HOMEPAGE



Oldenburg

EINSTAND NACH MAß

Antoine Jully als neuer Oldenburgischer Chefchoreograf



Mit der abstrakten Tanzkreation "Deca - Deci" und dem kleinen Handlungsballett "L'Arlésienne" nach Alphonse Daudet auf George Bizets populäre Suiten präsentierte Antoine Jully ein ebenso kontrastreiches wie niveauvolles Programm für seine zehnköpfige neue "BallettCompagnie Oldenburg".


  • "Deca-Deci": Nicol Omezzolli und Lester René González Álvarez, Marjorie Lenain und Marco Russo Volpe Foto © Jörg Landsberg
  • "Deca-Deci": im Vordergrund: Marié Shimada, Lester René González Álvarez und Nicol Omezzolli Foto © Jörg Landsberg
  • "Deca-Deci": im Vordergrund: Jossia Clement Foto © Jörg Landsberg
  • "Deca-Deci": Marco Russo Volpe, Nicol Omezzolli, Floriado Komino Foto © Jörg Landsberg
  • "L’Arlésienne": Jossia Clement und Marco Russo Volpe Foto © Jörg Landsberg
  • "L’Arlésienne": Nicol Omezzolli Foto © Jörg Landsberg
  • "L’Arlésienne": Nicol Omezzolli Foto © Jörg Landsberg
  • "L’Arlésienne": im Vordergrund: Nicol Omezzolli Foto © Jörg Landsberg
  • "L’Arlésienne": Jossia Clement und Marco Russo Volpe, Marjorie Lenain und Timothée Cuny, Eleonora Fabrizi und Herick Moreira Foto © Jörg Landsberg

So gelang dem Franzosen ein Einstand nach Maß als neuer Oldenburgischer Chefchoreograf. Der ebenfalls neu engagierte Ballettdirektor Burkhard Nemitz hält ihm als Manager den Rücken frei; denn Jully verantwortet choreografisch in dieser Saison alle drei Abende sowie ein Kinderballett, das Programm der traditionellen Internationalen Tanztage und die Choreografie für das Musical "Evita".

Schon während seiner Tänzerkarriere - zuletzt fast zehn Jahre bei Martin Schläpfer in Mainz und Düsseldorf/Duisburg - begann der gebürtige Pariser zu choreografieren. Beim Ballett am Rhein profilierte er sich mit drei mehr als ansehnlichen Choreografien, die nicht zuletzt durch die originelle Musikwahl aufmerken ließen. Auch in "Deca - Deci" (griechisch und italienisch für "zehn") verblüfft Jully mit der Deutschen Erstaufführung der 5. Sinfonie des hierzulande kaum bekannten Andrej Eschpai, live sehr klangschön und klar strukturiert gespielt vom Oldenburgischen Staatsorchester unter der Leitung des jungen Italieners Vito Cristofaro, der vom Tiroler Landestheater Innsbruck ebenfalls in die neue Intendanz von Christian Firmbach berufen wurde. Der greise Komponist, dessen umfangreiches, vielseitiges Werk in Russland hoch angesehen ist, ließ es sich nicht nehmen, aus Moskau zur Premiere anzureisen. In Deutschland dürfte seine spätromantisch anmutende Partitur dank ihrer berückend zarten lyrischen Passagen und lebhaft theatralischen Sequenzen viele Anhänger finden (eine Platteneinspielung der 5. liegt seit langem vor).
In seinem Ballett erweist sich Jully als souverän in der Raumnutzung und dem flüssigen Wechselspiel von Solo - Paar - Ensemble. Raffiniert sind Jullys Bühnen- und Kostümbild. In der transparenten Plastikplane des Rückprospekts spiegeln sich die Tänzer schemenhaft als Entsprechung zu dem ätherisch Geheimnisvollen der Musik. Über pastellblauen Zweiteilern tragen die Tänzerinnen und Tänzer schwarze Spitzenjacken mit Kapuzen, die sich im Schwung der Bewegung immer wieder über den Kopf legen, was die märchenhafte Aura unterstreicht.

Jullys choreografische Sprache erinnert hier (noch?) deutlich an Schläpfers anspruchsvolle moderne Gestik und Artistik. In "L'Arlésienne" (Die Schöne aus Arles) spürt man eher Mats Eks Erbe, deutlich aber auch die Zusammenarbeit mit den durchweg vorzüglichen Tänzern, denen Jully ihre Rollen perfekt "auf den Leib" geschrieben hat. Vor allem der drahtige Kubaner Lester René González Álvarez porträtiert die Liebesnot des Fédéri - er liebt die Falsche und stürzt sich in den Tod - mit größter Intensität und stupender Virtuosität. Etwas hölzern noch wirkt die Italienerin Nicol Omezzolli als verliebt-ungeliebte Vivette, reif und anrührend kommen Marié Shimada und Floriado Komino über. Eine runde Sache ist dieser Zweiteiler und wurde vom Publikum ausführlich beklatscht.

Veröffentlicht am 21.10.2014, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Kritiken 2014/2015

Dieser Artikel wurde 1821 mal angesehen.



Kommentare zu "Einstand nach Maß "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE NEWS


    HEUTE, AM 29. APRIL IST WELTTANZTAG!

    Zahlreiche Aktionen anlässlich des internationalen Tag des Tanzes weltweit
    Veröffentlicht am 20.04.2017, von tanznetz.de Redaktion


    STARKES EIGENES KÜNSTLERISCHES PROFIL

    Neue künstlerische Leitung Theaterfestival FAVORITEN 2018
    Veröffentlicht am 03.04.2017, von Pressetext


    JIŘÍ KYLIÁN ZUM 70.

    Der tschechische Choreograf feiert Geburtstag
    Veröffentlicht am 21.03.2017, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    APROPOS LIEBE - URAUFFÜHRUNG VON MARTIN CHAIX

    Premiere am Mittwoch, den 30. November 2016 um 19.30 Uhr im E-Werk des Mecklenburgischen Staatstheaters

    Woher kommt die Liebe in unserer Gesellschaft? Was bedeutet Liebe heutzutage? Das Ballett „Apropos Liebe“ von Martin Chaix führt ein Panorama der Liebe vor und (ver)führt das Publikum zu einer Reise der Seele hin zur innersten Wahrheit.

    Veröffentlicht am 02.12.2016, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    WIE TANZT MAN REFORMATION?

    Das Bundesjugendballett wagt mit "Gipfeltreffen - Reformation" einen Versuch
    Veröffentlicht am 15.01.2017, von Andreas Berger


    STANDING OVATIONS

    Pick bloggt über die Gastspielreise des Bundesjugendballetts und -orchesters
    Veröffentlicht am 16.01.2017, von Günter Pick

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    GROßARTIGES BALLETTEPOS

    Nacho Duatos „Erde“ und Hofesh Shechters „The Art of Not Looking Back“ in einem Doppelabend am Staatsballett Berlin

    Veröffentlicht am 23.04.2017, von Gastautor


    DIE WELT ZU GAST IN MÜNCHEN

    Eine wunderbare Gala der Munich International Ballet School

    Veröffentlicht am 27.04.2017, von Karl-Peter Fürst


    EINE ALTE GESCHICHTE

    „Werther oder ich werde geliebt, also bin ich“ von Ralf Rossa in Halle

    Veröffentlicht am 24.04.2017, von Herbert Henning


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick


    FANTASIE MIT TIEFSINN

    Pick bloggt über „Die Metabolisten – Stoff wechseln“ von Silke Z. resistdance in der Alten Feuerwache in Köln

    Veröffentlicht am 26.04.2017, von Günter Pick



    BEI UNS IM SHOP