Hommage an Elisa Badenes - Principal Dancer Stuttgarter Ballett #

rolf wollgarten, 08.06.2017 20:26:39

Hommage an eine Außergewöhnliche
Elisa Badenes – Principal Dancer Stuttgarter Ballett

Elisa Badenes hat es. Sie tanzt nicht, sie ist Ballett-Tanz. Sie verkörpert Tanz so unmittelbar, daß sich die Sprache des Körpers während des Sprechens aufzulösen scheint in eine rein ästhetische Erscheinung, in einen Wohlklang von getanzten Seelenbildern zur Musik, ein getanzter Zuruf der Schönheit an die Freiheit derart, als wäre alles in dieser schwierigen Sprache zum Leichtesten hin, zelebriert ohne die zerrenden Kräfte des Gemeinen, Gewöhnlichen, Profanen.

Sie schafft etwas Neues, eine exquisite Abstrahierung, indem sie die apollinische Form in eins bringt mit der dionysischen Lust und ein Raummoment kreiert des Augenblicks, der zu verweilen scheint. Das Geheimnis ist dergestalt, daß Elisa Badenes in höchster Huld, das meint in dichter Durchsichtigkeit, in seiltänzerisch konsequenter Spannung und kompromißloser Konturierung, die Figuren quasi zum Verschwinden bringt, denn im Schwinden läßt sie schon das Kommende aufsteigen, in gewandelt anderer Pracht des Geschwundenen, so erfährt das Vergehen und das Erstehen von Bewegung eine Verschmelzung, als sei’s ein blitzartiges, unvermeidlich himmlisches Geschehen.

Den Eindruck des verweilenden Augenblicks geht nur mit der klassischen Sprache. Indes artikuliert Elisa Badenes diese Grammatik der Bewegungen auf solitäre Höhen der Virtuosität. Die vokalisischen Betonungen, die konsonantischen Streckungen, ihre Phrasierungen der Linien, ein Zögerliches, dann wieder ein Einholen
Dabei die ausdrucksstarke und stets rollenaffine Sprache der Gebärden, das frische Mienenspiel, die kecken Augenaufschläge, das Lupfen der Schulter, der unbekümmerte Lauf über die Bühne, alles im Einklang.
Die traumwandlerische Beherrschung der Sprache eröffnet den Raum für ihr transparent naives Tanzspiel mit einer Natürlichkeit, der etwas Begnadetes, Erweckendes innewohnt. Als wäre es Elisa Badenes darum zu tun, die seit Jahrhunderten zur Anschauung kommenden, von Bildhauern herausgearbeiteten apollinischen Linien in den Ballett-Tanz zu überführen, dabei dionysisch neu zu lesen, neu zu verlebendigen, aber nicht gierig, affektiert, trunken, sondern freudvoll, spielerisch effektvoll, dynamisch reflexiv.

Enthusiastisch gefeiert in diesen Tagen in Don Quijote. Die Daten zu Elisa Badenes sind nachlesbar. Zahlreiche Preise. In Stuttgart sehr rasch zur Ersten Solistin aufgestiegen. Sie beherrscht die Fächer, ob nun komödiantisch- und dramatisch-narrativ (Don Quijote, Onegin, Othello, Salome, Schwanensee, Endstation Sehnsucht, usw.) oder elegisch, sinfonisch (Dances at a Gathering, Vergessenes Land, Initialien R.B.M.E., das Lied von der Erde, usw.) oder fantastisch (Faun, Giselle, La Sylphide, usw.) oder expressiv, avantgardistisch (Aftermath, Black Breath, The second detail, Miniatures, usw.).



 

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