HOMEPAGE



Berlin

BEWEGT IMPROVISIERTE KLANGWELTEN

Das „Soun d ance“-Festival in Berlin



Vergangenes Wochenende startete im Dock11 zum ersten Mal das „Soun d ance“-Festival, das seinen Fokus auf das Wechselspiel zwischen Live-Musik, Sound und zeitgenössischem Tanz legt.


  • "Ferne schweifen" von Duo Ocean of pink dots Foto © Dieter Hartwig
  • "Ferne schweifen" von Duo Ocean of pink dots Foto © Dieter Hartwig
  • "Ferne schweifen" von Duo Ocean of pink dots Foto © Dieter Hartwig
  • "On The Shape Of Darkness" von Duo Kaseki & Gordoa Foto © Dieter Hartwig
  • "On The Shape Of Darkness" von Duo Kaseki & Gordoa Foto © Dieter Hartwig
  • "On The Shape Of Darkness" von Duo Kaseki & Gordoa Foto © Dieter Hartwig
  • "Fate of the Galaxies" von Collective One:Third und Hannes Buder Foto © Dieter Hartwig
  • "Fate of the Galaxies" von Collective One:Third und Hannes Buder Foto © Dieter Hartwig
  • "Fate of the Galaxies" von Collective One:Third und Hannes Buder Foto © Dieter Hartwig

Das Berliner Festival „Soun d ance“ findet diesen Sommer erstmals statt und baut die im Improvisation XChange Berlin Festival (2013-2016) verankerte Auseinandersetzung mit Echtzeit-Komposition weiter aus. Bereits 2013 gründete die künstlerische Leitung des Festivals Jenny Haack die gemeinnützige Gesellschaft „b.arts.u – berlin arts united“, die sich einem regen kulturellen und spartenübergreifenden Austausch in Projekten und Veranstaltungen verschrieben hat.

So ist das diesjährige Festival nicht nur eine weiterführende Plattform, um den Austausch direkter Kommunikation zwischen MusikerInnen und TänzerInnen zu fördern, sondern ermöglicht auch Unterstützung in Form einer einwöchigen Intensivprobenphase und den darauffolgenden Aufführungen. Im Zeitraum vom 20.-30. Juli kann man diese Verbindung musikalischer und tänzerischer Komposition als Publikum in insgesamt acht Abendaufführungen live miterleben. An sechs Nachmittagen gibt es zudem im Format des Ateliers die Möglichkeit die KünstlerInnen und MusikerInnen im direkten Austausch zu erleben und selbst zu entscheiden, wie weit man teilnehmen, mitmachen oder mitsprechen möchte. Workshops für professionale TänzerInnen runden das Programm ab.

Den Festivalauftakt machte das in Berlin arbeitende Collective ONE: THIRD: 6 TänzerInnen (Edith Buttingsrud Pedersen, Annukka Hirvonen, Sarah Jegelka, Justyna Kalbarczyk, Stefania Petracca, Roberta Ricci) und der Musiker Hannes Buder mit ihrer Arbeit „Fate of Galaxies“. Galaktische Bezüge beschäftigen das gleichberechtigte Team schon seit ihrer Gründung vor drei Jahren. Auch wenn das als Thema nicht eindeutig erkennbar ist und man sich nicht durchgehend mit klaren Assoziationen zu Planetenanordnungen, der Zusammensetzung des Universums oder knallenden Kollisionen umgibt, so lassen sich doch auf sehr sensible und subtile Weise, Bewegungsqualitäten und Raumanordnungen finden, die sich aus dieser intensiven Beschäftigung mit Relationen und Formen der Kommunikation ableiten lassen. Im Wechselspiel mit mal vibrierenden, mal melodischen Klängen der E-Gitarre trägt einen das Stück in seiner Unabgeschlossenheit fort. Durch die hohe professionelle Auseinandersetzung mit Improvisation wird die Zufälligkeit spürbar, indem man als ZuschauerIn jeden Anhaltspunkt für choreografische Struktur verliert und trotzdem nichts in den Bewegungen ‚unabsichtlich‘ wirkt.

In „On the shape of darkness“ vereinen sich die japanische Tänzerin Yuko Kaseki und der mexikanischen Musiker Emilio Gordoa auf der Bühne. Das Stück spielt sich konstant in einer Art Dämmerung ab. In einem mystischen Zwischenraum von Hell und Dunkel, wo sich schemenhaft Bewegungen und Sound entwickeln und das Hören mitunter zum Sehen wird. Mit verschiedenen Objekten: Boxen, Mikrofonen, Kabelrollen, ausgeschüttetem Sand und allen Einzelteilen eines Vibrafons produziert der Musiker Emilio Gordoa und später auch Yuko Kaseki eine architektonische Landschaft aus Sounds. In metallen schillerndem Silber, das Gesicht von einer Perücke verdeckt zeichnen sich parallel dazu abgehackte, stolpernde Bewegungen von Yoku Kaseki in diesen Raum. Die Körper der zwei Personen auf der Bühne und die Klangobjekte werden mehr und mehr kooperative Elemente eine Soundwelt, in der Körper zur Membranen und Objekte zu bewegten Schatten werden, die im Dämmerlicht Bilder einer skurrilen Welt entblößen.

In „Ferne schweifen“ bringt ein Cello zwei Körper zum Zittern, zittert das Cello unter der Hand des bebenden Körpers. Das Klatschen der schnellen Schritte der Tänzerin Jenny Haack und der Musikerin Hui-Chun Lin auf dem Boden erklingt rhythmisch zu dem Klopfen auf dem Holz des Cellos. Der Bogen streift über die Seite und ein tiefer, beruhigender Klang ertönt. Bis sich das Cello dem Bogen entzieht, immer wieder ausweicht, dabei horizontal über dem Boden schwebt. Die Stimmen der PerformerInnen gesellen sich nach und nach in Geräuschen und Wörtern zum bestehenden Klangraum. Im spielerischen und humorvollen Dialog treten die zwei Körper und das Instrument in einen Austausch, der seine Spuren auf der Bühne hinterlässt. Wo nun eine Leerstelle ist, aber eben noch ein Körper, ein Instrument war, hängt ein Nachhall in der Luft und ruft, um danach wieder gefüllt zu werden: „Just a little“.

Die Improvisationen in Echtzeit wirken wie aufeinander reagierenden Organismen, in denen die Körper von MusikerInnen und TänzerInnen gemeinsam mit den Instrumenten und Klangobjekten zu Resonanzräumen und akustischen Raumvermessern in dem heißen und dunklen Raum des Dock11 werden. Ein Innehalten und wieder Einsetzen in den Bewegungen, ähnlich einer musikalischen Pause, zieht sich durch die Stücke und erzeugt eine kurze Unterbrechung im Atem des Zuschauenden. Ein Augenblick der Ungewissheit. Ein Gefühl, an das man sich bei diesem Festival gewöhnen muss.

Veröffentlicht am 26.07.2017, von Elisabeth Leopold in Homepage, Kritiken 2016/17

Dieser Artikel wurde 1727 mal angesehen.



Kommentare zu "Bewegt improvisierte Klangwelten "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    FAUST-SYMPHONIE

    Im Rahmen des Faust-Festivals erleben Sie am 13. Juni die »Faust-Symphonie für Orgel & Tanz nach Franz Liszt«
    Veröffentlicht am 21.05.2018, von Anzeige


    TANZ - VERSTECKT, PUR, NEU

    Das Gastspiel des NDT 2 im Theater im Pfalzbau Ludwigshafen
    Veröffentlicht am 20.05.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel


    SEHNSUCHTSVOLLER HERZSCHMERZ

    "True Romance" von Hans Henning Paar und Daniel Soulié am Theater Münster
    Veröffentlicht am 19.05.2018, von Marieluise Jeitschko



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    CARMINA BURANA

    Aufgrund des großen Erfolgs und des überwältigenden Feedbacks von Publikum und Presse, wird es am 27. und 28. Dezember 2017 zwei weitere Vorstellungen im Wuppertaler Opernhaus geben.

    Zusammen mit der Junior Company, der Company und den Musicalkids vom Tanzhaus Wuppertal, sowie der 3. Klasse der St. Antonius Grundschule, bringt Zech diese klassische Meisterwerk auf die Bühne des Wuppertaler Opernhauses.

    Veröffentlicht am 06.12.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer


    POLITIK KÖNNTE (MAN) TANZEN

    Reflektionen über die diesjährige Tanzplattform im PACT Zollverein in Essen
    Veröffentlicht am 18.03.2018, von Anna Wieczorek

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    ZIRZENSISCHE HOMMAGE AN PINA BAUSCH

    Adolphe Binder beweist in Wuppertal mit Dimitris Papaioannou einen guten Griff

    Veröffentlicht am 13.05.2018, von Marieluise Jeitschko


    DAS LEBEN ALS DAUERLAUF

    Die Tanzkompanie des Staatstheaters Braunschweig zeigt Guilherme Botelhos atemberaubendes Tanzstück „Sideways Rain“

    Veröffentlicht am 10.05.2018, von Andreas Berger


    IVÁN PÉREZ KOMMT NACH HEIDELBERG

    Der Choreograf Iván Pérez übernimmt ab der Spielzeit 2018/19 das Dance Theatre Heidelberg

    Veröffentlicht am 16.05.2018, von tanznetz.de Redaktion


    WUNDERVOLLES JETZT

    "After Trio A" von Andrea Božić und “The Dry Piece” von Keren Levi

    Veröffentlicht am 17.05.2018, von Natalie Broschat


    TANZ IM TREPPENHAUS

    Das Festival TanzArt ostwest 2018 in Gießen

    Veröffentlicht am 13.05.2018, von Dagmar Klein



    BEI UNS IM SHOP