Peer Gynt (Neumeier), Hamburg Ballett, 07.05.2017 #

Ralf Reck, 07.05.2017 00:45:01

Dieses Entwicklungssdrama ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Sympatisch ist Peer nicht, der Ingrid vergewaltigt, Solveig verlässt und die Mutter vergisst; er ist im gewissen Sinne ein Großkotz, der schließlich mit dem Irrenhaus Bekanntschaft macht und nach einem Schiffsunglück zur Besinnung kommt. Viel bleibt ihm aber nicht. Die Mutter ist tot, auch Ingrid wird beerdigt, die ihn inniglich liebende Solveig ist blind geworden. Peer hat am Ende alles verloren, was er glaubte, gewonnen zu haben. Nur die treue Liebe seiner Solveig rettet ihn vor der Hölle. Carsten Jung tanzte de Peer, Anna Laudere seine Mutter Aase, Emilie Mazon die Solveig und Carolina Agüero die Ingrid. Neumeier gesellte dem Peer verschiedene Aspekte seiner Persönlichkeit zu: Die Unschuld (Aleix Martinez), die Vision (Alexandre Riabko), die Aggression (Karen Azatyan) und den Zweifel (Marc Jubete). Im Gedächtnis blieben Martinez als kindlich-neckischer Knabe und Azatyan als Sklavenhändler (Peers aggressiver Aspekt). Carsten Jung war als Peer sehr gut, aber eigentlich für die Rolle des jugendlich-naiv aufstrebenden Draufgängers bereits zu alt. Das traf insbesondere auf die ersten beiden Akte zu. Emilie Mazon gab der Rolle der unschuldigen, fast gläubig der Liebe vertrauenden Solveig große Ausdruckskraft, viel stärker als es zuletzt Alina Cojocaru vermochte, ungeachtet der technischen Perfektion letzterer. Weitere Rollen wurden ausgezeichnet von Ivan Urban und Patricia Friza (Solveigs Eltern) sowie von Konstantin Tselikov (Mads Moen) getanzt. Der dritte Akt ging mehr in die Tiefe, hier konnte Carsten Jung mit einer sensiblen Darstellung überzeugen. Rein tänzerisch stand natürlich das Jedermann-Ensemble im Vordergrund, bei dem gut 30 Tänzer (Peer und seine Aspekte, alle Herren des Ensembles und Schüler der Ballettschule) in grauen Anzügen mit eckig-zackigen Bewegungen beginnend sich furios in einen Ensembletanz steigerten. Langer herzlicher Beifall, besonders für Carsten Jung und Emilie Mazon. Die Musik stammte von Alfred Schnittke, dirigiert hat Markus Lehtinen.



 

LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


STAATSBALLETT BERLIN: PROGRAMM DER SAISON 2017/2018

Am heutigen Montagvormittag veröffentlicht das Staatsballett Berlin seine vollständigen Pläne für die Spielzeit 2017/2018.
Veröffentlicht am 29.06.2017, von Anzeige


DER CHARME DER UNVOLLKOMMENHEIT

Das erste F°LAB – Festival for Performing Arts in Frankfurt beweist Mut
Veröffentlicht am 27.06.2017, von Boris Michael Gruhl


REQUIEM FÜR EINE JUNGE GENERATION

Jeroen Verbruggen und Jirí Bubenicek kreieren fürs Staatstheater Nürnberg
Veröffentlicht am 26.06.2017, von Alexandra Karabelas

LETZTE FORENBEITRÄGE


BALLETTCHAT?

Rubrik: Off Topic! Allgemeines und Privates

VOLKSBÜHNE BERLIN - WORKSHOP ZU ​LEVÉE DES CONFLITS VON BORIS CHARMATZ

Rubrik: Berlin

VOLKSBÜHNE BERLIN - WORKSHOP ZU ​LEVÉE DES CONFLITS VON BORIS CHARMATZ

Rubrik: Jazz, Hip Hop und Show

VOLKSBÜHNE BERLIN - WORKSHOP ZU ​LEVÉE DES CONFLITS VON BORIS CHARMATZ

Rubrik: Ballett, Modern, Contemporary, Tanztheater

AZZONI ALS KLEINE MEERJUNGFRAU (NEUMEIER), HAMBURG BALLETT, 18.06.2017

Rubrik: Publikumsrezensionen

SALSA TANZKURSE IN DORTMUND?

Rubrik: Off Topic! Allgemeines und Privates

A CINDERELLA STORY (NEUMEIER), HAMBURG BALLETT, 09.06.2017

Rubrik: Publikumsrezensionen

HOMMAGE AN ELISA BADENES - PRINCIPAL DANCER STUTTGARTER BALLETT

Rubrik: Publikumsrezensionen

RE: TANZSOMMER CAMPS/INTENSIVTRAINING IN DEN SOMMERFERIEN

Rubrik: Tanzausbildung Schüler

RE: TANZSOMMER CAMPS/INTENSIVTRAINING IN DEN SOMMERFERIEN

Rubrik: Tanzausbildung Schüler



BEI UNS IM SHOP