Ivan Gil Ortega

In Europa fündig

Ivan Gil Ortega ist neuer Direktor beim Queensland Ballet in Brisbane

Li Cunxins Nachfolgerin blieb unerwartet kurz, Greg Horsman übernahm interimistisch. Mit Ortega fand man wie schon oft eine künstlerische Leitung, die ihre Wurzeln im Stuttgarter Ballett hat.

Brisbane, 15/02/2025

Beim gerade vergangenen Prix de Lausanne wurde Li Cunxin, „Maos letzter Tänzer“, mit dem „Lifetime Achievement Award“ ausgezeichnet. Das Queensland Ballet in Brisbane verdankt Li, der es bis Ende 2023 über zehn Jahre leitete, den Aufstieg zu einer erfolgreichen und beachteten Kompanie. Seine Nachfolgerin Leanne Benjamin verließ aus Gründen, die nie wirklich transparent waren, nach nur einem knappen halben Jahr den Posten; interimistisch wurde Greg Horsman eingesetzt. Und nun verkündete das Queensland Ballet vor Kurzem den Namen des neuen Künstlerischen Leiters: Ivan Gil Ortega, der den Posten ab sofort übernimmt.

Erfahrung und Vorfreude

Der aus Madrid stammende Spanier war lange Erster Solist beim Stuttgarter Ballett, gefolgt von einem Engagement am Het Nationale Ballett. Seine aktive Tänzerkarriere beendete er 2008, um sich dem Einstudieren, dem Coachen und dem choreografischen Assistieren zu widmen. Er arbeitete viel mit Goyo Montero zusammen, studierte Werke von Christian Spuck ein und war an Carlos Acostas Seite, als dieser das Birmingham Royal Ballet übernahm. Und er hat lange und regelmäßig mit und für Derek Deane gearbeitet, über den letztlich die Bande zum Queensland Ballet entstanden, da er Deane in Brisbane seit 2016 mehrfach bei Produktionen assistiert hat. Ein profunder Einblick in alles, was eine Leitungstätigkeit bedeutet und beinhaltet, ist Teil seines Erfahrungsspektrums, sein Netzwerk an Kontakten ist engmaschig, und zudem spricht er fünf Sprachen.

Der 48-jährige Ivan Gil Ortega zeigt sich hochzufrieden ob seiner Ernennung und voll gespannter Erwartung: „Der Posten kommt zu einem guten Zeitpunkt in meinem Leben, ich fühle mich absolut bereit dafür. Ich habe so viel sehen und lernen dürfen bei meiner Arbeit in Kompanien auf der ganzen Welt, was mir bei dieser neuen Aufgabe helfen wird. Klar bin ich auch nervös, aber auf eine gute Art.“ 

Großes Ensemble und große Aufgabe

Auf ihn wartet ein Ballettensemble, mit dem man große Produktionen auf die Beine stellen kann: Das Queensland Ballet hat 48 Tänzer*innen, 12 Junior*innen, und zudem werden Schüler*innen aus dem Pre-Professional Programme der Queensland Ballet Academy auch in den Vorstellungen eingesetzt. Produktionen wie MacMillans „Romeo and Juliet“, das Ende März auf dem Programm steht, können bestens gestemmt werden. Das Programm dieses Jahres (die Spielzeit in Australien ist analog dem Kalenderjahr) und eines Teils von 2026 steht natürlich schon länger fest, und für seine eigene zukünftige Planung lässt sich Ortega noch nicht in die Karten schauen. Aber Blick und Lächeln lassen erahnen, dass sicher Produktionen erworben und Choreograf*innen eingeladen werden, die dem australischen Publikum spannendes Neuland bieten könnten. Dass Brisbane 2032 Austragungsort der Olympischen Sommerspiele sein wird, und somit dadurch bereits jetzt viel Geld in die Stadt fließt, wird sich vermutlich auch nicht von Nachteil erweisen. Beim Fundraising - und nicht nur da - kann Ortega nach wie vor auf die Unterstützung von Li Cunxin setzen. Beide bringen zum Ausdruck, wie sie sich gegenseitig schätzen.

Direktor*innen mit Stuttgarter Wurzeln

Es sind viele ehemalige Tänzer*innen des Stuttgarter Balletts, mit einer Ausnahme alle aus der 22-jährigen Direktoriumszeit von Reid Anderson, die derzeit zum Teil bereits ihren zweiten oder dritten Leitungsposten bekleiden: Filip Barankiewicz (Tschechisches Nationalballett Prag), Bridget Breiner (Ballett am Rhein Düsseldorf), Tamas Detrich („Heimspiel“ beim Stuttgarter Ballett), Eric Gauthier (Gauthier Dance Stuttgart), Marco Goecke (schon sehr bald in Basel), Marc McClain (Landestheater Coburg; er tanzte noch unter Marcia Haydée), Christian Spuck (Staatsballett Berlin), Demis Volpi (Hamburg Ballett). Und auch außerhalb Europas geht die Liste weiter: Sue-Jin Kang beim Koreanischen Nationalballett in Seoul, Ivan Cavallari bei Les Grands Ballets Canadiens in Montréal - und nun ergänzt Ivan Gil Ortega sie auf einem weiteren Kontinent. 

Möge er ein gutes Händchen bei der neuen Aufgabe beweisen und ihn ein herzliches „Good luck, mate“ nach Down Under begleiten.

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