Don Quixote, die letzte Vorstellung dieser Serie, 21.01.2018 

Ralf Reck, 22.01.2018 00:14:15

Es war sehr schwer, für heute Abend überhaupt noch Karten zu bekommen. Alle Don Quixote-Vorstellungen waren schon seit langem ausverkauft, wie auch sonst die Ballettvorstellungen seit Dezember. Während man sonst immer noch einige Tage vor der Aufführung vom Abonnentenrücklauf profitieren konnte, waren jetzt alle Karten, die über die Homepage der Staatsoper angezeigt wurden, wenige Minuten bis Stunden später wieder verkauft. So ging es mir mit der Vorstellung am letzten Sonntag. Zufällig schaute ich an diesem Donnerstag noch im Internet nach, als kurz vorher für die beiden Vorstellungen an diesem Sonntag jeweils etwa 20 Karten, fast nur Seitenplätze im Parkett, in den Verkauf gelangten. Offenbar handelte es sich um intern zurückgehaltene und schließlich frei gegebene Plätze. So sahen an diesem Sonntag in zwei ausverkauften Vorstellungen mit Preisen von bis zu mehr als 100 Euro knapp 3.400 Personen „Don Quixote“, in der Nachmittagsvorstellung mit Mayo Arii sowie Christopher Evans als Kitri und Basil, in der von uns besuchten Abendvorstellung erneut Madoka Sugai und Alexandr Trusch. Was war das wieder für eine glanzvolle Vorstellung, mit diesem technisch-tänzerischen und darstellerischen Traumpaar. Eine Nachbarin meinte, von Ballett verstehe sie ja nicht viel, das sei ihr aber auch aufgefallen, die Tänzerin der Kitri sei eine Klasse für sich gewesen. Auch das Ensemble tanzte in Hochform, mit vielen neuen Besetzungen wie Lucia Rios und Matias Oberlin als Straßentänzerin und Espada, Nako Hiraki und Xue Lin als Freundinnen Kitris, David Rodriguez als Zigeuner, Yun-Su Park als Königin der Dryaden sowie Mayo Arii als Amor. Anders als bei den typischen, mehr die seelische Tiefe auslotenden Balletten Neumeiers, bei denen jede Umbesetzung neue Einsichten in das Ballett bringt, spielt bei der eher vordergründigen, technisch-tänzerisch aber höchst anspruchsvollen Nurejew/Petipa-Choreographie die Besetzung schon eine wichtige Rolle. Insoweit steht hier auch der Show-Charakter stärker im Vordergrund. Immer möchte man das nicht haben, aber zwischen Neumeiers seelischen Tiefgängen ist solch eine Höchstleistungsvorstellung, zumal mit dem Traumpaar Sugai/Trusch, wie eine schöne Zwischenspeise, ähnlich dem ab und an in Menues gereichten Sorbets zwischen Fisch- und Fleischgang. Herzlicher, mit Jubel untermischter, aber zeitlich nicht so wie nach Neumeiers Balletten ausufernder Beifall, Blumen für Madoka Sugai, Lucia Rios und, wenn ich mich nicht irre, für Nako Hiraki.


 

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