HOMEPAGE



Cottbus

MENSCHENSKINDER!

Der Ballettabend von Birgit Scherzer und Nils Christe begeistert in Cottbus



Erneut ist ist es Dirk Neumann, Ballettmeister und Leiter der kleinen um Gäste ergänzten Kompanie mit zwölf Tänzerinnen und Tänzern gelungen, vor begeistertem Publikum einen grandiosen Abend auf die Bühne zu bringen.


  • MENSCHENSKINDER Szenenfoto aus „Keith“ mit (v.l.n.r.) Alexander Teutscher und Jhonatan Arias Gomez Foto © Marlies Kross
  • MENSCHENSKINDER Szenenfoto aus „Keith“ mit Alexander Teutscher und Jhonatan Arias Gomez Foto © Marlies Kross
  • MENSCHENSKINDER Szenenfoto aus „Keith“ Foto © Marlies Kross
  • MENSCHENSKINDER - Szenenfoto aus „Keith“ mit Jhonatan Arias Gomez und Alexander Teutscher Foto © Marlies Kross
  • Szenenfoto aus „Anywhereme“ mit Inmaculada Marín Lopéz und Stefan Kulhawec Foto © Marlies Kross

„Menschenskinder“ heißt der neue Ballettabend am Staatstheater Cottbus und „Menschenskinder“ möchte man begeistert ausrufen. Erneut ist ist es Dirk Neumann, Ballettmeister und Leiter der kleinen um Gäste ergänzten Kompanie mit zwölf Tänzerinnen und Tänzern gelungen, vor begeistertem Publikum einen grandiosen Abend auf die Bühne zu bringen.

Und wieder, wie bereits im auch überregional mit großer Zustimmung aufgenommenen Programm „Im Fluss der Zeit“ mit Choreografien von Uwe Scholz und Nils Christe bringt dieser Abend lebendige Erinnerungen mit den beiden neu bearbeiteten Kreationen von Birgit Scherzer, 1988 und 1991 für das damalge Tanztheater der Komischen Oper in Berlin entstanden, in einen spannenden tänzerischen Dialog mit einer aktuellen Arbeit von Nils Christe, die 2015 von der Niederländischen Komanie Introdans uraufgeführt wurde.

„Anywhereme“ zur Musik von Portishead und Toni Gatlif von Birgit Scherzer eröffnet den Abend. Dieser von der Choreografin selbst in Cottbus einstudierte Teil ihres Abends „Frauen, Männer, Paare“ gibt auch den Titel vor, denn es sind eben jene Menschenkinder auf der Suche nach sich selbst, nach dem Partner, nach der Partnerin, auch auf der Flucht in die Einsamkeit in jenem Tanz des Lebens, der nicht endet und nie frei sein kann von Glück und Unglück, Gewinn und Verlust, vor allem aber von Zufall und Humor.

Der Tanz, besser das Ballett, mit seiner Vielfalt an Techniken des körperlichen Ausdrucks im Dialog mit der Musik, mit dem Raum, mit den Assoziationen der Signale wortloser Körpersprache erweist sich als genau jene Kunst, immer wieder in den aufblitzenden Momenten dieser kurzen Szenen, Alltagserfahrungen in Momente der Kunst zu überführen ohen dem Fehler zu verfallen, den Alltag auf die Bühne zu bringen.

„Keith“ heißt der zweite Teil des Abends, ebenfalls von Birgit Scherzer, zu einem Teil des legendären „Köln Concert“ des Pianisten Keith Jarrett. Jetzt gehört die Bühne den Männern. Jhonathan Aria Gomez, Julian Bockamp, Mikael Champs, René Klötzer, Stefan Kulhavec und Alexander Teutscher in irren Sprungvarianten und Drehungen, und dann im jähen Wechsel, wie im raffinierten Filmschnitt, nachdenkliche Adagiomomente. Und dies allein, im konkurriernden oder sich annäherndem Duo, in der Gruppe, wenn sich die mitunter wie im Überschaum des Kräftemessens aufgedrehten Typen „zusammetanzen“ müssen, das gilt für den sprimgenden Scherzbolzen ebenso wie für den einsamen Melancholiker.

Am Ende, wenn die Tänzerin Inmaculada Marín Lopéz auf halsbrecherisch hohen Highheels mit wilder Mähne in majestätischem Stolz an den verblüfften Tänzern vorbei schreitet, dann hat man den Eindruck, die so herrlich verblüfften Kerle denken alle nur Eines: „Menschenskinder“!

Schon von der Musik her setzt Nils Christe mit seiner Choreografie „Cantus“ auf der Bühne von Thomas Rupert in den Kostümen von Annegien Sneep ganz andere Akzente, die sich aber am Ende verblüffend durch sensible Angebote von Assoziationen zu den beiden ersten Teilen fügen.

Jetzt kommen in der gesehenen Aufführung die Tänzerinnen Andrea Masotti, Venira Wlijan, Gemma Pearce und Lindy Bremer hinzu. Nils Christe nimmt in seiner Kreation den spirituellen und meditativen Charkter der Komposition von Arvo Pärt, die er 1977 als Hommage auf den ein Jahr zuvor verstobenen Komponsiten Benjamin Britten schrieb, auf. Christe findet starke Bilder für die Momente des Werdens und des Vergehens, für Aufbruch und Abschied, für die Kraft des Dialogs zwischen Leben und Tod. Dabei mangelt es nicht an tänzerischer Brillanz, an kraftvollen Momenten beziehungsreicher Situationen ohne aber Handlungen im eigentlichen Sinne zu inszenieren. So wie Pärts Musik für Streicher und Glocken ihre Kraft aus den Klängen der Stille bezieht, so die Choreografie von Nils Christe daraus, dass er dazu getanzte Momente von suggestiver Kraft zu gestalten vermag, denen die Tänzerinnen und Tänzer durch die jeweils sehr persönliche, individuelle Präsenz so bewegten wie vor allem zutiefst bewegenden Ausdruck zu geben vermögen.

Weitere Aufführungen: 31.10., 25.11. 2017; 17.02., 16.03., 01.04., 18.04., 27.05. 2018
Informationen: www.staatstheater-cottbus.de

Veröffentlicht am 11.10.2017, von Boris Michael Gruhl in Homepage, Gallery, Kritiken 2017/18

Dieser Artikel wurde 284 mal angesehen.



Kommentare zu "Menschenskinder!"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE NEWS


    ED WUBBE BEKOMMT DEN "GOLDEN SWAN"

    Der künstlerische Leiter des Scapino Ballet wurde mit dem niederländischen Tanzpreis ausgezeichnet
    Veröffentlicht am 17.10.2017, von tanznetz.de Redaktion


    KREATIVER UND INNOVATIVER UMSCHLAGPLATZ

    Neuer künstlerischer Leiter im Tanz am Theater und Orchester Heidelberg
    Veröffentlicht am 09.10.2017, von Pressetext


    SCHUHWERK FÜR TÄNZER

    James Dyson Award für neuartigen Ballett-Spitzenschuh
    Veröffentlicht am 09.10.2017, von Pressetext



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    „CHARLOTTE SALOMON – DER TOD UND DIE MALERIN“

    Ballett mit Gesang von Ballett mit Gesang von Bridget Breiner und Michelle Di Bucci am Musiktheater im Revier

    „Heben Sie das gut auf, es ist mein ganzes Leben“.

    Veröffentlicht am 31.08.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    VERBOTEN, VERSCHOBEN, VERGESSEN?

    Zur Absage der Uraufführung „Nurejew“ des Regisseurs Kirill Serebrennikow und des Choreografen Juri Possochow am Moskauer Bolschoi-Theater
    Veröffentlicht am 18.07.2017, von Boris Michael Gruhl

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    SCHUHWERK FÜR TÄNZER

    James Dyson Award für neuartigen Ballett-Spitzenschuh

    Veröffentlicht am 09.10.2017, von Pressetext


    GEWAGT UND GEWONNEN

    Christian Spucks phantastischer „Nussknacker und Mausekönig“ mit dem Ballett Zürich

    Veröffentlicht am 15.10.2017, von Marlies Strech


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    BRÜCHE, AUS DENEN STÄRKE ERWÄCHST

    Sidi Larbi Cherkaoui und seine Kompanie Eastman eröffnen mit „Fractus V“ die Spielzeit 2017/18 in der Kampnagelfabrik

    Veröffentlicht am 15.10.2017, von Annette Bopp


    KONZERT MIT BILDERN

    Für das Musiktheater Linz choreografiert Mei Hong Lin „Music for a while“

    Veröffentlicht am 15.10.2017, von Andrea Amort



    BEI UNS IM SHOP