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Magdeburg

MAGDEBURGER TANZFEST 2017

Vier Tage vielversprechender Tanz in Magdeburg



Mit einer Premiere von Mauro Astolfi, der Internationalen Ballettgala mit dem Fokus Lateinamerika, einem Kurzchoreografie-Wettbewerb für Laien-Ensembles und zwei Wiederaufnahmen.


  • "Still in Love" von Mauro Astolfi Foto © Andreas Lander
  • "Still in Love" von Mauro Astolfi Foto © Andreas Lander
  • "Still in Love" von Mauro Astolfi Foto © Andreas Lander
  • "Coppelia" von Gonzalo Galguera Foto © Nilz Böhme
  • "Die Wahlverwandtschaften" von Gonzalo Galguera Foto © Nilz Böhme

Auch in diesem Jahr erlebten die Ballettenthusiasten beim inzwischen siebten Magdeburger Tanzfest ein besonderes Programm vom Kurzchoreografie-Wettbewerb mit 18 Beiträgen aus der freien Tanzszene bis zur Internationalen Ballettgala. Die Gestaltung der Tanzbegegnungen am Eröffnungsabend und vor allem die Gala mit internationalen Gästen aus Mexiko, Peru und Kolumbien brachten hochinteressantes Ballett und Tanz zwischen Klassik und Moderne, die in vielerlei Hinsicht überraschten. Der Magdeburger Ballettdirektor Gonzalo Galguera setzte in diesem Jahr noch stärker auf Internationalität.

So stand die Internationale Ballettgala, die vom Ballett Magdeburg und vier Paaren aus Übersee gestaltet wurde, programmatisch unter dem Motto „Magdeburg trifft Lateinamerika“. Dieses Motto kommt nicht von ungefähr, denn seit langem bestehen zwischen dem Ballett Magdeburg und der Kolumbianischen Ballettkompanie Compania Colombiana de Ballet, dem Nationalballett Ballet Nacional Peru und der weit über die Grenzen Mexikos bekannten Kompanie Barro Rojo Arte Escenico Beziehungen. Diese werden vor allem durch Gonzalo Galguera und seine Mitwirkung bei Ballettfestivals und internationalen Choreografiewettbewerben in Lateinamerika befördert.

Seit 2015 ist der kubanische Choreograf neben seiner Tätigkeit als Ballettdirektor in Magdeburg auch künstlerischer Direktor der Companìa Colombiano de Ballet. Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit mit der Kompanie sind neoklassische und zeitgenössische Choreografien. Die Tänzer aus Lateinamerika überzeugten mit Ausschnitten aus Schwanensee und dem Grand Pas de deux „Diana und Actaeon“ ebenso wie mit modernen Choreografien, wie zum Beispiel „Transtangos“ mit Musik von Astor Piazolla oder mit „Pilger“ und „A los Aires“, zwei Choreografien von Gonzalo Galguera. Jubel gab es auch für das Ballett Magdeburg, das sich mit Ausschnitten aus „Die Wahlverwandtschaften“, „Coppelia“, „Dornröschen“ und „Raymonda“ in allerbester tänzerischer Verfassung präsentierte. So wie in diesem Jahr der lateinamerikanische Tanz die Gala dominierte, wird in den nächsten Jahren eine andere Weltkultur im Mittelpunkt stehen.

So international wie die Ballettgala war auch der Auftakt des Tanzfestes. In der Reihe Tanzbegegnungen stellte der italienische Choreograf Mauro Astolfi sein eigens für das Ballett Magdeburg choreografiertes Tanzstück „Still in Love“ vor. In dieser Uraufführung präsentierten sich elf Tänzerinnen und Tänzer des Ballett Magdeburg in einer gekonnt expressiven tänzerischen Form. So hat man die vornehmlich klassisch geprägte Truppe selten erlebt. Mauro Astolfi lässt in seine ausdrucksstarke und expressive Körpersprache ganz unterschiedliche Tanzstile einfließen. Unverkennbar der Einfluss des amerikanischen Modern Dance von Martha Graham. Seine Erfahrung als Tänzer in amerikanischen Kompanien fließen in seinen Arbeiten ebenso ein wie seine Studien in London und New York.

Sein Tanzstück „Still in Love“ verortet er in einem Krankenhaus als Ort der Begegnungen von Menschen zwischen Leben und Tod. Es ist ein Kommen und Gehen. Zwischen Resignation und Hoffnung, Angst und Zuversicht suchen Menschen die Nähe des Anderen. Sie erleben Zuneigung und Ablehnung. Zwischen Ärzten, Pflegern und Patienten entstehen in einem fortwährend sich ändernden Kosmos der Beziehungen emotionale Bindungen. Diese Emotionen und die Zuwendungen, die der Einzelne von Menschen aus der Anonymität erfährt, befreien von Zwängen und lassen Todesängste überwinden. Man findet wieder zum eigenen Ich und erfährt auf ganz unterschiedlicher Art, was Liebe vermag.

Das Spannende dieser Geschichte, die auf eigene Erlebnisse von Mauro Astolfi zurückgeht, ist wie die Individualität der Tänzer zum entscheidenden Stilmittel im Spannungsfeld von Körper, Bewegung und Raum wird. Zwischen den Betten im Krankenhaus, medizinischen Geräten, der Sterilität eines geschlossenen gläsernen Raumes, der die Menschen der Gerätemedizin ausliefert, vollzieht sich in atemberaubendem Tempo der Wechsel von Körperformationen zwischen Verquerungen von Armen und Beinen, Verschraubungen der Körper, Drehungen und Spreizungen. Ob solistisch oder in wechselnden Formationen von Tänzerinnen und Tänzern, mit Elementen des Slapsticks und pantomimischen Versatzstücken – das Ballett Magdeburg zeigt hier modernes Tanztheater auf allerhöchstem Niveau.
Unterstützt wird die Produktion durch den italienischen Lichtdesigner Marco Policastro und Karin Herchers tristes Kostüm- und Bühnenbild zwischen Distanz und Kälte. Herausragend tanzten in der hochmotivierten Balletttruppe insbesondere Lou Beyne, Adam Reist, Narissa Course und Andreas Loos.
Das Programm des Magdeburger Tanzfestes komplettierten „Le Corsaire“ und „Le Sacre du Printemps“ in der Choreografie von Gonzalo Galguera mit dem Ballett Magdeburg.

Veröffentlicht am 30.05.2017, von Herbert Henning in Homepage, Kritiken 2016/17

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Kommentare zu "Magdeburger Tanzfest 2017"



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