Die Möwe (Neumeier), Hamburg Ballett, Wiederaufnahme am 26.02.2017 #

Ralf Reck, 26.02.2017 23:15:11

Was war das für ein großartiges Ensemble. Zehn tragende Rollen waren in diesem dem Tschechow’schen Theaterstück angelehnten Ballett zu besetzen. Die Handlung spielt auf einem russischen Landgut (1. Akt und Ende des 2. Aktes) sowie in zwei Theatern (der größere Teil des 2. Aktes). Es geht um Liebe, fast wie im Sommernachtstraum (A liebt B, B liebt C usw.), nur hier viel trauriger. Konstantin (Marc Jubete), der Sohn der Tänzerin Irina Arkadina (Anna Laudere) trifft sich mit dem jungen Mädchen Nina (Emilie Mazon), Nina wendet sich von ihm ab und dem Liebhaber Irinas zu, dem Choreographen Trigorin (Dario Franconi). Trigorin zieht mit Nina nach Moskau, verlässt sie aber. Nina kehrt auf das Landgut zurück, erreicht Konstantins Seele aber nicht mehr, die sich mittlerweile verfinstert hat. Konstantin zieht sich in das Nichts zurück. Das vergebliche Begehren ist auch anderweitig spürbar. Die Gutsverwaltersfrau Polina (Leslie Heylmann) begehrt den Dorfarzt (Lizhong Wang), ihre Tochter Mascha (Carolina Agüero) Konstantin und der Dorflehrer Medwedenko (Thomas Stuhrmann) Mascha. Nur Irinas Bruder Sorin (Lloyd Riggins) und der Gutsverwalter (Graeme Fuhrmann) sind nicht in das Liebeskarussell eingebunden.

Tanzartistische Darbietungen fehlen weitgehend, abgesehen von den Theaterszenen im 2. Akt, dafür gibt es zahlreiche berührende, die Liebeskonflikte auslotende Pas de deux. So mit Mutter und Sohn im ersten Akt, die sich um Verständnis bemühen, es aber nicht schaffen, oder mit Nina und Konstantin, eingangs noch im Hochgefühl der immerwährenden Liebe, am Ende nur noch als Abgesang auf ein verfließendes Leben. Marc Jubete war ein hervorragender Konstantin, ebenso Emilie Mazon als Nina, die hier zum ersten Mal eine tragende, originale Neumeierpartie interpretierte. Besonders überraschte mich die sonst immer so strahlende Leslie Heylmann, die hier als verhärmte, in sich gekehrte Polina ihrem ehelichen Unglück und ihrer trostlosen Liebe zum Dorfarzt großen Ausdruck verlieh. Dieses ist wieder ein Stück, welches man sich mehrfach ansehen kann, auch in der alternativen Besetzung (Silvia Azzoni als Irina, Christopher Evans als Konstantin und Karen Azatyan als Trigorin u.a., bis auf die Rolle des Gutsverwalters werden auch alle anderen Rollen neu besetzt sein). Großer und langer Schlussbeifall, Blumen für Anna Laudere und großer Jubel für John Neumeier, der zusammen mit seinen Tänzerinnen und Tänzern den Applaus bei dieser Wiederaufnahme entgegennahm.



 

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