PINA BAUSCH UND DAS TANZTHEATER WUPPERTAL



PINA BAUSCH UND DAS TANZTHEATER WUPPERTAL

Beschreibung

Der nun vorliegende Band zu Leben und Arbeit der weltberühmten Choreografin und Kyoto-Preisträgerin Pina Bausch ist nicht nur die umfassendste Dokumentation zu ihrem Leben und Werk, sondern auch eine besondere Hommage an eine herausragende Avantgardistin des modernen Ausdruckstanzes. Zusammen mit dem nach ihr benannten Wuppertaler Ensemble inszenierte sie weltweit anerkannte Stücke und beeinflusste nachhaltig die internationale Tanzszene. Die Fotografin Ursula Kaufmann beschäftigt sich seit 1984 mit der Tanz-Ballett- und Theaterfotografie und hat die Aufführungen Pina Bauschs, die sie auch persönlich kannte, über Jahre hinweg begleitet. Für dieses Buch hat sie die besten Momentaufnahmen aus 40 Tanzstücken zusammengestellt, die in einem einzigen, auf Film festgehaltenen Zeitpunkt den Charakter des ganzen Stückes widerspiegeln. Den Bildern sind neben einer Biografie Bauschs und einem Werkverzeichnis eine Einleitung und begleitende Texte von Gudrun Norbisrath beigestellt.


Besprechung der tanznetz.de-Redaktion

Dieser edle Foto-Text-Band mit Silberschnitt zieht den Betrachter und Leser kraftvoll in die Gedanken- und Bühnenwelt der ewig suchenden Jooss-Schülerin Pina Bausch (1940 – 2009) und ihrer an internationalen Tänzerpersönlichkeiten so reichen Wuppertaler Kompanie. Das Buch reflektiert wesentliche Aspekte zu Leben und Werk der Erneuerin des Tanz-Theaters, deren Neugier und Lust auf andersartige Möglichkeiten des Ausdrucks menschlicher Beziehungen in aller Widersprüchlichkeit unseren Blick auf uns selbst und die Welt, in der wir leben, radikal verändert hat.

Ursula Kaufmann, deren Aufführungsfotos seit Jahren den großformatigen Kalender des Wuppertaler Tanztheaters zieren, hat die künstlerischen Projekte der herausragenden Tanzschöpferin Pina Bausch seit den 80er Jahren intensiv aus der ersten Reihe bei Generalproben, Wiederaufnahmen, Neueinstudierungen kennengelernt und fotografisch in Momentaufnahmen festgehalten. Eine aussagekräftige Auswahl dieses Foto-Schatzes spiegelt 40 Inszenierungen in 380 Farbfotografien. Das klare Layout (einschließlich Typografie) unterstreicht die facettenreiche emotionale Bewegtheit menschlichen Ausdrucks im Tanztheater der Pina Bausch. Doppelseitig, halbseitig, oder in mehrere Stimmen aufgeteilt, tanzen die Bilder. Sie erzählen Kraft der beredten Präsenz der Tänzerinnen und Tänzer von jener an Widersprüchen reichen menschlichen Existenz, die es freizulegen und immer neu assoziativ zu diskutieren gilt.

Durch die dramaturgisch kluge Platzierung des vierteiligen Essays von Gudrun Norbisrath wird ein spannender Dialog mit den Foto-Serien der einzelnen Stücke ermöglicht. Die Autorin nähert sich in ihrem aus genauer Kenntnis und liebevollem Respekt erwachsenen Text „Tanz das Leben“ ( I – IV) den künstlerischen Chiffren, den Bruchstücken menschlicher Existenz, den durch Bühnenbild, Requisiten, Kostümen und Musik collageartig verdichteten neuen Bedeutungsräumen für eine Tanzsprache, die wir so nicht kannten und bis in die unmittelbare Gegenwart mit jeder Vorstellung des Wuppertaler Tanztheaters neu kennenlernen. Gudrun Norbisraths Reflektionen, weiß auf schwarzem Fond, fügen dem Vielen, das über die Arbeit von Pina Bausch bereits geschrieben wurde, sprachlich und inhaltlich eine ganz eigene Sichtweise hinzu. Sie sind getragen von der Überzeugung, dass Tanz-Kunst und Leben in der Arbeit von Pina Bausch zusammen gehören. Jenseits des Kulinarischen verändern sie Produktion und Rezeption. Bausch-Stücke stellen vielgestaltige Fragen an das eigene Leben, sie sind Einladungen zum Nachdenken: verstörend, sinnlich, hoffnungsvoll.

Der Foto-Text-Band wird eröffnet durch die Rede von Pina Bausch „Was mich bewegt“ anlässlich der Verleihung des Kyoto-Preises 2007, in der die wortkarge Künstlerin öffentlich über die „planlosen Herausforderungen“ seit der Kindheit und den weiten Weg ihres Tanztheaters bis zur Etablierung eines zeitgenössischen Tanztheater-Netzwerks nachdenkt.

1995 wurde Pina Bausch mit dem Deutschen Tanzpreis geehrt – nachzulesen sind die Laudatio von Ulrich Roehm „Das Wuppertaler Tanztheaterwunder“ sowie Malve Gradingers zu diesem Anlass publizierter Text „Wo der Tanz beginnt – Pina Bauschs Tanztheater der neu entdeckten alten Körperbilder“. Jahre später spricht Intendant Jürgen Flimm in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Musikpreises der Stadt Duisburg 2008 mit engagierten Worten rückblickend vom „ kulturellen Aufbruch in der vermufften Bühnenluft“ durch Pina und rät den heutigen hochbegabten Künstlern „ das Tor sperrangelweit aufzusperren, um die Welt einzulassen.“

Der zweisprachige Prachtband der Edition Panorama Mannheim, schwergewichtig in Inhalt und Form, ist eine gelungene Hommage an die an- und aufregende Tanz-Theater-Arbeit der weltberühmten Choreografin und ihrer Wuppertaler Protagonisten. Zugleich ist er eine Würdigung der aussagekräftigen Tanztheater-Fotografie von Ursula Kaufmann, die der Bewegungssprache von Pina Bausch unter ganz eigenen Blickwinkeln über Jahrzehnte hinweg hautnah auf der Spur ist.

Diese umfangreiche Dokumentation ,informativ ergänzt durch ein Werkverzeichnis und Biografie, umreißt ein einzigartiges Kapitel Tanzgeschichte; und nicht nur wer die Aufführungen erlebt hat, wird mit den Fotos in lebendigen Dialog treten, die Angst, die Kraft und das Lächeln, die Liebe zum Leben spüren. Clémentine Deluy läuft energisch im langen roten Kleid von links mit einem schon welkenden Baum auf den Rücken geschnallt ins schwarze Titel-Bild – mit diesem Motiv aus Pina Bauschs letztem Stück „ … como el musguito en la piedra, ay si, si, si…“ (2009) beginnt die fragende Einladung zum Nachdenken über das Sein in unserer Welt. Pina Bausch wird uns dabei weiter begleiten.

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