Zukunft ohne Notausgang

„World′s end girlfriend“: Choreografie von Yoshie Shibahara

Köln, 06/05/2009

Drei adrette Girlies im graublauen Minikleid und hochhackigen Pumps simulieren die stereotypen Gesten von Stewardessen. Ausgänge rechts und links. Notausgänge hinten. Die Kölner Choreografin Yoshie Shibahara will in ihrem neuen Stück „World´s end girlfriend“ das Publikum wie Passagiere eines Fluges „in das Abwegige vergangener Zukunftsvisionen“ entführen. Wie haben wir uns vor zwanzig oder dreißig 30 Jahren die Zukunft, also das Heute, vorgestellt, fragt sie. Doch bei ihr ist die Vision begrenzt auf eine futuristische Architektur, auf roboterhafte Bewegungen der Tänzerinnen und unterlegt mit einer psychedelischen Musik (Jacob Kirkegaard).

Der Bühnenraum der Alten Feuerwache verengt sich nach hinten und endet wie in einem Guckkasten mit einer Projektionsfläche. Dort flimmern in einem faszinierenden Video von Tessa Knapp die Bilder einer architektonischen Future World, die, offensichtlich inspiriert von Mitscherlichs „Unwirtlichkeit unserer Städte“ (1965), in Selbstzerstörung endet. In diesem Ambiente sphärischer Abgehobenheit agieren die Tänzerinnen Linda Nordström, Sachie Tanaka und Deborah Gassmann unterschiedslos und – emotionslos wie Roboter. Die Monotonie ihrer Bewegungen lässt die 50 Minuten Stückdauer zu gefühlten drei Stunden werden.

Die Bewegungen, die tatsächlich kein Tanz sind, sondern von (perfekten) Tänzerinnen ausgeführte Performance-Aktionen, werden verlangsamt, überdehnt, wiederholt oder führen in eine Art kurzfristiger Starre. Ob die Aktricen elegant zu Boden gleiten, im Seitsitz verharren oder simultan erstarren, am Boden robben oder sich neurotisch in einen Servierwagen zwängen: zwanghafte Bewegungen stehen für geistige Leere und inhaltliches Nichts. Das soll die Zukunft aus Sicht der Achtzigerjahre gewesen sein, fragt sich der Zeitgenosse verstört? „World´s end girldfriend“ ist ein inhaltlich unreflektiertes, auch untänzerisches Stück, dessen Monotonie zum Ausdruck choreografischer Unfähigkeit wird.

Weitere Aufführung: 16.05.2009 in der Fabrik Heeder, Krefeld

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