VORANKÜNDIGUNGEN



Gießen

SEID WAS IHR WOLLT (UA)

Tanzabend von Massimo Gerardi nach Klaus Kinskis Rezitationen der lasterhaften Balladen und Lieder des François Villon – in einer Nachdichtung von Paul Zech. Mit der Tanzcompagnie Gießen.



Choreograph Massimo Gerardi eröffnet am 1. Juni das diesjährige TanzArt ostwest Festival am Stadttheater Gießen mit einem performativen Abend über Nonkonformismus.


  • SEID WAS IHR WOLLT Foto © Rolf K. Wegst
  • SEID WAS IHR WOLLT Foto © Rolf K. Wegst
  • SEID WAS IHR WOLLT Foto © Rolf K. Wegst
  • SEID WAS IHR WOLLT Foto © Rolf K. Wegst
  • SEID WAS IHR WOLLT Foto © Rolf K. Wegst

Wie authentisch kann ich sein, wenn ich mit allem konform gehe? Wie viel Freiheit kann ich mir erlauben, um so zu sein wie ich bin oder sein will? Inwieweit kann ich meine Mitmenschen mit meinen Vorstellungen, Ideen und meiner Eigenartigkeit konfrontieren? Und wann wird aus Unangepasstheit Werteverfall? Von diesen Fragen lässt sich Massimo Gerardi für seinen Tanzabend leiten. Er hinterfragt geltende gesellschaftliche Ideale, indem er unangepasste TänzerInnen auf dem schmalen Grat zwischen Akzeptanz und Ächtung agieren lässt. Mit einer Prise Erotik, Provokationen, Anklagen und Augenzwinkern stellt Gerardi die Themen, die mit Humor und Schärfe in den wilden, autobiographischen Balladen des mittelalterlichen Gelehrten und Gauners François Villon angelegt sind, choreographisch dar und überhöht sie im Sinne des aktuellen gesellschaftlichen Empfindens.

Durch die Stimmgewalt Klaus Kinskis, dessen Name zum Synonym für Nonkonformismus per se geworden ist, gelangt die Poesie Villons auch zu auditiver Perfektion. So wird die Performance gleichermaßen zu einem akustischen Erlebnis: Die für Kinski typische, schizophrene Hin- und Hergerissenheit – häufig vulgär, aber auch ruhig und beinahe einfühlsam – wird greifbar und durch das Bewegungsvokabular der TänzerInnen hervorgehoben; das Publikum in die schizophrenen Welten Villons und Kinskis versetzt.

Die Bühne wird wie zuletzt beim Tanzabend ALL WE SEE am Stadttheater Gießen von Katja Wetzel gestaltet. Durch Sound- und Lichtinstallationen gibt die Bühnenbilderin der unangepassten Performance von Massimo Gerardi den passenden Raum. Gerade die Soundinstallationen sorgen für ein besonderes Erlebnis: Verschiedene Töne erreichen das Publikum aus unterschiedlichen Quellen und Richtungen. Gerardi greift dabei nicht nur auf Kinskis Rezitationen zurück, ferner ertönen Klänge des russischen Computermusikers CoH, die u.a. an Kraftwerk, Iron Maiden oder Slayer erinnern und die Rezitationen in ihrer Kraft unterstützen. Die Kostüme entwirft Anika Klippstein, die am Stadttheater Gießen zuletzt THE EFFECT ausstattete. Ihre Kostüme verleihen der Performance einerseits das skurrile Moment, andererseits greifen sie das Animalische auf, das in der Person Klaus Kinski verankert ist.

Massimo Gerardi begann seine Tanzausbildung in Udine und in Reggio Emilia. Im Anschluss erhielt er seine ersten Engagements in Italien und später in Deutschland. Arbeiten u.a. mit Birgit Cullberg, William Forsythe, Rui Horta, Amanda Miller, Jacopo Godani, Jean Renshaw, Robert Poole, Martin Stiefermann, Jenny Coogan, Gregor Zöllig, Antonio Gomes, David Sutherland, Amedeo Amodio. Im Jahr 2000 erhielt er von der Kunststiftung NRW ein Stipendium für Choreographie. Als Gastchoreograph entwarf er u.a. Stücke am Staatstheater Oldenburg, Theater Kiel, Theater Odeon/Bukarest, Staatsschauspiel Dresden, Stadttheater Gießen. Von 2003 bis 2012 ko-leitete das freie Tanz- und Theaterkollektiv movingtheatre.de in Köln. 2006 erhielt er den Kölner Tanztheaterpreis für seine Choreographie POP EYE und in 2009 für SITE SPECIFIC. Daneben ist er als Dozent, u.a. an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden und zurzeit als freiberuflicher Choreograph und Trainingsleiter tätig. SEID WAS IHR WOLLT ist nach PUPPENTÄNZE (Spielzeit 2010/11) seine zweite Arbeit am Stadttheater Gießen.

Katja Wetzel
studierte Bühnenbild bei Prof. Jürgen Rose an der Hochschule für Darstellende und Bildende Kunst in Stuttgart. 1996 wurde sie Ausstattungsassistentin an der Oper Nürnberg, von 1998-2000 war sie in gleicher Funktion am Schauspiel Düsseldorf tätig. Seit 2000 arbeitet Katja Wetzel als freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin. Gastengagements führten sie u.a. an das Staatstheater Nürnberg, die Schauspielhäuser von Düsseldorf und Bochum, die Theater in Bielefeld und Basel, an die Neuköllner Oper sowie an das Hebbel am Ufer in Berlin. In Berlin arbeitet Katja Wetzel mit den Performerinnen Lindy Annis und Antonia Baehr zusammen und entwickelte 2007 für den Kinofilm FÜR DEN UNBEKANNTEN HUND von Dominik und Benjamin Reding die Kostüme. Dem Gießener Publikum ist sie u.a. durch ihre Arbeiten für VERBRENNUNGEN (Spielzeit 2007/08), DAS LETZTE FEUER (Spielzeit 2008/09), DIE ORESTIE (2010/11) sowie IN DER REPUBLIK DES GLÜCKS (2014/15) bekannt. In der Spielzeit 2016/17 realisiert sie hier u.a. das Bühnenbild zu HÄUPTLING ABENDWIND sowie die Ausstattung des Tanzabends ALL WE SEE.

Anika Klippstein studierte an der Fachhochschule für Medien und Design Hannover den Studiengang Szenographie und Kostüm. Bereits im Studium entwickelte sie eigene Bühnen- und Kostümarbeiten u.a. zu DER GUTE MENSCH VON SEZUAN und KONFETTI, beides unter der Regie von Jürgen Kramer am Studiotheater Hannover. Nach dem Studiengang folgten mehrere Gastassistenzen in Berlin, Kassel, Meiningen und Lübeck unter anderem für Johannes Schütz, Titus Georgi, Nicholas Bussmann und Patrick Schlösser. Am Staatstheater Kassel konnte sie ihre praktische Erfahrung ab 2012 als feste Ausstattungsassistentin unter anderem bei Etienne Plues, Daniel Rosskamp, Katja Wetzel und Florian Etti erweitern. In dieser Zeit realisierte sie die Kostüme für FREMD IN KASSEL sowie die Bühne und Kostüme für ALICE. Seit 2014 ist sie als freie Bühnen- und Kostümbildnerin tätig. Am Schlosstheater Celle entwickelte sie die Bühne und Kostüme für ALTE LIEBE und KEIN SCHÖNER LAND IN DIESER ZEIT, kommende Arbeiten in Celle sind EINE SOMMERNACHT und WIR ALLE FÜR IMMER ZUSAMMEN. Am Stadttheater Gießen entwarf sie u.a. die Kostüme für IN DER REPUBLIK DES GLÜCKS (Spielzeit 2014/15), GEGEN DIE WAND (2015/16), THE EFFECT (2016/17) und SUPERGUTE TAGE oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone (2016/17).

Premiere am 01.06.2017 | 20.00 Uhr | taT-studiobühne | Stadttheater Gießen


weitere Termine: 11.06.2017 | 20.00 Uhr | taT-studiobühne | Stadttheater Gießen
24.06.2017 | 20.00 Uhr | taT-studiobühne | Stadttheater Gießen

Choreographie:
Massimo Gerardi
Bühne: Katja Wetzel
Kostüme: Anika Klippstein
Dramaturgie: Maite Beisser
Choreographische Assistenz: Bärbel Stenzenberger
Ausstattungsassistenz: Milena Kubicka

Tanz:
Maria Adriana Dornio
Mamiko Sakura
Clara Thierry
Marcel Casablanca Martínez
Yusuke Inoue
Lorenzo Rispolano

Weitere Informationen unter stadttheater-giessen.de und tanzcompagnie.de.

Veröffentlicht am 15.05.2017, von Anzeige in Vorankündigungen

Dieser Artikel wurde 771 mal angesehen.



Kommentare zu "SEID WAS IHR WOLLT (UA) "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE NEWS


    TANZ ALS KUNST FÜR UNSERE GEGENWART

    Danza&Danza vergibt die Premi Danza&Danza für das Jahr 2017
    Veröffentlicht am 16.04.2018, von tanznetz.de Redaktion


    ZÜRICH VERGIBT PREISE

    Kunstpreis für Alexandra Bachzetsis und Auszeichnung für besondere kulturelle Verdienste an Tanya Birri
    Veröffentlicht am 13.04.2018, von Pressetext


    DER CHOREOGRAF, TÄNZER UND PROFESSOR DONALD MCKAYLE IST TOT

    Das Ausnahmetalent Donald McKayle ist im Alter von 87 Jahren gestorben
    Veröffentlicht am 13.04.2018, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    CREATING DANCE IN ART AND EDUCATION

    Tanzpädagogik/ Choreografie Berufsbegleitende Weiterbildung am UdK Berlin Career College ab Oktober 2018

    Im Oktober 2018 beginnt die nächste Ausgabe der Weiterbildung Creating Dance in Art and Education – Tanzpädagogik/ Choreografie am Berlin Career College der Universität der Künste Berlin mit einem neuen Format.

    Veröffentlicht am 20.04.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer


    POLITIK KÖNNTE (MAN) TANZEN

    Reflektionen über die diesjährige Tanzplattform im PACT Zollverein in Essen
    Veröffentlicht am 18.03.2018, von Anna Wieczorek

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    "CROSSING THE LINES"

    Ein Fotoblog von Dieter Hartwig

    Veröffentlicht am 26.03.2018, von tanznetz.de Redaktion


    JOHN NEUMEIER BIS 2023 INTENDANT DES HAMBURG BALLETT

    Erfolgsgeschichte des Hamburg Ballett soll weiter ausgebaut werden

    Veröffentlicht am 26.03.2018, von Pressetext


    DAS GOODBYE DER CHOREOGRAFEN

    Zum Abschied von Reid Anderson: Ballettabend „Die fantastischen Fünf“

    Veröffentlicht am 03.04.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel


    TANZ ALS KUNST FÜR UNSERE GEGENWART

    Danza&Danza vergibt die Premi Danza&Danza für das Jahr 2017

    Veröffentlicht am 16.04.2018, von tanznetz.de Redaktion


    DU SOLLST DIR KEIN BILDNIS MACHEN

    „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Tomasz Kajdański in Dessau

    Veröffentlicht am 28.03.2018, von Boris Michael Gruhl



    BEI UNS IM SHOP