen Kritiken über die bisherigen Kreationen sind durchzogen. Aber in Zürich ist Godani gut angekommen, mit viel Applaus für „rituals from another when“.

Großen Beifall erhielten natürlich auch die anderen Ballette des Abends. Hans van Manen und William Forsythe sind längst als Meisterchoreografen anerkannt und wurden mit diversen Stücken schon oft nach Zürich eingeladen: früher von Heinz Spoerli, heute von Christian Spuck.

In van Manens „Kammerballett“ bringen die acht Tanzenden je einen weißen Hocker mit auf die Bühne. Zu Solo-Klaviermusik von so unterschiedlichen Komponisten wie Kara Karajew, Domenico Scarlatti und John Cage wechseln Gruppenszenen mit fantastischen Soli und Pas de deux ab, wobei die Hocker immer mal wieder anders platziert werden. Das bringt ein spielerisches Element in van Manens hochgezüchtete klassische Moderne, wo jede Bewegung bis ins Detail sitzen muss. Und dabei aussieht, als sei alles selbstverständlich.

Forsythes „Quintett“ ist ein ebenso melancholisches wie leidenschaftliches Ballett. Kreiert wurde es als eine Art ‚Briefchen’ an die krebskranke Tracy-Kai Maier, die Tänzerin und damalige Ehefrau des Choreografen; sie starb mit 32 noch vor der Uraufführung. Der Frankfurter Ballettchef hat das Stück damals zusammen mit zwei Tänzerinnen und drei Tänzern erarbeitet. Zu einer repetitiv-monotonen Gospel-Melodie („Jesus´ Blood Never Falled Me Yet“) mit sich verstärkender Begleitung von Gavin Bryars variieren sie jenen Forsythe-Stil der 90er Jahre, wie man ihn noch immer bewundert: In Auflösung befindliches klassisches Ballett, getanzt voller Skrupel und verwegener Entdeckungslust. Die sparsam möblierte dunkle Bühne hat hinten links eine Vertiefung – ein Grab? - worin die Tanzenden immer wieder verschwinden oder auftauchen.

21 anspruchsvolle Rollen umfassen die drei Ballette. Zwei Tänzerinnen treten nicht nur in einem, sondern gleich in zwei Stücken auf: Constanza Perotta Altube und vor allem Katja Wünsche, die bei van Manen und Forsythe nach intensiven und wunderbar interpretierten Partien am Schluss jeweils verlassen auf der Bühne bleibt.

Aber auch andere tanzen hervorragend. Etwa Jan Casier und Anna Khamzina in „ritual from another when“, Alexander Jones und Irmina Kapaczynska in „Kammerballett“ oder Manuel Renard und Guilia Tonelli in „Quintett“. Nicht umsonst wird das Ballett Zürich (das unter Spoerli noch Zürcher Ballett hieß) von Fachleuten und Publikum dafür bewundert, wie flexibel die Tänzerinnen und Tänzer die verschiedenen Stile der Gastchoreografen übernehmen.

Uraufführung 11.2.2017 am Opernhaus Zürich.
Weitere Angaben: www.opernhaus.ch

Veröffentlicht am 12.02.2017, von Marlies Strech in Homepage, Kritiken 2016/17

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