KRITIKEN 2017/18



Unterhaching

VIELSEITIGES KÖNNEN

Das „Bottaini Merlo International Center of Arts“ in München zeigte seine jährliche Gala im KUBIZ Unterhaching



Gemeinsam mit Lisa-Maree Cullum präsentierte Alen Bottaini ein anspruchsvolles Gala-Programm seiner privaten Ballettakademie mit zahlreichen Stargästen.


  • „Bottaini Merlo International Center of Arts“- Gala 2018 Foto © Posterino & Company
  • „Bottaini Merlo International Center of Arts“- Gala 2018 Foto © Posterino & Company
  • „Bottaini Merlo International Center of Arts“- Gala 2018 Foto © Posterino & Company
  • „Bottaini Merlo International Center of Arts“- Gala 2018 Foto © Posterino & Company
  • „Bottaini Merlo International Center of Arts“- Gala 2018 Foto © Posterino & Company

Alen Bottaini, als Kammertänzer und ehemaliger Erster Solist des Bayerischen Staatsballetts in großartiger Erinnerung, gründete 2014 gemeinsam mit Monica Merlo das „Bottaini Merlo International Center of Arts“ (BMICA). Neben einer Vielfalt von Disziplinen sowohl für Kinder als auch für passionierte Laien wird dort eine komplette professionelle Tanzausbildung geboten. Im KUBIZ von Unterhaching bei München fand nun die dritte BMICA-Gala statt, in der die angehenden Profis ihr Können beweisen und die Bühne mit gestandenen TänzerInnen teilen konnten. Solche Auftritte vor einem dank eingeladener Stars besonders zahlreichen Publikum sind für den Nachwuchs eine gute Erfahrung, und eine private Ballettakademie kann vom Gelingen ihrer Gala ausgehen, wenn dabei die Ausbildung ihrer StudentInnen beeindruckt.

Am Anfang standen Auszüge aus August Bournonvilles Schlüsselwerk „La Sylphide“ mit der charakteristischen Fußschnelligkeit der Dänischen Schule. 14 Sylphiden umgaben das romantische Paar mit erstaunlicher Reife und gediegener Ruhe, zwei von ihnen steuerten lyrische und verspielte Variationen bei, und in der Titelrolle entfaltete Rina Murata den Zauber der Verliebtheit mit Fabio Sonzogni, der als James seine Sprungvariationen recht ansehnlich schaffte. Alle hielten synchron die Spannung und boten eine geschlossene Ensembleleistung. Darauf folgte Edmondo Tuccis „Too Much“, ein an die Tanzsprache Russell Maliphants erinnerndes, spannungsvolles Duett mit Hebungen, Würfen, Schleuderfiguren und Umkreisungen, bei dem Anna Chiara Amirante und Alessandro Staiano vom Teatro di San Carlo kontinuierlich ihre Selbstbehauptung und den kämpferischen Bezug zum Partner ausdrückten. Als weitere Stargäste zeigten Alice Mariani und Gareth Haw vom Ballett der Dresdner Semperoper die hohe Qualität des klassischen Tanzes im „Nussknacker“-Pas de deux, mit der souveränen Führung der Partnerin dank Spannung, Dynamik und Ausdruck auch jeder größeren Gala würdig. Acht Studentinnen tanzten das moderne „Breathing Spaces“ von Gaetano Posterino, der öfters für die BMICA choreografiert. Sie füllten mit ihrer Bewegungsqualität und ihrem Gefühl für den Raum diesen mit Energie. Danach schlossen Filipa de Castro (National Ballet of Portugal) und Alejandro Virelles vom Bayerischen Staatsballett die erste Hälfte mit ihrem „Le Corsaire“-Pas de deux, nach tänzerisch verhaltenem Beginn am Ende mit imponierender Virtuosität.

Wie schon in „La Sylphide“ überzeugte der Auszug aus Petipas „Paquita“ von der guten Ausbildung an der BMICA-Akademie, weil auch hier schöne Ensemblebilder gelangen, als bis zu 14 Studentinnen das Hauptpaar in einem Kreis oder in Reihen umgaben. Im Zentrum bewiesen Miyu Sato und Alejandro Virelles mit schöner spanischer Attitüde solistisches Potenzial, sie auch mit sicheren Fouettès, er mit guten Pirouetten und eleganter Manege. Auf halbsolistischer Ebene tanzten je zwei Studentinnen mit eindrucksvoller Exaktheit auch bei hohen Ecartés. Dann gab Vasco Wellenkamps „Lento for String Quartett“ mit expressiven Posen und Counterbalancen, die sensibel aus der Partnerschaft von Frau und Mann entwickelt sind, Filipa de Castro und Carlos Pinellos (National Ballet of Portugal) die Gelegenheit, zwischen einfachem Rollen am Boden und wirbelnden Drehungen jedes Tempo zu entfalten, geheimnisvoll, doch in der Aussage stark.

Anschließend glänzten erneut Alice Mariani und Gareth Haw aus Dresden mit einem Ausschnitt aus „In the Middle, Somewhat Elevated“ von William Forsythe. Die extremen Extensionen und abrupten Wechsel in dessen Klassik-Dekonstruktion zum Sound von Thom Willems nun in München wieder zu sehen, war ein Genuss. Nach einem solchen tänzerischen Höhepunkt konnte Gaetano Posterinos „Bach For One“, eine Reminiszenz an „Artifact II“, von Fabio Sonzogni getanzt, nur wie eine ferne Nachempfindung wirken, ließ aber den Mut erkennen, mit dem auch die Technik von Forsythe, in dessen Stücken ja Lisa-Maree Cullum und Alen Bottaini oft gemeinsam geglänzt hatten, an der BMICA-Akademie gelehrt werden. Aufgrund einer Verletzung seiner Partnerin tanzte Alessandro Stoiano als bejubelten Abschluss Petipas „Actaeon“ ohne Diana.

Veröffentlicht am 22.01.2018, von Karl-Peter Fürst in Kritiken 2017/18

Dieser Artikel wurde 1554 mal angesehen.



Kommentare zu "Vielseitiges Können"



    • Kommentar am 15.02.2018 22:22 von Sabine Winkler
      Gut beobachteter Abend. Aber lieber Herr Fürst: Bei "Bach for One" habe ich mich weder an Forsythe (Artefact) noch an Tomb Raider (Artifact II) erinnert gefühlt.

Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




Ähnliche Beiträge

BALLETT-GALA IN GELSENKIRCHEN

Musiktheater im Revier lädt die Crème de la Crème der internationalen Ballettszene nach Gelsenkirchen

Iana Salenko, Eric Gauthier, Alen Bottaini und Harald Schmidt sind am 27. April Gäste des Musiktheater im Revier

Veröffentlicht am 17.03.2013, von Pressetext


 

LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


KINSUN CHAN WIRD TANZCHEF IN ST. GALLEN

Der Schweiz-Kanadier übernimmt auf die Spielzeit 2019/2020 die Nachfolge von Beate Vollack
Veröffentlicht am 24.05.2018, von Pressetext


GALA WIEDER EIN RAUSCHENDES TANZFEST

TanzArt ostwest in Gießen
Veröffentlicht am 22.05.2018, von Dagmar Klein


SOMMERNACHTSTRÄUME IN DER KIRCHE?

Mit dem Ballett der Theater Plauen-Zwickau geht das wunderbar.
Veröffentlicht am 22.05.2018, von Boris Michael Gruhl



AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



FAUST II – ERLÖSUNG

Wiederaufnahme von Xin Peng Wangs Ballett FAUST II – ERLÖSUNG am Samstag, 26. Mai 2018, im Opernhaus Dortmund

Wang hatte als erster Choreograf weltweit sich „Der Tragödie zweiter Teil“ angenommen. Wie in der Uraufführung werden die weltberühmten Tänzer Lucia Lacarra und Marlon Dino wieder in Dortmund zu sehen sein.

Veröffentlicht am 09.05.2018, von Anzeige

LETZTE KOMMENTARE


EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

„Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


MOSAIK DER BEWEGUNG

Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer


POLITIK KÖNNTE (MAN) TANZEN

Reflektionen über die diesjährige Tanzplattform im PACT Zollverein in Essen
Veröffentlicht am 18.03.2018, von Anna Wieczorek

MEISTGELESEN (30 TAGE)


KREATIVE ERFAHRUNGEN FÜR DEN NACHWUCHS

Matinee der Heinz-Bosl-Stiftung im Münchner Nationaltheater

Veröffentlicht am 24.04.2018, von Karl-Peter Fürst


STADTTHEATER MEETS FREIE SZENE

Ben J. Riepe choreografiert für das Ballett am Rhein

Veröffentlicht am 29.04.2018, von Marieluise Jeitschko


ZUM DRITTEN MAL: DIE WELT ZU GAST IN MÜNCHEN

Munich International Ballet School Gala

Veröffentlicht am 01.05.2018, von Karl-Peter Fürst


DIE STIMME DER NATUR

Jörg Weinöhls letzte Produktion in Graz: „Sommernacht, geträumt“

Veröffentlicht am 07.05.2018, von Gastbeitrag


ZIRZENSISCHE HOMMAGE AN PINA BAUSCH

Adolphe Binder beweist in Wuppertal mit Dimitris Papaioannou einen guten Griff

Veröffentlicht am 13.05.2018, von Marieluise Jeitschko



BEI UNS IM SHOP