HOMEPAGE



München

LIEBEVOLL ANERKENNENDES SCHMUNZELN

Die Rekonstruktion des Petipa-Klassikers "Le Corsaire" von Ivan Liška und Tanznotations-Experte Doug Fullington



Das Ensemble des Bayerischen Staatsballetts brilliert bei der Wiederaufnahme des Balletts aus dem 19. Jahrhundert.


  • Kinderensemble Foto © Wilfried Hösl
  • Ensemble Foto © Wilfried Hösl
  • Daria Sukhorukova und Lukáš Slavický Foto © Charles Tandy
  • Daria Sukhorukova, Maxim Chashehegorov Foto © Charles Tandy
  • Ivan Liska und Ensemble Foto © Charles Tandy
  • Ivan Liska und Ensemble Foto © Charles Tandy
  • Ivan Liska und Ensemble Foto © Charles Tandy
  • Ivan Liska und Ensemble Foto © Charles Tandy
  • Ivan Liska und Ensemble
  • Ivan Liska und Ensemble Foto © Charles Tandy

Ein stimmungsreicher, ein sehr schöner Abend. Mit „Le Corsaire“ ist Ivan Liška, unterstützt von Tanznotations-Experte Doug Fullington, 2007 eine exquisite Rekonstruktion dieses Petipa-Klassikers (1863, letzte Fassung 1899) gelungen. Wenn alle noch bis Saisonende folgenden Programme so frisch wirken wie diese Wiederaufnahme nach fünf Jahren und das Staatsballett immer in solch prächtiger Tanzlaune ist, kann sein Leiter Liška stolz und zufrieden das Zepter an seinen Nachfolger Igor Zelensky übergeben. Tosender Applaus im Münchner Nationaltheater.

Der Glanz dieser Version: die Handlung – hier ein wahres Intrigen-Paket – und der Tanz fließen nahtlos ineinander über. Keine lähmende Pantomime nirgends. Passend Aivo Väljas dynamisches Dirigat, auch wenn das Staatsorchester seine Abneigung gegen Adam, Delibes, Pugni und Drigo des öfteren nicht verbarg.

Im emsigen Tanz-und-Schacher-Gewimmel eines orientalischen Marktes brillieren abwechselnd in spannend vertrackten klassischen Variationen: Mai Kono, mit ihrem Debüt als Gulnara endlich zu einer pikanten Ballerina gereift; Maxim Chashchegorov als Sklave Ali und Matej Urban als Corsaire Konrads Freund Birbanto, ebenfalls Debüts. In Sprung- und Dreh-Hochform, Lukáš Slavický in der von ihm 2007 kreierten Titelrolle. Auch Daria Sukhorukova als an den Pascha verkaufte und von Konrad zweimal entführte schöne Griechin Médora gewinnt wieder ihre feine aristokratische Qualität zurück – die sie in Konrads Versteck, einer romantischen Felsengrotte, auch ins Spielerische wendet.

Überhaupt das bei Petipa-Liska dominierende komödiantische Element! Mit echtem Piratentum und der Inspirationsquelle, Lord Byrons düsterem Gedicht „Le Corsaire“, hat dieses Ballett wenig zu tun. Auch der reale Harem war keinesfalls ein so lieblicher Ort, wo, wie hier, grazile Chiffon-umhüllte Damen und Odalisken den Pascha in wiegenden und Spitzen-sicheren Tänzen erfreuten. Diesem „Corsaire“ unterliegt – und das ist sein Charme – durchgehend ein liebevoll anerkennendes Schmunzeln über die Theatermoden des 19. Jahrhunderts. – Am 8. November feiert Chef Liška seinen 65. Geburtstag ganz speziell – in der Rolle des Pascha.

Veröffentlicht am 04.11.2015, von Malve Gradinger in Homepage, Kritiken 2015/2016

Dieser Artikel wurde 2910 mal angesehen.



Kommentare zu "Liebevoll anerkennendes Schmunzeln"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE KRITIKEN


    FREESTYLE HAPPENINGS

    Uraufführung von Jasmine Ellis „Empathy“ im Schwere Reiter in München
    Veröffentlicht am 15.01.2018, von Vesna Mlakar


    GLEICHNISHAFTE BILDER VOM MISSBEHAGEN AN DIESER WELT

    Das Cullbergbaletten zeigt Jefta van Dinthers „Protagonist“ im HAU Berlin
    Veröffentlicht am 15.01.2018, von Volkmar Draeger


    HERZENSANGELEGENHEIT

    Mit dem Abend „Dancing Souls“ stellt sich Alfonso Palencia als Ballettdirektor in Hagen vor
    Veröffentlicht am 14.01.2018, von Marieluise Jeitschko



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    POSTERINO DANCE COMPANY ON TOUR

    Theater an der Rott präsentiert ab 23.02.18 sechs Vorstellungen mit zeitgenössischem Tanz.

    Nach den Erfolgen am Hessischen Staatstheater Wiesbaden und am Theater HochX in München sind „Through Pina’s Eyes“ und „Love me if you can!“ im Februar und März auf Tour in Bayern.

    Veröffentlicht am 06.01.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    GLEICHNISHAFTE BILDER VOM MISSBEHAGEN AN DIESER WELT

    Das Cullbergbaletten zeigt Jefta van Dinthers „Protagonist“ im HAU Berlin
    Veröffentlicht am 15.01.2018, von Volkmar Draeger

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    HERZENSANGELEGENHEIT

    Mit dem Abend „Dancing Souls“ stellt sich Alfonso Palencia als Ballettdirektor in Hagen vor

    Veröffentlicht am 14.01.2018, von Marieluise Jeitschko


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    PETER MARTINS TRITT ZURÜCK

    Der langjährige Leiter des New York City Ballets verlässt im Zuge der Vorwürfe sexuellen Missbrauchs die Kompanie

    Veröffentlicht am 02.01.2018, von tanznetz.de Redaktion


    POSTERINO’S NEUESTE WERKE ALS URAUFFÜHRUNGEN IN MÜNCHEN AUF DER BÜHNE

    20. Januar 2018: Ballett-Gala im Theater KUBIZ zeigt hochkarätiges Programm mit nationalen und internationalen Gästen

    Veröffentlicht am 20.12.2017, von Anzeige


    VON DER VERGÄNGLICHKEIT ALLEN LEBENS

    Eine Uraufführung von Adriana Hölszky und Martin Schläpfer: „Roses of Shadow“ in Düsseldorf

    Veröffentlicht am 17.12.2017, von Marieluise Jeitschko



    BEI UNS IM SHOP