Onegin (Cranco), Staatsballett Berlin, 25.02.2017 #

Ralf Reck, 26.02.2017 01:47:16

Nach den nicht so herausragenden Vorbesprechungen war ich doch überrascht, wie gut der erste Akt gelang. Vor allem die beiden Schwestern (Tatjana: Iana Salenko, Olga: Ksenia Ovsyanick) überzeugten. Im Zweiten Akt traten allerdings deutlicher Schwächen zu Tage. Vor allem Dinu Tamazlacaru gewann der Rolle des Lenski in meinen Augen nicht die nötige seelische Tiefe ab. Tanz und Darstellung entsprangen nicht dem inneren Erleben, sondern blieben vordergündig theatralisch, auch noch im Solo vor dem Duell. Dabei handelt das Ballett Onegin nicht nur von verschmähter Liebe, sondern auch von einer zerbrechenden Freundschaft. Der Tänzer des Lenski müsste in der Ballszene herausarbeiten, dass es nicht allein die Tändelei Olgas ist, die ihn befremdet, sondern dass er sich von dem ihm in vielerlei Hinsicht überlegenen Onegin verraten fühlt (wenngleich von diesem nicht bösartig gemeint). Iana Salenko tanzte auch im dritten Akt ausgezeichnet, wenngleich auch sie es nicht auszudrücken vermochte, warum sie sich bei (dem sie, nicht nur symbolisch, „auf Händen tragenden“) Gremin nicht besser aufgehoben fühlt (Pas de deux beim einleitenden Ball im dritten Akt). Allerdings blieb Nikolay Korypaev in der kurzen, aber für das Verständnis so wichtigen Szene auch etwas blass. Wenn man nicht wüsste, dass es auch anders geht, wäre Marian Walter in der gestrigen Abendvorstellung lobenswert gewesen. Warum er aber den ihm unterlegenen Lenski so in die Verzweiflung treibt und was er schließlich noch an Tatjana findet (er bedrängt immerhin eine verheiratete Frau), erschließt sich bei Marian Walter leider nicht. Hier müsste der Tänzer des Onegin schon seine Seele entblößen, um in dieser Schlussszene wirklich glaubhaft zu sein. Alles in allem war es aber ein schöner tänzerischer Abend, der Beifall war jubelnd, für die beiden Paare gab es Blumen.
Re: Onegin (Cranco), Staatsballett Berlin, 25.02.2017 #

Traviata, 26.02.2017 20:18:58

Ralf Reck wrote:
... Dinu Tamazlacaru gewann der Rolle des Lenski in meinen Augen nicht die nötige seelische Tiefe ab. ... Dabei handelt das Ballett Onegin nicht nur von verschmähter Liebe, sondern auch von einer zerbrechenden Freundschaft. Der Tänzer des Lenski müsste in der Ballszene herausarbeiten, dass es nicht allein die Tändelei Olgas ist, die ihn befremdet, sondern dass er sich von dem ihm in vielerlei Hinsicht überlegenen Onegin verraten fühlt (wenngleich von diesem nicht bösartig gemeint).

Ja, die Zeiten, als Vladimir Malakhov den Lenski tanzte, die sind leider vorbei. Das war ein Lenski, bei dem einem das Herz aufging . . . tempi passati.
Ich habe Dinus Entwicklung als Lenski in den letzten Jahren verfolgt - ich denke, dass ich keine Vorstellung versäumt habe!
Er hat dazu gewonnen, am Anfang war es lediglich brillanter Tanz, jetzt aber kommt doch ein "Lenski" zum Vorschein, vielleicht bedingt durch ein gewisses "Reiferwerden" von Dinu (der wird ja schließlich auch nicht jünger!).
Ich habe beide Vorstellungen (am 18. und am 25. Februar) aus der ersten Reihe genossen, und ich kann nur sagen, dass es am 25. wirklich schöner und "seelenvoller" war. Alle Protagonisten waren lockerer und freier - kein Wunder, die beiden -Marian und Iana- hatten ja ihr Rollendebut am 18. Februar.
In welcher Weise aber - das muss ich hier doch fragen - sollte Onegin dem Lenski "überlegen" sein? Was meinst du damit?
Das gibt die Choreographie überhaupt nicht her, und wenn wir hier unsere eigene Phantasie einschalten, dann sollten wir uns immerhin an Pushkins Roman halten. Dort findet man derlei nicht.
Ralf Reck wrote:
Iana Salenko tanzte auch im dritten Akt ausgezeichnet, ...
Ja. Iana tanzt eigentlich immer ausgezeichnet!
Aber eine Tatjana ist sie nicht und wird es wohl auch nie - diese Ausstrahlung geht ihr ab. Sicher, eine Nadja Saidakova in dieser Rolle ist eben nicht zu toppen!

.
. . . quanto piace al mondo è breve sogno.
(Francesco Petrarca)
Re: Onegin (Cranco), Staatsballett Berlin, 25.02.2017 #

ELGEBE, 26.02.2017 23:04:37

Mit Freude beobachte ich die allgemeine Zurückhaltung in Puncto Mobbing und gehe in dieser Ansicht "Sicher, eine Nadja Saidakova in dieser Rolle ist eben nicht zu toppen!" absolut d`accord.
Re: Onegin (Cranco), Staatsballett Berlin, 25.02.2017 #

Traviata, 26.02.2017 23:13:32

Mobbing?

?(

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