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München

VIEL STYROPOR

Dancesoap „Minutemade“ mit „Act Three“ in München



Das Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz mit der letzten Produktion der Saison zeigt Choreografien von Eyal Dadon und Roberto Zappalà.


  • "Bodies" von Roberto Zappala Foto © Marie-Laure Briane
  • "Bodies" von Roberto Zappala Foto © Marie-Laure Briane

Abschied von der Ersatzspielstätte Reithalle hieß es fürs Erste für das Staatstheater am Gärtnerplatz. Fürs Erste, wie Intendant Joserf E. Köpplinger voll Vorfreude auf die Rückkehr ins komplett sanierte Stammhaus im kommenden Oktober verkündete. Dann moderierte Ballettdirektor Karl Alfred Schreier, mit „Act Three“ das Finale der diesjährigen Dancesoap „Minutemade“ an: ein kurzweiliger Amüsierhappen zum Spielzeitende – mit Schockeffekt.

Überraschung bei dieser „Minutemade“-Staffel: Ausnahmslos alle Gastchoreografen hatten (erstmals überhaupt in der Geschichte dieses ‚Spontanformats‘) das zu Beginn von Schreiner ins Spiel gebrachte Styropor weiter verwendet – Gentian Doda mitunter als in die Choreografie integriertes Soundinstrument. Nach ihm ließ sich Eyal Dadon von den zerbrochenen weißen Platten zu Grabvisionen hinreißen. Die Tänzer schichten die Bruchstücke immer wieder über einen vor sich hinsingenden Kollegen. Zudem übernahm der Israeli in bester Serienmanier auch einige Posen und Bewegungssequenzen seines Vorgängers und trieb sein Stück mit einer Karaoke-Show zum „Dirty Dancing“-Song „The Time of My Live“ auf eine sehr individuelle Spitze.

Diese wiederum wusste Roberto Zappalà, italienisch-stylisch-bunt wunderbar zu brechen. Sein Input führte back to the roots of Modern Dance, mit „Bodies“, die bravourös wie Kaugummis verschiedener Geschmacksrichtungen durch den Raum ‚bumerangten‘ – allein, in Paaren und zuletzt als exzellent synchrone Unisono-Tänzermasse. Deren Abschied in die wohlverdiente Sommerpause: ein kollektiver Schmatzer fürs Publikum, das die kurzweilige Stunde mit Bombenstimmung begleitete. Zappalàs Einstieg in die Staffel war allerdings der genialste Hammer. Zu Fluglärm, Gegacker und dem Sound zweier sich kreuzender Messerklingen gefror das Lachen der Zuschauer beim unerwarteten Blick auf in Folie mit Preisetikett eingeschweißte nackte Körper. Gerupfte Hühnerware in der Kühlauslage. Akustisch gehüllt in Saint-Saëns Musik vom „Sterbenden Schwan“. Da war es erneut, eisig inszeniert, das multifunktionale Styropor. Hintersinniger Eyecatcher der Saison.

Nächste Spielzeit erwartet die Kompanie eine neue Herausforderung: Mit „La Strada“ zu Musik von Nino Rota wird Marco Goecke – Deutschlands Choreograf mit der eigenwilligsten, detailversessensten Körpersprache – fürs Gärtnerplatz-Ballett einen Abendfüller kreieren. Schöne Aussichten! Ein Kahlschlag in Tanzbelangen wie derzeit in Stuttgart ist in keinem der beiden Münchner Tanzensembles zu befürchten. Bei den Württembergern musste jüngst Goeckes „Kafka“-Stück kurzfristig abgesagt werden. Jetzt wurde noch bekannt, dass Tamas Detrich, designierter Nachfolger von Stuttgarts amtierendem Ballettintendant Reid Anderson, den renommierten Künstler und Hauschoreografen Goecke nicht verlängert. Den Stuhl vor die Tür gesetzt bekam bereits zuvor der zweite Stuttgarter Hauschoreograf Demis Volpi – nach einhelligen Erfolgen wie seinem Ballett „Krabat“ und der Regie von Brittens Oper „Tod in Venedig“. Bayern könnte davon profitieren...

Veröffentlicht am 20.07.2017, von Vesna Mlakar in Homepage, Kritiken 2016/17

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Kommentare zu "Viel Styropor "



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