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Berlin

„ZWISCHENWELTEN“

Crowdfunding-Produktion von Katharina Wunderlich in der „Weißen Rose“ in Berlin



Der Anfang hat fast schon etwas Beschwörendes. Noch bevor die Aufführung in der „Weißen Rose“ beginnt, liegt Katharina Wunderlich bewegungslos auf dem Boden, die Arme ausgebreitet.


  • Zwischenwelten Foto © Kent Krusig
  • Zwischenwelten Foto © Aidan Jara
  • Zwischenwelten Foto © Aidan Jara
  • Zwischenwelten Foto © Aidan
  • "Zwischenwelten" Foto © Yvonne de Andrés
  • "Zwischenwelten" Foto © Yvonne de Andrés
  • "Zwischenwelten" Foto © Yvonne de Andrés
  • "Zwischenwelten" Foto © Yvonne de Andrés

Der Anfang hat fast schon etwas Beschwörendes. Noch bevor die Aufführung in der „Weißen Rose“ beginnt, liegt Katharina Wunderlich bewegungslos auf dem Boden, die Arme ausgebreitet. Bewegung signalisiert stattdessen erst einmal eine Video-Einblendung von Aidan Jara, vielfältige Formen faltend. Natürlich denkt man da da unwillkürlich an einen Rorschach-Test – was gar nicht so abwegig scheint, als „ZwischenWelten“ erklärtermaßen von Persönlichkeitsstrukturen handelt, vor allem aber von Grenzerfahrungen zwischen Wachen und Träumen, Pflichtbewusstsein und Neigung.

Katharina Wunderlich hat viel mit Stephan Thoss in Kiel und Hannover gearbeitet, bevor sie in der freien Szene ihren Platz gefunden hat – was insofern wenig überrascht, als Katherina Wunderlich an der Staatlichen Ballettschule Berlin in Tami Ben-Ami eine Pädagogin besaß, die das improvisatorische Talent der kleinen Berlinerin nicht bloß erspürte. Sie bewahrte es auch in seiner Eigenständigkeit, von der letztlich auch ein choreografisches Poem wie „ZwischenWelten“ profitiert. Denn sobald sich Katharina Wunderlich aus ihrer Versenkung erhebt, sobald sie sich ihrem Publikum „stellt“, scheint der Tanz aus seiner vorgeprägten Form auszubrechen und sich von selbst gestalten zu wollen. Manchmal ist Katharina Wunderlich eine Marionette ihrer selbst. Gelegentlich greift sie nach einem unsichtbaren Ball. Immer aber sind es ihre faszinierenden Finger, die sich in einer fragmentierten Bewegung wiederholt aufspreizen, als handelte sich dabei um eine weiter entwickelte Form von Daumenkino.

Dabei bleibt die Dynamik stets erhalten, selbst wenn der Tanz einmal ins Stocken gerät. Im Zusammenspiel von Tanz, Text, Musik und Bild zeichnen sich – hin- und hergerissen zwischen Mikro- und Makrokosmos – immer wieder „ZwischenWelten“ ab, die sich allerdings nicht wirklich fassen lassen: Gedankenspiele, Gefühlszustände, Assoziationen, die sich kurzfristig zu konkretisieren scheinen, sobald sich Katharina Wunderlich in eine Plastikplane packt. Sie können aber auch im nächsten Atemzug wie längst Vergessenes wieder zu Staub zerfallen, den sich die Tänzerin von den Fingern bläst.

Am Schluss hält Katharina Wunderlich zwar nicht den Stein des Weisen in ihren Händen. Doch am Ende darf sich jeder Zuschauer einen kleinen Kiesel mitnehmen – sozusagen in Erinnerung an einen bildhaft-bedenkenswerten Abend, den Katharina Wunderlich (Tanz), Aidan Jara (Video) und Caroline Wunderlich (Musik) gemeinsam verantworten. Die Crowdfunding-Produktion speist sich sicher auch aus dem kollektiven Wissen aller Beteiligten, und das spürt man bei dem Solo, das auf bewegende, wenn nicht sogar beschwörende Weise die „ZwischenRäume“ des Allzu-Menschlichen erforscht.

www.katharinawunderlich.de

Veröffentlicht am 25.10.2017, von Hartmut Regitz in Homepage, Kritiken 2017/18

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Kommentare zu "„ZwischenWelten“ "



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