HOMEPAGE



Regensburg

DIE FRAU MIT DEM VOGEL

„Sculpture in Motion“ von Thea Sosani im Historischen Museum Regensburg



Im Rahmen der Sommertanztage der Alten Mälzerei kreiert die Choreografin Thea Sosani eine Museumsführung der besonderen Art.


  • "Sculpture in Motion" von Thea Sosani; v.l.n.r. Natia Bunturi, Ana Hauck, Julia Koderer und Pasha Darouiche Foto © Michael Scheiner
  • "Sculpture in Motion" von Thea Sosani; v.l.n.r. Julia Koderer, Pasha Darouiche, Natia Bunturi und Ana Hauck Foto © Michael Scheiner
  • "Sculpture in Motion" von Thea Sosani; Natia Bunturi Foto © Michael Scheiner
  • "Sculpture in Motion" von Thea Sosani; Ana Hauck Foto © Michael Scheiner
  • "Sculpture in Motion" von Thea Sosani; v.l.n.r. Natia Bunturi, Julia Koderer, Ramona Reißaus, Pasha Darouiche und Ana Hauck Foto © Michael Scheiner
  • "Sculpture in Motion" von Thea Sosani; Ramona Reißaus und Julia Koderer Foto © Michael Scheiner

Es war ein wenig spektakulär und extravagant – die Tanzperformance „Sculpture in Motion“. Manchmal tauchte sie ab in eine somnambule Stimmung oder schrammte gnadenlos am Kitsch entlang, zum Beispiel wenn Ana Hauck hocherhobenen Hauptes über den Steinfußboden des Kirchenraums schritt und einen Papagei über ihrer feuerroten Perücke, wie eine Monstranz trug. Dann wusste man nicht genau, ob man lauthals loslachen oder sich doch wieder lieber aufs Gesamtbild konzentrieren sollte. Denn das enthielt immer auch etwas Erhabenes, kraftvoll Majestätisches, das die Albernheit des Plüschvogels weit in den Hintergrund rückte.

Mit ihrem neuen Projekt hat die Choreografin Thea Sosani eine aufregende Tanzerkundung geschaffen, die konzeptionell ein wenig an die getanzte Eröffnung der Elbphilharmonie von Sasha Waltz erinnerte. Bei den Sommertanztagen der Alten Mälzerei erlebte sie ihre Premiere im Historischen Museum. Mit den Tänzern des Sosani Tanztheaters, Musikern, Schauspielerin Ana Hauck und Gasttänzerin Natia Bunturi aus Georgien erfuhren die Zuschauer eine Museumsführung der besonderen Art. Ausgehend von der Eingangshalle, wo Ramona Reißaus und Julia Koderer den Treppenaufgang heruntertanzten, lockte Hauck das Publikum durch den imposanten Kreuzgang und Teile des ehemaligen Klosters bis in den Altarraum und schließlich den Hauptraum der unbestuhlten Minoritenkirche. Über die Steinfußböden, zwischen Säulen und steinernen Skulpturen bewegten sich die Tänzerinnen mit ihren steifen, raschelnden Röcken aus transparentem Kunststoff. Sie machen Halt, ein Metronom, Cello (Tina Molle) und eine Bratsche (Martina Spörl) brachten die zwischen Traum, geronnener Geschichte und Ermächtigungsvorstellungen oszillierende Szenerie klanglich in Schwingung. Eine an einer Säule festgekettete Tänzerin (Bunturi) befreite sich mithilfe des Vogels, bevor der kraftvollgeschmeidige Pasha Darouiche die wandernden Menschen in Empfang nahm. Zwischen den Bildern des Kulturpreisträgers Paul Schinner hindurch lockte er sie mit einem hinreißenden Solo über die Stufen hinunter in den weiträumigen Kirchenraum, wo sich nach und nach die anderen Tänzerinnen dazu gesellten.

Zu live gespielten Klängen von Heinz Grobmeier und Helmut C. Kaiser und Musik von Arvo Pärt entfalteten sie hier ein zeremonielles Szenario aus Bewegung, Tanz und Ritualen, die manchmal an Beschwörungen oder religiöse Riten erinnerten. In Soli, Duetten und Gruppentänzen entfaltete sich ein ermutigendes, mitreißendes energetisches Potenzial, das dem riesigen Raum eine ungewohnte Atmosphäre verlieh. „Der Vogel“, erklärte Thea Sosani anschließend in einem Gespräch, stehe für sie „für Weiblichkeit und Selbstermächtigung“. Inspiriert worden sei sie durch eine der historischen Königsfiguren mit einem Vogel. Vielleicht hätte sie statt des plappernden Papageis besser einen Falken, der zur mittelalterlichen Adelswelt passt, oder einen Raben genommen, um sich die nordisch-germanische Sagenwelt in femininer Sicht anzuverwandeln.

Veröffentlicht am 02.08.2017, von Michael Scheiner in Homepage, Gallery, Kritiken 2016/17

Dieser Artikel wurde 1199 mal angesehen.



Kommentare zu "Die Frau mit dem Vogel"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE KRITIKEN


    TRIEBFEDER ANGST

    Rubatos >flirren< in den Berliner Uferstudios
    Veröffentlicht am 18.11.2017, von Volkmar Draeger


    TOD – DER LIEBE BRUDER

    Zum neuen Tanzstück „Der Tod und das Mädchen“ von Stephan Thoss in Mannheim
    Veröffentlicht am 18.11.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    TANZTHEATERERLEBNIS FÜR DIE KLEINSTEN

    „Der Elefant aus dem Ei“ von Ceren Oran
    Veröffentlicht am 18.11.2017, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    YOU WILL BE REMOVED

    Ein Tanztheater von Johannes Wieland - Wiederaufnahme am 10. Oktober 2017 am Staatstheater Kassel

    In „you will be removed“ beschäftigt sich Tanzdirektor des Staatstheaters Kassel Johannes Wieland mit dem Thema der Flucht – in all seinen Facetten und Erscheinungen und den Folgen...

    Veröffentlicht am 05.09.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    VERBOTEN, VERSCHOBEN, VERGESSEN?

    Zur Absage der Uraufführung „Nurejew“ des Regisseurs Kirill Serebrennikow und des Choreografen Juri Possochow am Moskauer Bolschoi-Theater
    Veröffentlicht am 18.07.2017, von Boris Michael Gruhl

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    JÖRG WEINÖHL VERLÄSST DIE OPER GRAZ

    Der Ballettdirektor wird seinen Vertrag nicht verlängern

    Veröffentlicht am 13.11.2017, von Pressetext


    DER SCHÖNE SCHEIN

    Die Uraufführung des Balletts „Die Kameliendame“ von Ralf Rossa an der Oper in Halle

    Veröffentlicht am 14.11.2017, von Boris Michael Gruhl


    AUGE IN AUGE MIT DEN MONSTERN

    Helena Botto zeigt in der Hebelhalle Heidelberg ihr neues Stück „Monstrator“

    Veröffentlicht am 13.11.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    "THE REVISED AND UPDATED BREMEN STRUCTURES"

    Emanuel Gats neue Choreografie in Bremen

    Artikel aus Südkurier vom 17.01.2011


    OLDENBURG LÄSST DIE PUPPEN TANZEN

    „Drei Generationen“ bei der BallettCompagnie Oldenburg

    Veröffentlicht am 16.11.2017, von Martina Burandt



    BEI UNS IM SHOP